DJ Bitkom: 8 von 10 Startups sehen deutliche Zurückhaltung von Investoren
BERLIN (Dow Jones)--Die Mehrheit der deutschen Startups ist auf der Suche nach frischem Kapital, hat aber Schwierigkeiten, Investoren aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung zu einem finanziellen Engagement zu bewegen. Einer Umfrage für den Digital-Verband Bitkom zufolge sagen acht von zehn Startups, dass durch die konjunkturelle Entwicklung Investoren deutlich zurückhaltender geworden sind. Dabei hätten sieben von zehn in den kommenden 24 Monaten Kapitalbedarf - im Durchschnitt gehe es dabei um 2,3 Millionen Euro. Das ist im Vergleich zum Vorjahr mit 3,3 Millionen Euro ein Rückgang um fast ein Drittel.
Nur 3 Prozent der Startups geben an, keinen Kapitalbedarf zu haben, ein Viertel konnte oder wollte dazu keine Angaben machen, so das Ergebnis der Umfrage. Dieser zufolge sind 17 Prozent der Startups mit Kapitalbedarf bereits für die nächsten zwei Jahre finanziert. Mehr als drei Viertel (79 Prozent) sind allerdings noch auf der Suche. Und immerhin 14 Prozent von ihnen halten es derzeit für unwahrscheinlich, dass sie das benötigte Geld auftreiben können, so Bitkom.
"Viele Startups mussten zuletzt auf die Kostenbremse treten und ihre Profitabilität erhöhen, dadurch ist der durchschnittliche Kapitalbedarf zurückgegangen. Die Zurückhaltung der Investoren darf aber nicht Wachstum und internationale Expansion deutscher Startups ausbremsen", sagte Niklas Veltkamp, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung. "Auch die Politik sollte die Entwicklungen in den kommenden Monaten genau verfolgen und wenn nötig gegensteuern."
Deutschland sollte etwa Rahmenbedingungen schaffen, damit neue Investorengruppen wie Pensionskassen oder Versicherungen verstärkt in Startups investieren und von deren Wachstum profitieren könnten.
Deutschland müsse zudem als Fondsstandort attraktiver werden, etwa indem die geplante Umsatzsteuerbefreiung für Wagniskapitalfonds ähnlich wie in vielen anderen EU-Mitgliedsstaaten zeitnah umgesetzt wird.
Aktuell ist der Umfrage zufolge rund ein Drittel der Gründer der Meinung, dass es in Deutschland ausreichend Venture Capital gibt. Und ebenfalls rund ein Drittel überlegt, mit dem eigenen Startup ins Ausland zu gehen, weil es in Deutschland zu wenig Kapital gibt.
Ein Börsengang ist dabei für die Mehrheit der Startups aktuell keine Option. Nur 31 Prozent halten den Gang aufs Parkett bei einer deutschen Börse in der Zukunft für eine Option, 25 Prozent können sich das im Ausland vorstellen.
"Damit es gelingt, europäische Startup-Champions in Deutschland zu halten, müssen wir den Kapitalmarkt stärken und potenzielle Exit-Kanäle ausbauen", sagte Veltkamp.
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June 19, 2023 03:39 ET (07:39 GMT)
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