DJ Dekabank: Deutsches BIP sinkt 2023 um 0,6 Prozent
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die deutsche Wirtschaft wird sich nach Einschätzung der Dekabank im laufenden Jahr schwächer als die anderen großen Volkswirtschaften des Euroraums entwickeln, was vor allem an den Problemen des verarbeitenden Gewerbes liegt. Wie aus der aktuellen Konjunkturprognose hervorgeht, rechnet die Dekabank damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums um 0,6 Prozent steigen wird, das deutsche aber um 0,6 Prozent sinken. Laut Dekabank liegt das am deutschen "Geschäftsmodell", das stärker als das anderer Länder auf die Industrie und damit die Weltmärkte ausgerichtet sei.
"Man kann diese Schwäche, die wir jetzt erleben, auf die besondere Struktur der deutschen Wirtschaft zurückführen. Wir leben stärker als Italien oder Frankreich von der Industrie und der Weltwirtschaft", sagte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater bei der Vorstellung des Ausblicks. Zudem stehe der für Deutschland wichtige Automobilsektor durch den Wandel hin zu Elektromobilität stark unter Druck.
Die gestiegenen Energiekosten bedeuteten Kater zufolge auch für andere Industriezweige Anreize, ihre Produktion vom Standort Deutschland zumindest teilweise weg zu verlagern. "Wir habe es geschafft, das durch eine höhere Produktion in der Elektroindustrie auszugleichen, aber das wird nicht ewig so weitergehen", sagte Kater. Zwar sei die Industrieproduktion insgesamt bislang stabil, ein Schrumpfen des Industrieanteils sei in den kommenden Jahren jedoch wahrscheinlich.
Eine weitere Belastung stellt laut Dekabank die Alterung der Gesellschaft dar. Sie belaste nicht nur die sozialen Sicherungssysteme, sondern verringere auch den ohnehin schon knappen Produktionsfaktor Arbeit. Die Entwicklung zeige damit exemplarisch den extremen Strukturwandel, dem Unternehmen und Menschen gegenwärtig ausgesetzt seien: technologischer Fortschritt, Anforderungen der Umweltpolitik und demografischer Wandel sind die wichtigsten dieser Strömungen.
"Jetzt ist Flexibilität gefragt, um diesen Strukturwandel ohne Wohlstandsverlust bewältigen zu können. Deutschland benötigt eine neue Standortdebatte, eine neue Wohlstandsagenda", sagte Kater.
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June 19, 2023 05:42 ET (09:42 GMT)
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