DJ Lagarde: Firmen müssen steigende Arbeitskosten absorbieren
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) muss mit ihrer Geldpolitik nach den Worten von EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Wirtschaftsaktivität so stark dämpfen, dass sie die Unternehmen damit daran hindern kann, die durch erhöhte Lohnstückkosten erlittenen Margeneinbußen auszugleichen. Lagarde verwies zur Eröffnung des geldpolitischen Forums in Sintra laut Redetext darauf, dass die Nominallöhne im Euroraum mehrere Jahre lang steigen dürften, wobei der Druck auf die Lohnstückkosten durch ein gedämpftes Produktivitätswachstum noch verstärkt werde. In diesem Umfeld müsse die EZB erstens die Inflationserwartungen unter Kontrolle halten und zweitens dafür sorgen, dass die Unternehmen höhere Arbeitskosten über ihre Gewinne auffangen.
"Erstens müssen wir sicherstellen, dass die Inflationserwartungen während des Aufholprozesses der Löhne verankert bleiben", sagte Lagarde. Zwar sei derzeit weder eine Lohn-Preis-Spirale noch eine Entankerung der Erwartungen zu erkennen, doch je länger die Inflation über dem Zielwert bleibe, desto größer würden diese Risiken. "Das bedeutet, dass wir die Inflation rechtzeitig auf unser mittelfristiges Ziel von 2 Prozent zurückführen müssen."
Zweitens muss die EZB Lagarde zufolge dafür sorgen, dass die Unternehmen die steigenden Arbeitskosten in ihren Gewinnspannen auffangen. "Wenn die Geldpolitik ausreichend restriktiv ist, kann die Wirtschaft insgesamt eine Disinflation erreichen, während die Reallöhne einen Teil ihrer Verluste aufholen", sagte sie. Dies setze jedoch voraus, dass die EZB die Nachfrage für eine gewisse Zeit dämpfe, so dass die Unternehmen nicht mehr das in jüngster Zeit vorherrschende Preisverhalten fortführen könnten.
"Wenn die Unternehmen 25 Prozent der verlorenen Gewinnspanne zurückgewinnen würden, die unsere Projektionen vorsehen, wäre die Inflation 2025 mit fast 3 Prozent deutlich höher als im Basisszenario", erläuterte die EZB-Präsidentin. Angesichts eines hartnäckigeren Inflationsprozesses brauche es auch eine hartnäckigere Politik - "eine Politik, die nicht nur heute für eine ausreichende Straffung sorgt, sondern auch die restriktiven Bedingungen aufrechterhält, bis wir sicher sein können, dass diese zweite Phase des Inflationsprozesses überwunden ist", sagte Lagarde.
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June 27, 2023 04:33 ET (08:33 GMT)
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