DJ IMK erwartet für 2023 und 2024 drastischen Einbruch beim Wohnungsbau
BERLIN (Dow Jones)--Beim Wohnungsbau in Deutschland drohen wegen der hohen Zinsen und gestiegenen Baukosten in diesem und insbesondere im Jahr 2024 drastische Einbrüche. Nach Schätzungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung könnte die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Deutschland im kommenden Jahr unter 200.000 sinken. Das IMK forderte angesichts der schlechten Aussichten eine Erhöhung der Ausgaben für öffentlich geförderten Wohnungsbau. Auch müssten die Strukturen für eine schnellere Umsetzung gestärkt werden.
Die Zahl der neu fertiggestellten Wohneinheiten in Mehr- und Einfamilienhäusern könnte laut IMK von 295.000 im Jahr 2022 auf im schlechtesten Fall schätzungsweise 223.000 in diesem und nur noch 177.000 im kommenden Jahr sinken. Damit könnte 2024 fast der historische Tiefststand von 2009 erreicht werden, so die Studie.
Doch selbst wenn die Entwicklung etwas besser ausfiele als in der Risikoabschätzung, würde das immer noch drastische Rückgänge bedeuten, die die Baubranche über Jahre lähmen könnten, wie die Studienautoren Carolin Martin, Thomas Theobald und Lukas Jonas warnten. "Es besteht die Gefahr eines Kapazitätsabbaus, der auch mittelfristig dafür sorgt, dass das verfügbare Angebot weit hinter dem Bedarf zurückbleiben wird", erklärten die Autoren.
Um den absehbaren Einbruch der privaten Bauinvestitionen zumindest teilweise auszugleichen, plädieren die Forschenden für eine spürbare weitere Aufstockung der öffentlichen Ausgaben für den sozialen Wohnungsbau. Damit könnte nicht nur ein Absturz der Baubranche verhindert, sondern auch der Anteil günstigerer und energieeffizienter Wohnungen gesteigert werden, die zuletzt von privaten Bauträgern angesichts zu hoher Bau- und Finanzierungskosten zu selten gebaut wurden.
Überzogen seien aber Befürchtungen, ein verstärktes Engagement der öffentlichen Hand werde dazu beitragen, die Baupreise und indirekt auch die Inflation anzuheizen. Die Risiken seien beherrschbar, insbesondere, wenn man die Ausgaben schrittweise aufstocke, die Lage im Jahresrhythmus evaluiere, die sonstige Bautätigkeit im Blick behalte und auf die weiteren Ausbaustufen bei gegebenenfalls besserer Entwicklung verzichte, so die Forscher. Zudem könne es andererseits auch zur Inflation beitragen, wenn zu wenige Wohnungen gebaut werden und durch die Knappheit Mieten weiter anziehen.
Als konkrete Maßnahmen schlägt das IMK die Aufstockung und Ausweitung von existierenden KfW-Programmen für den sozialen Wohnungsbau vor, die durch steigende Zinsen verursachten Kosten abzufedern und so Bauprojekte zu ermöglichen. Eine weitere Förderoption bestehe bei der Erbpacht. Mittelfristig sinnvoll sei der Aufbau neuer öffentlicher Einrichtungen, die den Bau bezahlbaren Wohnraums fördern.
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July 18, 2023 03:56 ET (07:56 GMT)
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