OFFENBACH (dpa-AFX) - Siesta an heißen Tagen auch in Deutschland? Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutscher Wetterdiensts (DWD), hält das für eine "tolle Sache". Die Menschen müssten es lernen, sich bei Hitze anders zu verhalten, betonte der Gesundheitsmeteorologe. Eine Siesta, wie in südlichen Ländern üblich, habe vor allem einen Zweck: "So kann man tagsüber, wenn es heiß ist, die Aktivitäten reduzieren und die Sonnenexposition verringern."
Mit einem langen Mittagsschlaf sei die Siesta nicht zu verwechseln, da sich das negativ auf den nächtlichen Schlaf auswirken könne, sagte Matzarakis der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn ich Siesta mache, dann schlafe ich 15 bis 20 Minuten - das reicht."
In klimatisierten Büros sei es zwar leichter, bei Hitze durch den Tag zu kommen, doch auch dort gelte es, an heißen Tagen ausreichend zu trinken. Klar müsse auch sein: Die Zeit der Siesta solle nicht für Freibadbesuch oder eine Trainingseinheit im Fitnesscenter genutzt werden, denn Sinn der Siesta sei, körperliche Aktivität herunterzufahren.
"Da muss eine Kulturänderung stattfinden", sagte Matzarakis. Es gelte etwa zu prüfen, ob Arbeitszeiten entsprechend angepasst werden könnten. Doch schon Gleitzeitregelungen mit besonders frühem Arbeitsbeginn könnten helfen, Arbeit in der heißesten Zeit des Tages einzuschränken. Auch Ernährung sollte heißen Temperaturen angepasst werden: "Lieber Salat oder Wassermelone - und nicht etwa eine Schweinshaxe."
Sollte es zur Einführung einer Siesta kommen, müssten aber auch noch weitere Fragen bedacht werden: "Was ist mit den Rettungsdiensten? Was ist mit Betreuenden und Pflegekräften - und mit den Betreuten, wenn die auch in die Siesta gehen?"/czy/DP/jha
