DJ Bundesbank: Deutschland braucht Zuwanderung und spätere Rente
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Deutschland muss aus Sicht der Bundesbank mit einer Reihe von Maßnahmen versuchen, die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des demografischen Wandels abzumildern. In ihrem aktuellen Monatsbericht für September schlägt die Bundesbank unter anderem eine erhöhte Einwanderung aus Drittstaaten sowie eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen sowie eine Anpassung des Renteintrittsalters an die Lebensdauer vor. "Der demografische Wandel belastet die Wachstumsperspektiven und verschärft die Konkurrenz um Fachkräfte, die auch zur Bewerkstelligung der Energiewende und der digitalen Transformation benötigt werden", heißt es in dem Bericht.
Laut Bundesbank kann die Wucht der demografischen Entwicklung durch verstärkte Fachkräftezuwanderung abgemildert werden. "Dabei sind Drittstaaten verstärkt in den Blick zu nehmen. Die bislang dominierende Erwerbsmigration aus anderen EU-Ländern wird aufgrund ähnlicher demografischer Entwicklungen nicht mehr die Rolle spielen können wie in der vergangenen Dekade", urteilt die Bundesbank. Auch die über die Fachkräftezuwanderung hinausgehende Zuwanderung sollte schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden, falls dauerhafte Perspektiven für den Verbleib in Deutschland gegeben seien.
Um die Erwerbsbeteiligung und die Arbeitszeiten über den erwarteten Trend hinaus zu erhöhen, sollte nach Aussage der Bundesbank der institutionelle Rahmen vor allem in zweierlei Hinsicht angepasst werden. So könnte erstens die Erwerbsbeteiligung insbesondere von Frauen steigen, wenn es bessere Betreuungsangebote für Kinder (und gegebenenfalls Pflegebedürftige) gäbe und die Arbeitsanreize für Zweitverdienende im Abgabensystem stiegen.
"Um die Erwerbsleben bei steigender Lebenserwartung zu verlängern, erscheint es zweitens nahe liegend, das gesetzliche Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu binden", argumentiert die Bundesbank. Dies stützt nicht nur die Wirtschaftskraft, sondern sorgt auch dafür, dass Beitrags- und Steuersätze weniger stark steigen müssen.
Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist nach Einschätzung der Bundesbank "im Mittel weiterhin günstig". "Sie hat zudem gut ausgebildete Arbeitskräfte, eine immer noch solide Infrastruktur, konsensorientierte Tarifparteien und vergleichsweise stabile Rahmenbedingungen", befindet die Bundesbank. Internationale Standortrankings wiesen gleichwohl auf Handlungsbedarf hin.
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September 18, 2023 06:00 ET (10:00 GMT)
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