DJ IW: Emissionsintensive Firmen nicht von Klimafinanzierung ausschließen
BERLIN (Dow Jones)--Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat gewarnt, dass die Bankenregulierung Finanzierungen für emissionsintensive Unternehmen erschwert, obwohl diese sie besonders benötigen. Die Regulierung sehe etwa vor, dass die Eigenkapitalquoten erhöht und Risikoaktiva reduziert werden müssen. Zudem mache die EU bei den Banken Druck, ihre finanzierten CO2-Emissionen zu senken. "In der Praxis bedeutet das: Unternehmen mit hohem CO2-Fußabdruck werden für die Banken als Kunden unattraktiv - auch wenn sie bereits an klimaneutralen Technologien tüfteln, die erst in Zukunft zur Marktreife kommen", erklärte das arbeitgebernahe Wirtschaftsforschungsinstitut. "Die Folge ist, dass gute Ideen keine Finanzierung mehr bekommen."
Dass die Banken so schon vor der Industrie "dekarbonisiert" würden, sei eine "widersinnige Idee, denn gerade Unternehmen, die besonders viel CO2 ausstoßen, brauchten Geld für die Transformation. Zwar habe die EU-Kommission auf den Investitionsbedarf in Nachhaltigkeit mit einem Standard für grüne Anleihen reagiert. Doch dieser richte sich nur an Unternehmen, die am Kapitalmarkt aktiv sind - 99,9 Prozent der Betriebe in Deutschland seien das nicht. Gerade mittelständische Unternehmen seien auf ihre Hausbanken angewiesen.
Anstatt zu versuchen, die kleinen und mittelgroßen Unternehmen an den Kapitalmarkt zu bringen, solle sich die Politik wieder auf die Kernfunktionen des beziehungsbasierten Finanzsystems fokussieren: Banken beurteilten die Kreditrisiken ihrer Kunden und vergäben Kredite. "Damit Unternehmen und Finanzwirtschaft den Strukturwandel meistern, muss die Politik Zukunftsinvestitionen erleichtern", so Studienautor Markus Demary. "Dazu gehört auch, den Wandel nicht durch überbordende Bankenregulierung abzuwürgen. Gerade die energieintensive Industrie braucht Investitionen, die EU darf sie nicht von der Finanzierung ausschließen", mahnte er.
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November 08, 2023 04:33 ET (09:33 GMT)
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