
DJ MARKT-AUSBLICK/DAX um 19.000 angesichts der Probleme gut bedient
FRANKFURT (Dow Jones)--Eine spannende Woche steht den internationalen Aktienmärkten wieder einmal bevor. Nach dem kurzen Freudenfeuerwerk über die massiven Lockerungsmaßnahmen in China ist diese wieder verflogen. Vom neuen Allzeithoch bei fast 19.500 Punkten ist der DAX wieder zurückgekommen und richtet sich rund um die Marke von 19.000 Punkten ein.
Vor allem die Gemengelage aus Unsicherheiten schmeckt den Börsianern nicht: Geopolitisch muss man sich Sorgen machen um die möglichen Folgen einer Eskalation zwischen Israel und dem Iran. In den Portemonnaies der Unternehmen und Anleger macht sich dies sofort bemerkbar über steigende Kosten durch Ölpreise.
Gleichzeitig gibt es keine Erleichterungssignale von der Konjunktur. Vor allem in Europa läuft es unrund und in Deutschland schon gar nicht. Umgekehrt geht aber die Gleichung, dass dies mit schnellen und großen Zinssenkungen gekontert wird, auch nicht so eindeutig auf, wie vom Markt erhofft.
Kein leichter Pfad zu Zinssenkungen
Besonders in den USA stört immer wieder die Vorlage von "zu guten" Wirtschafts-Indikatoren. Sie machen es der US-Notenbank argumentativ schwer, große Zinssenkungen zu rechtfertigen. Mit aktuell rund 35 Basispunkten preist der US-Anleihemarkt derzeit eine Erwartung an die nächsten Zinssenkungen ein, die genau zwischen den möglichen Zinsschritten von 25 und 50 Bp liegt. Selbst eine klare Tendenz der monatlichen US-Arbeitsmarktdaten wird daran nichts ändern: "Das Problem ist die Zeit", kommentiert ein Stratege.
Denn bis zur nächsten Zinsentscheidung der Fed seien es noch über 30 Tage. Selbst eine klare Faktenlage "im Jetzt" werde bis dahin von immer neuen Informationen verwässert: "Bei solchen Rahmenbedingungen kommt es meist nur zu Volatilität durch hochfrequente Daten, ohne dass sich unter dem Strich etwas ändert", so der Teilnehmer.
Anleger zeigen sich entspannt
Eine gute Nachricht sehen Händler aber auch - die hohe Resilienz der Marktteilnehmer: Zwar fehle es aktuell an Käufern, um Europas Börsen nach oben zu treiben; aber gleichzeitig sei auch keine Bereitschaft zu Verkäufen erkennbar. Die Aussicht aus mittelfristig sinkende Zinsen lasse den DAX um die 19.000 Punkte attraktiv bewertet erscheinen. Dazu bestehe die Hoffnung, dass die Konjunktur nicht noch schlechter wird und Deutschland im kommenden Jahr "mit einer wirtschaftsorientierten Regierung gesegnet wird".
Den leichten Optimismus teilt auch Ralph Solveen von der Commerzbank. Seine Frühindikatoren für die deutsche Wirtschaft sind im September weiter gestiegen und zeigen sich nun sogar in positivem Territorium. Ihm gefällt vor allem die Auflockerung im internationalen Zinsumfeld. Kommendes Jahr könnte die hiesige Wirtschaft daher ihre Stagnation überwinden.
Weiter Sorgen um Europas Autoindustrie
Speziell über Deutschland hängt allerdings weiter das Damoklesschwert der Autoindustrie: Denn die Länder Europas haben sich nicht auf eine klare Absage von weiteren Strafzöllen gegen Chinas Autobauer einigen können. Damit hängt nun wieder alles am Erfolg von weiteren Verhandlungen der EU-Kommission mit China.
Da das Schlimmste in Form sofortiger Strafzölle damit vermieden wurde, erholen sich Europas Autoaktien. Einige Charttechniker sehen deswegen aber noch immer keinen Boden für die Branche: Der Stoxx-600-Automotive-Index habe noch ein Abwärtspotenzial von rund 10 Prozent. Aktuell notiere dieser Korb aus fast allen europäischen Autobauern und -zulieferern bei 554 Punkten und damit nur grob unterhalb der Mitte einer breiten mehrjährigen Handelsspanne von unter 500 und über 700 Punkten. Für Käufer biete dieses 50:50-Verhältnis kein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. "Erst unter 500 Punkten wird eine dekaden-alte Unterstützung als interessanter Einstiegspunkt gesehen", so ein Charttechniker. Der DAX dürfte es dann schwer haben, falls es mit den Autowerten noch einmal 10 Prozent tiefer gehen sollte.
Fed-Protokoll und US-Inflation im Fokus
Bei den Konjunkturdaten wird kommende Woche auf die Trends im neuen Sentix-Index für Oktober und den Einzelhandelsumsatz in der EU geblickt. Sie werden gleich am Montag vorgelegt. Zum Thema Zinspolitik sind alle Augen auf das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung vom 17./18. September am Mittwoch gerichtet. Dort wird vor allem auf die Mehrheitsverhältnisse unter den Stimmberechtigten geachtet. Börsianer reimen sich daraus gerne zusammen, wie leicht und hoch die nächste Zinssenkung ausfallen könnte.
Am Donnerstag legt auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Protokoll vor, was aber mit den gleichzeitig vorgelegten US-Verbraucherpreise (CPI) untergehen dürfte. Das September-CPI dürfte "der" entscheidende Faktor für die Zinserwartungen des Marktes werden. Und auch auf Unternehmensseite wird es lauter: Mit den Banken beginnt dann am Freitag schon wieder die Berichtssaison in den USA.
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October 04, 2024 07:41 ET (11:41 GMT)
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