
DJ Sentix-Index für Deutschland im November leicht erholt
Von Andreas Plecko
DOW JONES - Der vom Beratungsunternehmen Sentix unter institutionellen und privaten Investoren erhobene Konjunkturindex für Deutschland hat im November eine leichte Erholung verzeichnet. Der Konjunkturindex stieg auf minus 29,8 (Vormonat: minus 31,5) Punkte. Die Lagebewertung stieg auf minus 45,3 (minus 47,8) Zähler und die Erwartungen auf minus 12,8 (minus 13,5) Punkte. "Die Krise um die deutsche Automobilindustrie im Allgemeinen und den Volkswagen-Konzern im Speziellen kann die Anleger nicht mehr schocken", erklärte Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. "Zu sehr hadern diese schon lange mit der deutschen Wirtschaftspolitik."
"Wenn jetzt endlich dieses politische Unvermögen in die breite Diskussion gerät, dann ist dies für die Investoren nur die Bestätigung der schon längst wahrgenommenen Realität", sagte Hübner. "Gleichzeitig eröffnet dies auch die Chance auf eine Besserung, sei es durch eine Kurskorrektur oder Neuwahlen."
Der Konjunkturindex des Euroraums stieg auf minus 12,8 (minus 13,8) Punkte. Die Lagebeurteilung kletterte auf minus 21,5 (minus 23,3) Zähler, während der Erwartungsindex bei minus 3,8 Punkte stagnierte. "Auch wenn die Krise in Deutschland die Anleger nicht schocken kann, weil man ohnehin in Moll gestimmt ist, kann man aus dieser Datenlage sicher noch kein positives Trendwende-Szenario ableiten", sagte Hübner. "Immerhin zeigt die Anlegerreaktion jedoch auch, wie sehr ein politisches Umdenken auch zu einem Stimmungsumschwung in der Wirtschaft beitragen könnte."
Doch neben den Konjunkturproblemen sei ein neues, altes Gespenst für die Anleger am Himmel aufgetaucht. "Und dieses Gespenst heißt Inflation", erklärte Hübner. "Wir messen einen erheblichen Einbruch im Themenbarometer Inflation von plus 11,00 auf minus 12,25 Punkte. Dies ist der schwächste Wert seit Juli 2023. Für die EZB und damit auch für die Zinshoffnungen der Anleger ist dies eine schlechte Nachricht." Denn die schwache Konjunktur erfordere eigentlich die Unterstützung durch eine expansive Geldpolitik. Die nächsten Monate könnten damit einen Zielkonflikt für die Notenbank offenlegen, der vor allem für die Finanzmärkte schwer verdaulich sein könnte, hieß es.
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November 04, 2024 04:30 ET (09:30 GMT)
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