
DJ Studie: Deutlich mehr Einkommensungleichheit und Armut seit 2010
Von Andreas Kißler
DOW JONES--Seit 2010 ist die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland deutlich gestiegen und in den letzten Jahren haben sich Ängste, den eigenen Lebensstandard nicht mehr halten zu können, in der Bevölkerung stark ausgebreitet. Die Quote der Menschen, die in Armut leben, hat nach den neuesten verfügbaren Daten ebenfalls erheblich zugenommen und liegt auf einem Höchststand, so der neue Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Hinzu komme, dass Arme während der 2010er Jahre gegenüber anderen Einkommensgruppen wirtschaftlich noch weiter zurückgefallen seien, denn von der insgesamt positiven Wirtschafts- und Einkommensentwicklung im vergangenen Jahrzehnt hätten sie nur vergleichsweise wenig abbekommen.
Schon 2021, also vor dem Beginn der Inflationswelle, hätten mehr als 40 Prozent der Armen und über 20 Prozent der Menschen in der Gruppe mit "prekären" Einkommen etwas oberhalb der Armutsgrenze keinerlei finanzielle Rücklagen, um kurzfristige finanzielle Notlagen zu überbrücken. Im vergangenen Jahr hätten deutlich mehr als die Hälfte der Menschen in der unteren Einkommenshälfte, aber auch knapp 47 Prozent in der oberen Mittelschicht gefürchtet, ihren Lebensstandard zukünftig nicht mehr halten zu können. "Wir sehen in den Daten, dass Deutschland in einer Teilhabekrise steckt, die sich in den vergangenen Jahren verschärft hat. Diese Krise hat eine materielle Seite und eine stärker emotional-subjektive", erklärten Dorothee Spannagel und Jan Brülle, die die Studie erstellten.
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November 04, 2024 05:19 ET (10:19 GMT)
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