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MÄRKTE EUROPA/Etwas fester - Urteil gegen Trump-Zölle mit Unwägbarkeiten

DJ MÄRKTE EUROPA/Etwas fester - Urteil gegen Trump-Zölle mit Unwägbarkeiten

DOW JONES--An den europäischen Aktienmärkten macht sich zur Mittagszeit am Vatertag-Donnerstag etwas Ernüchterung breit. Zwar liegen die Indizes im Plus, von ihren frühen Tageshochs haben sie sich aber deutlicher entfernt. Für steigende Kurse sorgt insbesondere ein US-Gerichtsurteil gegen die meisten der von US-Präsident Trump verfügten Zölle, daneben kommen die Quartalszahlen des KI-Flaggschiffs Nvidia gut an.

Das auf den ersten Blick sehr positive Urteil berge aber auch neue Unsicherheiten, heißt es im Handel zu den abbröckelnden Kursgewinnen. Zum einen habe die Trump-Regierung Berufung eingelegt und könnte bis zum Obersten Gerichtshof gehen. Dazu verfüge die Regierung auch über andere Befugnisse, mit denen sie ähnliche Zölle wie die vom Gericht aufgehobenen festlegen könne, kommentieren die Ökonomen von Goldman Sachs. Sie betonen zudem, dass nur Teile der bislang ausgerufenen Zölle davon betroffen seien. Andere Stimmen fragen, wie es nun um die Verhandlungsbereitschaft anderer Staaten bestellt ist angesichts der rechtlich unklaren Lage in den USA. Zuletzt hatte eben diese Bereitschaft zu zügigen Verhandlungen an den Börsen noch für gute Stimmung gesorgt.

Der DAX legt um 0,3 Prozent auf 24.113 Punkte zu, im Tageshoch waren es 130 Punkte mehr. Der Euro-Stoxx-50 steigt um 0,6 Prozent. Wegen des Feiertages "Christi Himmelfahrt" sind die Börsen in Finnland, Dänemark, Norwegen, Schweden und der Schweiz geschlossen.

Abwärts geht es mit den Kursen am Anleihemarkt. Händler führen dies auf Umschichtungen in den Aktienmarkt zurück. Angesichts der wegen des Urteils gestiegenen Risikobereitschaft seien Anleihen als sicherer Hafen nicht gesucht. Die deutsche Zehnjahresrendite zieht um 4 Basispunkte an auf 2,59 Prozent. Der Dollar legt auf breiter Front zu, ist aber wie die Aktienkurse schon wieder einiges vom Tageshoch zurückgekommen. Die Ölpreise steigen um bis zu 1,5 Prozent.

Laut dem Internationalen Handelsgericht in New York hat US-Präsident Trump mit seinen mit einem nationalen Notstand begründeten Zöllen seine Kompetenzen überschritten. Er verfüge nicht über die Autorität, die Zölle im Alleingang zu verhängen. Daher seien die Maßnahmen nichtig. Zunächst hat die Trump-Regierung eine Frist von zehn Tagen, die Zollandrohungen rückgängig zu machen. Weil es unwahrscheinlich sei, dass die Regierung innerhalb dieser Zeit einen Berufungsprozess gewinnt, erwartet man bei Goldman Sachs, dass das Weiße Haus unter Berufung auf eine Bestimmung im Handelsgesetz einen ähnlichen pauschalen Zoll ankündigen wird.

"Dieses Urteil ist mehr als eine juristische Fußnote. Es ist ein struktureller Wendepunkt im Narrativ - von Starker-Mann-Entscheidungen hin zu einem institutionalisierten Rahmen", kommentiert dagegen Marktexperte Stephen Innes von SPI Asset Management. Für Charu Chanana, Chef-Investmentstratege von Saxo Markets ist das Urteil "ein symbolischer Schlag gegen Trumps aggressive Handels-Agenda". Aber auch er warnt, dass das endgültige Wort zu den Zöllen noch nicht gesprochen sei.

Technologie-, Rohstoff- und Autoaktien an der Spitze

Vor allem Aktien exportabhängiger und konjunkturzyklischer Unternehmen werden von dem Urteil nach oben getrieben. Der Stoxx-Subindex der Autoaktien gewinnt 0,9 Prozent. Um 0,8 Prozent geht es für den Index der Technologieaktien voran. Ein großer Kursgewinner im DAX sind nach den Nvidia-Zahlen Infineon mit einem Plus von 2,6 Prozent. Außerdem gewinnen im Chipsektor ASML 2,3 Prozent, in der zweiten deutschen Reihe Aixtron 2,7 und Suss Microtec 4,4 Prozent.

Am Ende bei den Branchen liegen Versorger (-1,0%) und Immobilien (-0,5%). Beide Sektoren gelten als weniger zyklisch und zinsreagibel, leiden also unter den steigenden Marktzinsen.

Adidas sind mit plus 2,7 Prozent Spitzenreiter im DAX. Der Sportartikelhersteller lässt viele seiner Produkte in Vietnam herstellen, das sehr stark von den US-Zöllen betroffen ist. im MDAX gewinnen Puma aus ähnlichen Überlegungen 1,9 Prozent.

Das DAX-Schwergewicht SAP verteuert sich um 0,3 Prozent. Gut ausgefallene Quartalszahlen des Wettbewerbers Salesforce und leicht erhöhte Prognosen stützen nur bedingt. Am DAX-Ende rangieren Vonovia mit einem Abschlag von 3,9 Prozent. Der ist aber dem Dividendenabschlag geschuldet.

Aktienindex     zuletzt    +/- %   absolut  +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50   5.410,93    +0,6%    32,54    +9,9% 
Stoxx-50      4.542,95    +0,3%    12,58    +5,1% 
DAX        24.119,47    +0,3%    81,28   +20,7% 
MDAX       30.921,89    +0,9%   273,07   +19,8% 
TecDAX       3.884,72    +0,9%    35,52   +12,6% 
SDAX       16.829,51    +0,9%   155,18   +21,6% 
CAC        7.839,07    +0,7%    50,97    +5,5% 
 
DEVISEN       zuletzt    +/- %    0:00  Mi, 18:43  % YTD 
EUR/USD       1,1289    -0,1%   1,1295   1,1295  +9,1% 
EUR/JPY       163,64    +0,0%   163,56   163,77  +0,4% 
EUR/CHF       0,9351    +0,1%   0,9341   0,9347  -0,1% 
EUR/GBP       0,8373    -0,1%   0,8386   0,8385  +1,4% 
USD/JPY       144,96    +0,1%   144,81   145,00  -8,0% 
GBP/USD       1,3482    +0,1%   1,3470   1,3470  +7,6% 
USD/CNY       7,1765    -0,1%   7,1823   7,1848  -0,4% 
USD/CNH       7,1877    -0,1%   7,1916   7,1921  -1,9% 
AUS/USD       0,6446    +0,3%   0,6424   0,6422  +3,8% 
Bitcoin/USD   108.500,05    +0,9% 107.543,15 107.255,95 +15,1% 
 
ROHOEL       zuletzt VT-Schluss    +/- %   +/- USD  % YTD 
WTI/Nymex       62,63    61,85    +1,3%    0,78 -14,4% 
Brent/ICE       65,70    64,98    +1,1%    0,72 -13,6% 
 
 
METALLE       zuletzt   Vortag    +/- %   +/- USD  % YTD 
Gold        3299,18   3284,86    +0,4%    14,32 +25,2% 
Silber        29,58    29,24    +1,2%    0,34  +4,7% 
Platin        963,07   955,67    +0,8%    7,40  +9,2% 
Kupfer         4,71    4,67    +0,8%    0,04 +16,0% 
YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags 
(Angaben ohne Gewähr) 
 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/gos/cln

(END) Dow Jones Newswires

May 29, 2025 06:41 ET (10:41 GMT)

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