Bestsellerautor und Vermögensverwalter Dr. Gert Kommer erklärt im wO Interview, warum selbst schwerste Rückschläge wie Weltkriege oder Finanzcrashs die Börsen langfristig nicht zu Fall bringen - und was Anleger daraus lernen können. "Die Welt braucht jeden Tag Güter und Dienstleistungen - und die werden von Unternehmen produziert, viele davon börsennotiert", sagt Kommer. Weil es keine Alternative zur wirtschaftlichen Wertschöpfung gibt, generieren diese Firmen auch in schwierigen Zeiten Gewinne - und damit Renditen. Besonders mit dem vermeintlich "schlimmsten Crash aller Zeiten" räumt Kommer auf: Der Börsenkollaps von 1929 habe keineswegs 90? Prozent Verlust und 25 Jahre Erholung bedeutet - zumindest nicht, wenn man Dividenden und den globalen Markt korrekt berücksichtigt. Real lag der Verlust bei rund 35? Prozent - und war nach fünf Jahren wieder ausgeglichen. Selbst der Zweite Weltkrieg habe den globalen Aktienmarkt nicht dauerhaft geschwächt. Im Gegenteil: Bis Kriegsende 1945 lag er höher als 1939. "Der Bounceback-Effekt ist kein Mythos, sondern historisch belegt", so Kommer. Wer breit gestreut in den Weltmarkt investiert, profitiere nach Crashs überdurchschnittlich - und sichere sich langfristig gegen Totalverluste ab.
Die Börsen laufen heiß. Trotz geopolitischer Krisen und steigender Zinsen klettern viele Indizes weiter Richtung Allzeithoch. Doch unter der Oberfläche zeigen sich erste Risse: Der Abverkauf bei Halbleiter-, KI- und Space-Aktien macht deutlich, wie schnell sich die Stimmung drehen kann.
Besonders gefährlich ist die aktuelle Gemengelage aus schwacher Saisonalität, dünner Liquidität in den Sommermonaten und historisch hohen Bewertungen. Selbst vermeintlich sichere Blue Chips sind inzwischen teuer bewertet und damit anfällig für Korrekturen. Gleichzeitig liefern technische Indikatoren erste Warnsignale. So werden viele Rekordstände nicht mehr bestätigt.
Für Anleger steigen die Risiken spürbar. Wer jetzt nicht genauer hinschaut, läuft Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.
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