FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Leben in Deutschland hat sich im August wieder stärker verteuert. Die Verbraucherpreise lagen um 2,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Freitag auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilt. Für Juni und Juli hatten die Wiesbadener Statistiker noch jeweils eine Inflationsrate von 2,0 Prozent errechnet. Von Juli auf August des laufenden Jahres stiegen die Preise um 0,1 Prozent.
Einschätzungen von Ökonomen zur Preisentwicklung im Übeblick:
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank
"Die bislang veröffentlichten Details zeigen, dass vorerst mit keinem weiteren spürbaren Rückgang der Inflationsrate zu rechnen ist. Die Kerninflationsrate scheint keine Anstalten zu machen, weiter nachgeben zu wollen. Gleichzeitig lässt der preisdämpfende Effekt der Energiepreise nach und die Lebensmittelpreise könnten tendenziell wieder etwas stärker zulegen. Die Inflationsentwicklung in der größten Volkswirtschaft der Eurozone dürfte die EZB in ihrem Kurs bestätigen."
Michael Heise, Chefvolkswirt bei HQ Trust
"Es bleibt zäh: Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass der Preisauftrieb auch in den kommenden Monaten leicht über 2 Prozent liegt. Eine baldige Entlastung ist nicht abzusehen. Das liegt unter anderem auch daran, dass der dämpfende Effekt der Energiepreise aufgrund der Preisrückgänge im vergangenen Jahr deutlich geringer werden dürfte. Für die EZB dürften die Inflationszahlen aus Deutschland in der kommenden Sitzung gegen eine Lockerung der Politik sprechen."
Elmar Völker, Analyst Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
"Mehr Preisaufwärtsdruck bei Lebensmitteln und weniger Entlastung von der Energieseite zogen die Teuerung nach oben. Trotz des leichten Inflationsanstiegs kann die EZB derzeit relativ entspannt auf die Entwicklung schauen. Sowohl in Frankreich als auch in Italien lag die Teuerung im August erneut teils weit unterhalb der Stabilitätsmarke."
Ralph Solveen, Analyst bei der Commerzbank
"Wichtiger ist, dass die Kernteuerungsrate ohne die häufig sehr volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise den dritten Monat in Folge bei 2,7 Prozent lag. Deren Rückgang scheint damit zumindest vorerst zum Stillstand gekommen zu sein. Der unterliegende Preisauftrieb ist also hartnäckiger, als dies mancher erwartet hatte. (...) Die bisher verfügbaren nationalen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im August deuten nicht auf eine gravierende Überraschung bei den am Dienstag anstehenden Zahlen für den Euroraum. Eine weiter nahe am Inflationsziel liegende Teuerung dürfte für die EZB kein Anlass sein, über eine Änderung ihrer Leitzinsen nachzudenken."
Sebastian Becker, Analyst bei der Deutschen Bank
"Die Inflationsrate ist im August wie erwartet leicht angestiegen und liegt jetzt bei 2,2 Prozent. Dies ist unserer Einschätzung nach aber kein Beinbruch: Denn der Anstieg ging im Wesentlichen auf die Entwicklung bei den volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreisen zurück. (...) Bei der für die mittelfristige Sicht wichtigeren Kernrate - die den zugrundeliegenden Preisdruck der Volkswirtschaft widerspiegelt - gab es dagegen keine Veränderung. Hier liegt die Rate jetzt schon den dritten Monat in Folge bei 2,7 Prozent. Für eine dauerhafte Inflationsnormalisierung müsste es hier aber noch weiter nach unten gehen."
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