FRANKFURT (dpa-AFX) - Dem zuletzt schwächelnden Dax steht wohl eine weitere schwierige Woche bevor. Neben dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht am Freitag rückt die Auseinandersetzung um die Führungsspitze der amerikanischen Notenbank Fed in den Fokus. Auch seitens der erratischen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump sind angesichts seiner jüngsten Drohungen jederzeit Querschläger für die Aktienmärkte zu befürchten. Zudem beschäftigt die Anleger der befürchtete Sturz der französischen Regierung.
Im Ringen um die 24.000-Punkte-Marke drohe dem wichtigsten deutschen Aktienindex die Kraft auszugehen, warnt Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Handelshaus Robomarkets. "Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht." Panikartige Verkäufe sind dem Experten zufolge allerdings nicht zu befürchten. Bereits bei 23.500 Punkten sieht er die nächste Haltelinie für den Dax, der inzwischen ein gutes Stück von seinem Rekordhoch bei gut 24.639 Punkten aus dem Juli zurückgefallen ist. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein Kursplus von mehr als 20 Prozent zu Buche. Damit lässt der Dax die meisten anderen großen Indizes weit hinter sich.
Seine Bewertung ist damit allerdings weit über das Niveau der vergangenen zehn Jahre gestiegen. Daher sind einige Experten der Meinung, dass sich die massiven Konjunkturmaßnahmen der neuen Bundesregierung erst in den Unternehmensgewinnen niederschlagen müssen, bevor die Rekordrally neuen Schwung gewinnen kann. Die immer noch hohen Kurse spiegelten einen übertriebenen Optimismus mit Blick auf das Gewinnwachstum wider, sagte Will McIntosh-Whyte, Fondsmanager bei Rathbones Asset Management.
Der Dax trete seit Anfang Juni de facto auf der Stelle, weise aber immer noch ein historisch hohes Bewertungsniveau auf, konstatieren die Experten der DZ Bank. Stimmungsindikatoren deuteten zwar an, dass die Zahl der Pessimisten leicht zunehme. Bisher aber hielten sich die institutionellen Anleger mehrheitlich mit Verkäufen zurück. Für einen deutlichen Kursrückgang bräuchte es wohl einen Auslöser. Hier könnten die US-Börsen ungeachtet der zunehmenden Entkoppelung von Europa eine Rolle spielen. Stratege Molnar sieht in New York eine nachlassende Aufwärtsdynamik, auch wenn die wichtigsten Indizes zuletzt angezogen und Bestmarken aufgestellt haben.
Für etliche Marktbeobachter steht in den USA die jüngste Eskalation im Kampf zwischen Trump und der Fed im Fokus. Dass der US-Präsident die Gouverneurin Lisa Cook entlassen hat, lässt laut Ökonomin Tiffany Wilding von der Investmentgesellschaft Pimco zwar zunächst keine direkten Auswirkungen auf die Zinspolitik erwarten. Zudem will Cook mit einer Klage gegen Trump ihre Amtsenthebung wegen angeblichen Hypothekenbetrugs verhindern. Jedoch könne die öffentliche Debatte das Vertrauen in die institutionelle Unabhängigkeit der Fed belasten, so Wielding. Am 17. September steht die nächste Fed-Zinssitzung an. Dass die Währungshüter dann erstmals im laufenden Jahr den Leitzins senken, gilt als nahezu sicher - wenn auch nicht so deutlich wie von Trump seit langem gefordert.
Gegenwind für die Börsen droht auch aus Frankreich. Im Streit um den anstehenden Sparhaushalt wird Premierminister François Bayrou am 8. September die Vertrauensfrage stellen. Seine Regierung hat im Parlament keine eigene Mehrheit, weshalb ihr Sturz erwartet wird. Anschließende Neuwahlen sind nicht ausgeschlossen. Dies dürfte nicht nur den französischen Cac-40-Index, sondern auch den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50 beeinflussen, schreibt Analyst Frank Sohlleder vom Broker Activtrades.
Der Auftakt in die neue Börsenwoche dürfte wegen der feiertagsbedingt geschlossenen US-Börsen ruhig verlaufen. Neben dem Quartalsbericht des chinesischen Autoriesen BYD und dessen möglichem Einfluss auf die Branche sollten europäische und chinesische Einkaufsmanagerdaten aus der Industrie einen Blick wert sein. Am Dienstag hält der Vakuum-Technologie- und Messtechnikspezialist PVA Tepla einen Kapitalmarkttag ab. Außerdem stehen Preisdaten aus der Eurozone und Einkaufsmanagerdaten aus der US-Industrie auf der Agenda.
Zur Wochenmitte folgen Geschäftszahlen des Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1, des Versicherers Swiss Life und nach US-Börsenschluss vom SAP-Branchenkollegen Salesforce . Überdies werden in Japan, China und Europa Daten zur Unternehmensstimmung im Dienstleistungssektor sowie im Euroraum weitere Preisdaten veröffentlicht. Am Donnerstag berichtet der amerikanische Chipriese Broadcom über seine Geschäftsentwicklung. Dazu gibt es Stimmungsdaten aus der US-Dienstleistungsbranche./gl/la/he
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---