Die Kurse steigen, die Stimmung wirkt gelassen - doch genau das macht Stefan Riße nervös. Der Kapitalmarktstratege von Acatis Investment erinnert im Gespräch daran, dass auch vor dem Crash von 1987 die Anlegerstimmung neutral war - und der Dow Jones trotzdem binnen eines Tages um 22 Prozent abstürzte. "Hohe Bewertungen, nachwirkend restriktive Geldpolitik und eine auffällige Euphorie unter Privatanlegern bilden heute einen gefährlichen Cocktail", so Riße. Besonders der Vergleich mit der Internetblase lässt aufhorchen: Das vielbeachtete Shiller-KGV liegt knapp unter den Werten von 2000, aber bereits auf dem Niveau von 2021. "Übertreibungen können lange anhalten, doch sie enden selten sanft", mahnt der Börsenexperte. Hinzu kommt die saisonale Komponente: September und Oktober zählen historisch zu den schwächsten Börsenmonaten. Auch wenn Riße keinen unmittelbaren Crash prognostiziert, rät er Anlegern zu mehr Vorsicht. Sein Rezept: Gewinne teilweise sichern, Liquidität aufbauen - und damit handlungsfähig bleiben, wenn die Märkte doch ins Rutschen geraten. Ganz im Sinne von Warren Buffett, der derzeit selbst auf Rekord-Cashbeständen sitzt. Für Riße steht fest: ETFs oder Algorithmen allein werden keinen Crash auslösen. Entscheidend seien die hohen Bewertungen, die Zinslast und das Herdenverhalten der Anleger. Wer jetzt nur auf die scheinbar "neutrale" Stimmung vertraut, könnte die Gefahr unterschätzen.
2026 startet mit einem Paukenschlag: Der DAX outperformt den US-Markt, Nachzügler holen auf. Ein erstes Signal, dass der Bullenmarkt an Breite gewinnt. Während viele Anleger weiter auf die großen Tech-Namen setzen, hat sich im Hintergrund längst ein Umschwung vollzogen. Der Fokus verschiebt sich weg von überteuerten KI-Highflyern hin zu soliden Qualitätswerten aus der zweiten Reihe.
Anleger, die jetzt clever agieren, setzen nicht auf das, was war, sondern auf das, was kommt. Unternehmen mit gesunder Bilanz, unterschätztem Potenzial und begrenztem Abwärtsrisiko könnten 2026 zu den großen Gewinnern zählen. Die Gefahr einer schärferen Korrektur bleibt real, gerade für passiv aufgestellte Investoren.
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