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Die Aktie von Siemens Energy steckt gerade in einer schwierigen Lage. Nach einem starken Anstieg auf über 104,80 Euro im Juli geht es jetzt wieder bergab. Die Aktie hat mehrere Tage seitdem hintereinander an Wert verloren, auch zuletzt wieder und wichtige Kurszonen wurden dabei unterschritten. Der Kurs liegt jetzt nur noch bei 90,78 Euro, was fast 15 Prozent weniger als der Höchststand in diesem Jahr ist. Aber da könnte noch mehr nach unten gehen. Warum? Das erfahren sie hier.
Geschäftliche Erfolge können Kursverfall nicht stoppen
Besonders wichtig: Die Aktie ist unter ihren 50-Tage-Durchschnitt (50er SMA) gefallen. Das deutet für viele Händler auf weiteren mittelfristigen Abwärtsdruck hin. Außerdem zeigen die Chartkerzen oben lange Dochte. Das bedeutet, dass immer wenn der Kurs steigt, nutzen viele Anleger die Gelegenheit zum Verkauf. Interessant ist, dass diese Schwäche am Aktienmarkt auftritt, obwohl das Unternehmen eigentlich gute Nachrichten meldete. Im letzten Quartal stieg der Umsatz auf 9,75 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 11 Prozent. Aus dem Verlust von 0,16 Euro je Aktie wurde ein Gewinn von 0,71 Euro. Die Auftragsbestände sind so hoch wie nie. Trotzdem scheint das Vertrauen der Anleger momentan gebrochen zu sein. Die Märkte scheinen skeptisch zu bleiben. Analysten von Bernstein Research stufen die Aktie als "Underperform" ein und sehen ein Kursziel von nur 37 Euro als gerechtfertigt an. Das wäre ein nochmaliger Absturz von 50 Prozent vom aktuellen Niveau aus. Sie argumentieren, dass trotz der guten Auftragslage die Bewertung viel zu hoch sei. Auch JPMorgan zeigt sich zurückhaltend und behält seine neutrale Einschätzung bei. Die Experten warnen vor längeren Lieferzeiten von bis zu zehn Jahren bei bestimmten Komponenten und sehen asiatische Konkurrenten im Aufwind. Neue Geschäftschancen ergeben sich dennoch kontinuierlich für Siemens Energy. Der Irak hat kürzlich einen Rahmenvertrag mit Siemens Energy genehmigt, um die marode Strominfrastruktur des Landes zu modernisieren. Nach verheerenden Stromausfällen während der jüngsten Hitzewelle soll das deutsche Unternehmen beim Bau neuer Kraftwerke helfen und bestehende Anlagen warten. Auch das Pacifico Mexinol-Projekt in Mexiko nimmt Fahrt auf, wo eine 210-MW-Elektrolyseuranlage für die Produktion von grünem Wasserstoff entstehen soll.
Charttechnik
Das Chartbild von Siemens Energy hat sich in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt. Der Kurs durchbrach den wichtigen 50-Tage-Durchschnitt, wie schon oben erwähnt, nach unten und nähert sich gefährlich dem 200-Tage-Durchschnitt an. Dieser verläuft aktuell bei 69,65 Euro. Sollte auch diese Unterstützung fallen, drohen weitere Verluste bis in den Bereich um 50 oder gar 40 Euro oder sogar darunter. Dann wäre das Kursziel von Bernstein ja fast erfüllt. Besonders alarmierend sind die langen oberen Dochte bei vielen Kerzen der letzten Handelswochen. Diese entstehen, wenn der Kurs zwar zunächst steigt, dann aber wieder stark verkauft wird. Ein klares Zeichen dafür, dass bei höheren Notierungen massives Verkaufsinteresse herrscht. Anleger nutzen offenbar diesen Anstieg, um Gewinne mitzunehmen oder Positionen zu reduzieren. Das Handelsvolumen ist dabei überdurchschnittlich hoch gewesen, was die Bedeutung der aktuellen Kursbewegungen unterstreicht. Alles in allem sieht das Chartbild sehr gefährlich und angeschlagen aus. Auch der RSI unterstreicht dies mit negativen Divergenzen, die die Hochs beim letzten Anstieg nicht mehr voll bestätigt haben.
Was tun?
Die Gesamtlage bei Siemens Energy präsentiert sich brenzlig, die Risiken überwiegen derzeit die Chancen. Operativ läuft das Geschäft durchaus gut. Die Auftragsbücher sind voll. Siemens Energy erschließt neue Märkte. Die letzten Quartalszahlen zeigen, dass das Management die Herausforderungen gut meistert. Allerdings sprechen mehrere Faktoren gegen ein Investment zum aktuellen Zeitpunkt. Die Bewertung erscheint selbst nach den jüngsten Kursverlusten noch sehr ambitioniert. Die charttechnische Verfassung ist besorgniserregend und signalisiert weitere Schwäche. Der Durchbruch unter den 50-Tage-SMA und die Verkaufssignale bei höheren Kursen lassen nichts Gutes erwarten. Hinzu kommen strukturelle Probleme der Branche wie extreme Lieferzeiten und wachsende Konkurrenz aus Asien. Ein Rücksetzer bis zum 200-Tage-Durchschnitt erscheint durchaus realistisch. Eventuell sogar noch tiefer.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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