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Der Stuttgarter Sportwagenbauer steckt in der schwersten Krise seit dem Börsengang. Während Analysten verzweifelt versuchen, Hoffnung zu verbreiten, sprechen die Zahlen eine brutale Sprache.
Die operative Marge liegt nahe null, die Aktie hat seit Mitte 2023 katastrophal verloren, und selbst neue Elektro-Flaggschiffe wie der Cayenne Electric verpuffen wirkungslos. Goldman Sachs stuft das Papier nur noch als neutral ein, JP Morgan klammert sich an ein Kursziel von 58 Euro. Der Chart zeigt einen unerbittlichen Abwärtstrend, der bei unveränderter Fortsetzung mathematisch gesehen gegen 0 tendieren würde. Besonders brisant: Fällt die Aktie unter die kritische 40-Euro-Marke, droht ein weiterer Kollaps bis auf 20 Euro. Die Lage ist ernst, die Perspektiven düster.
Kursziele im Niemandsland
JP Morgan hält stur an seinem Kursziel von 58 Euro fest. Das wäre ein deutliches Aufwärtspotenzial. Klingt verlockend, oder? Doch diese Rechnung geht nicht auf. Die Realität sieht anders aus. Die Auslieferungen sind um 6 Prozent eingebrochen, im dritten Quartal 2025 schrieb Porsche sogar einen operativen Verlust. Goldman Sachs prognostiziert für das Gesamtjahr 2025 eine operative Marge von mickrigen 0,4 Prozent im Automobilgeschäft. Für einen Premiumhersteller ist das eine Katastrophe. Das ursprüngliche Margenziel von 15 bis 17 Prozent wurde kassiert, nun spricht man nur noch von "bis zu 15 Prozent". Diese Absenkung ist ein Eingeständnis des Scheiterns. Die Belastungen sind massiv. Restrukturierungskosten von 3,1 Milliarden Euro fressen die Gewinne auf. Der chinesische Markt bricht weg, lokale Elektroautohersteller übernehmen dort die Führung. Die Unsicherheit bei Elektrofahrzeugen bleibt bestehen, und eventuell drohende US-Importzölle verschärfen die Situation zusätzlich. Porsche steckt in einem Teufelskreis. Die Elektrifizierung verschlingt Unsummen, während die Verbrenner-Modelle an Attraktivität verlieren. Der neue Cayenne Electric mit seinen beeindruckenden 1.156 PS sollte eigentlich für Begeisterung sorgen. Doch die Marktreaktion bleibt aus. Positive Nachrichten verpuffen einfach, als wären sie nie gewesen.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart ist erschreckend. Die Porsche-Aktie notiert aktuell bei 44,10 Euro und kämpft verzweifelt um eine Bodenbildung. Das 52-Wochen-Hoch lag bei über 60 Euro, der Abstand beträgt also mehr als 25 Prozent. Der RSI-Indikator steht bei 45 und signalisiert damit eine neutrale Lage. Doch das ist auf jeden Fall kein Kaufsignal, sondern allenfalls eine kurze Atempause im möglicherweise weiteren Fall. Der Kurs liegt unter dem 200er SMA, was den Abwärtstrend bestätigt. Die Marke von 50 Euro muss zurückerobert werden, ansonsten droht weiteres Ungemach. Besonders bedrohlich ist die psychologisch wichtige Schwelle von 40 Euro. Fällt die Aktie darunter, öffnet sich ein Abgrund. Technisch gesehen wäre dann ein Rückfall bis auf 20 Euro möglich, mehr als eine Halbierung des aktuellen Kurses. Das klingt dramatisch, ist aber bei einem Blick auf die Kursentwicklung der letzten Monate keineswegs ausgeschlossen. Würde dieser Trend ungebremst weiterlaufen, würde die Aktie mathematisch gesehen irgendwann bei 0 landen. Das ist natürlich eine theoretische Überlegung, zeigt aber, wie besorgniserregend der Verfall tatsächlich ist. Es gibt derzeit keine, bzw. kaum technische Signale, die auf eine nachhaltige Trendwende hindeuten. Jeder Erholungsversuch wird vom Markt noch gnadenlos verkauft.
Was tun?
Die operative Marge liegt am Boden, die Restrukturierungskosten belasten massiv, und die Marktaussichten bleiben trübe. China schwächelt, die Elektrifizierung verschlingt Milliarden, und die US-Zölle drohen als zusätzliche Belastung. Die Unternehmenszahlen aus dem dritten Quartal waren verheerend, mit einem operativen Verlust und einem Ergebnis je Aktie von minus 0,65 Euro. Charttechnisch steht die Aktie vor dem Abgrund. Die 40-Euro-Marke ist die letzte Verteidigungslinie, fällt sie, droht ein Absturz bis auf 20 Euro. Der anhaltende Abwärtstrend lässt keine Entspannung zu. Auch die jüngsten Nachrichten zum Cayenne Electric oder die flexible Antriebsstrategie ändern nichts an der düsteren Gesamtlage. Positive Meldungen verpuffen ohne jede Wirkung. Das Risiko-Rendite-Verhältnis ist aktuell einfach zu ungünstig. Wer jetzt noch dabei bleibt, braucht eiserne Nerven und einen langen Atem. Für die meisten Investoren dürfte ein Ausstieg möglicherweise die klügere Wahl sein.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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