DJ AUSBLICK 2026/DAX auf dem Weg Richtung 30.000 Punkte
(Wiederholung)
Von Herbert Rude
DOW JONES--Die Chancen auf ein weiteres herausragendes Börsenjahr am deutschen Aktienmarkt stehen gut. Weltweit dürften die Märkte davon profitieren, dass die Geldpolitik weiter gelockert wird. Volkswirte rechnen auf globaler Ebene für das kommende Jahr mit etwa 80 Zinssenkungen. Hinzu kommen fiskalpolitische Impulse. In Deutschland dürften die Investitions- und Rüstungspakete den Weg aus der Stagnation bahnen. Damit dürften die Unternehmensgewinne erstmals seit mehreren Jahren wieder steigen, laut Analysten voraussichtlich sogar um einen zweistelligen Prozentwert. Hinzu kommt noch, dass europäische Aktien verglichen mit dem US-Markt nach wie vor günstig bewertet sind.
Ein weiteres herausragendes Jahr deutet auch die Charttechnik an. Der DAX hängt seit Mai seitwärts fest in einer Spanne zwischen etwa 23.000 und knapp 24.800 Punkten. Sollte er die lange Konsolidierung mit einem Ausbruch auf der Oberseite beenden, bietet sich methodisch die Konsolidierungstiefe als Potenzial an, also weitere 1.800 Punkte oder Stände von etwa 26.500 Punkten.
Anlass zu noch größerem Optimismus bietet der Euro-Stoxx-50. Er hat im Sommer eine 25 Jahre alte Widerstandszone nach oben verlassen. Damit ist ein technisch hochwertiges Investment-Kaufsignal entstanden, das normalerweise mindestens 20 Prozent Anschlusspotenzial beinhaltet, es kann auch deutlich mehr sein. Von daher sollte es also nicht überraschen, wenn sich der DAX im Verlauf des kommenden Jahres sogar der Marke von 30.000 Punkten nähert. Die Aussichten profitieren auch davon, dass sich der Aufschwung der Wirtschaft und damit auch der Unternehmensgewinne im übernächsten Jahr voraussichtlich fortsetzt.
Wo liegen nun die Risiken für dieses positive DAX-Szenario? Ein Abgleiten in eine Rezession ist sehr unwahrscheinlich, in Europa bereits aktuell wegen der Fiskalpolitik. Und zu fiskalpolitischen Impulsen dürfte auch die US-Regierung greifen, wenn sich die konjunkturelle Stimmung im Jahr der Mid-Term-Wahlen stärker eintrüben sollte. Möglichkeiten dazu bieten unter anderem die hohen Zolleinnahmen. Eine Rezession ist damit auch in den USA unwahrscheinlich.
Ebenso ist unwahrscheinlich, dass der laufende Renditeanstieg die Hausse bricht. Er deutet lediglich auf eine Normalisierung nach dem Ende von "Quantitative Easing" hin, die Notenbanken fallen als Käufer langlaufender Anleihen schließlich aus. Damit ist eine Realrendite von 1 bis 1,5 Prozent im 10-jährigen Bereich eben das, was laut Marktstrategen bei moderater Inflation und moderatem Wirtschaftswachstum zu erwarten ist. In den USA wäre der Renditeanstieg damit bereits weitgehend zu Ende. Die Rendite der Bundesanleihen wäre noch auf dem Weg nach oben, sie könnte auch die Marke von 3 Prozent bei der zehnjährigen Laufzeit im Jahresverlauf zumindest zeitweise übertreffen. Die somit steilere Zinskurve sollte aber auch dafür sorgen, dass Banken und Versicherungen zumindest in den kommenden Monaten immer noch zu den Favoriten am Aktienmarkt zählen, Banken mit einer besseren Zinsmarge und Versicherungen wegen rentablerer Neuanlagen an den Kapitalmärkten.
Ein größerer Risikofaktor für den DAX ist vermutlich eine unerwartet starke Dollar-Abwertung. Dollar-Stände von deutlich über 1,25 Dollar je Euro sind bei einer zu lockeren Haltung der Fed nicht von der Hand zu weisen. Das wiederum löste Gegenwind für die europäischen exportorientierten Titel aus. Hier darf man also gespannt sein, wie sich die US-Geldpolitik nach dem Wechsel an der Notenbankspitze gestaltet. Aktuell sind für kommendes Jahr zwei Zinssenkungen eingepreist.
Ein schwacher Dollar könnte die US-Aktienkurse zwar weiter antreiben, allerdings hätte der Anleger aus dem Euroraum wie schon in diesem Jahr nur wenig davon. Allerdings würde eine anhaltende Dollar-Schwäche auch der EZB über importierte Stabilität neuen Spielraum zu Zinssenkungen geben. Der Spielraum erhöht sich auch, wenn der Ukraine-Krieg zu Ende gehen sollte. Denn dann dürften die Ölpreise auch bei besserer Konjunktur nicht anziehen oder sogar weiter fallen. Niedrige Ölpreise aber bremsen nicht nur die Inflation, sie stützen zudem Unternehmensgewinne und Konsum und sind deshalb ein weiterer potenzieller Treiber der Börsen im kommenden Jahr.
Weiterhin im Blick stehen auch die Titel aus dem Umfeld der KI. Nach den jüngsten Enttäuschungen von Oracle oder Broadcom sollte nun ein Favoritenwechsel nicht überraschen. Nachdem bisher vor allem die Innovationsführer im Mittelpunkt standen, könnten nun die Implementierer an der Reihe sein. Statt Nvidia, Microsoft und OpenAI könnten dann unter anderem Siemens, Schneider Electric und ABB in den Fokus der KI-Hausse geraten.
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