BERLIN (dpa-AFX) - Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner setzt sich gegen Kritik an seinem Krisenmanagement nach dem folgenreichen Brandanschlag auf die Stromversorgung zur Wehr. Die Opposition und auch Vertreter des Koalitionspartners SPD werfen dem CDU-Politiker unter anderem vor, am vergangenen Samstag, dem ersten Tag des großen Stromausfalls im Berliner Südwesten, nicht vor Ort präsent gewesen zu sein.
Wegner habe seit Samstagmorgen praktisch den ganzen Tag über mit Vertretern der Bundesregierung, der Stromnetz Berlin GmbH, anderen Senatsmitgliedern und den Krisenstäben telefoniert, um schnelle Hilfe wie die Unterstützung der Bundeswehr zu organisieren, heißt es aus seinem Umfeld. Das wäre vor Ort im Krisengebiet ohne Internet- und Handyempfang gar nicht möglich gewesen.
Hilfe statt Wahlkampf-Fotos
Dem Regierenden Bürgermeister sei es wichtig gewesen, sich zunächst einen Überblick über die Lage zu verschaffen und Hilfe für die betroffenen Menschen zu organisieren. Wahlkampf-Fotos vor Ort hätten den rund 100.000 Menschen ohne Strom und Heizung aus Wegners Sicht nicht geholfen.
Zurückgewiesen wurden von Wegners Umfeld zudem Behauptungen, der Regierende Bürgermeister sei im Urlaub gewesen. Das sei falsch, Wegner habe sich über Weihnachten und Silvester und auch am vergangenen Wochenende in Berlin aufgehalten.
Kritik bei Besuch vor Ort
Am vergangenen Sonntag, dem zweiten Tag des Stromausfalls, war Wegner vor Ort. Er schaute sich unter anderem eine Notunterkunft an und musste sich dabei Kritik von anwesenden Bürgern anhören, die sich über aus ihrer Sicht unzureichende Hilfe für zwei pflegebedürftige Personen beschwerten.
Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin werden voraussichtlich erst Donnerstag alle Haushalte wieder am Netz sein.
Wegner ist seit April 2023 Regierungschef in Berlin, seine CDU koaliert mit der SPD. Am 20. September wird ein neues Abgeordnetenhaus gewählt./kr/DP/nas
