Berlin (ots) -
Der heute veröffentlichte "Konzernatlas 2026 - Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie" zeigt die Folgen der starken Marktkonzentration im Agrar- und Ernährungssektor auf und präsentiert politische Instrumente, um die Markt- und Lobbymacht dominanter Konzerne einzudämmen. Die Herausgeber Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre warnen: Wenige Konzerne setzen Preise durch - von Saatgut und Pestiziden bis zum Lebensmitteleinzelhandel - und beeinflussen politische Entscheidungen.
Weltweit kontrollieren jeweils nur vier Konzerne 61 Prozent des Pestizidmarkts, 56 Prozent des Saatguts und 43 Prozent der Landmaschinen. In Deutschland beherrschen die vier großen Supermarktketten Aldi, Edeka (mit Netto), Rewe (mit Penny) und die Schwarz-Gruppe (mit Lidl und Kaufland) inzwischen rund 88 Prozent des Lebensmittelhandels - 1995 waren es noch 55 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Handwerksbäckereien in Deutschland seit 1950 um fast 60 Prozent geschrumpft, während wenige Großbetriebe drei Viertel des Umsatzes kontrollieren. Parallel wächst der politische Einfluss der Branche: Allein neun Lobbyorganisationen gaben zwischen 2020 und 2023 mehr als 50 Millionen Euro aus, um eine 50-prozentige Pestizidreduktion im Rahmen der EU-Farm-to-Fork-Strategie zu verhindern - mit Erfolg. Und die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne weltweit stoßen zusammen so viele Treibhausgase aus wie Ölkonzerne vom Kaliber BP oder Shell - und lobbyieren gegen umfangreiche Berichtspflichten über ihre Emissionen.
Dr. Imme Scholz, Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung: "Lebensmittelpreise sind ein zentrales gesellschaftliches Thema. Für Landwirt*innen, die zumindest kostendeckende Preise für eine faire und nachhaltige Produktion brauchen, und für Verbraucher*innen, insbesondere in Zeiten von hoher Inflation. Denn jeder sollte sich gesund und umweltschonend ernähren können. Doch je stärker sich Märkte konzentrieren, desto mehr profitieren in Krisenzeiten wenige große Konzerne, während bei vielen Agrarbetrieben kaum etwas ankommt.
Für Deutschland bestätigt das auch die Monopolkommission: In den vergangenen Jahren haben sich die Preisaufschläge zunehmend weg von der Landwirtschaft hin zur verarbeitenden Industrie und zum Lebensmitteleinzelhandel verlagert. Um Landwirt*innen, Arbeiter*innen und Verbraucher*innen besser zu schützen, braucht es eine unabhängige Preis- und Margenbeobachtungsstelle und ein konsequentes Vorgehen gegen unfaire Handelspraktiken - in Deutschland und auch entlang globaler Lieferketten."
Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND: "Eine zukunftsfähige Landwirtschaft braucht starke bäuerliche Betriebe - ob ökologisch oder konventionell wirtschaftend -, die mit Umwelt- und Klimaschutz ein verlässliches Einkommen erzielen können. Das Problem sind nicht die Höfe, sondern ein System, in dem wenige Konzerne Produktionsweisen und Preise diktieren und ökologische Folgekosten auslagern. Der Konzernatlas 2026 zeigt: Mit einer Agrarpolitik, die Umweltleistungen bezahlt, und klaren Regeln gegen Marktmacht lassen sich Natur schützen und Betriebe wirtschaftlich stärken."
Christian Russau, Vorstandsmitglied des Dachverbands Kritische Aktionärinnen und Aktionäre: "Die Macht weniger Agrarkonzerne sichert ihnen massiven politischen Einfluss. Das zeigte sich zuletzt bei der COP30 in Brasilien, wo sich Bayer und Co. durch Sponsoring der offiziellen 'Agrizone' enorme Sichtbarkeit erkauft haben. Die Pestizidlobby hat auch mit massiven Kampagnen die Pläne zur Pestizidreduktion in der EU verhindert. Wenn die EU-Kommission nun unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung den nächsten Konzernwunsch erfüllen möchte, gefährliche Pestizide sogar unbefristet zu genehmigen, ist das ein Freifahrtschein auf Kosten von Umwelt und Gesundheit. Neben mehr Transparenz bei der politischen Einflussnahme fordern wir daher auch die Anwendung des Kartellrechts, um marktbeherrschende Konzerne notfalls aufzuspalten."
Mehr Informationen:
- Sie können den Konzernatlas 2026 hier herunterladen oder bestellen: https://www.boell.de/de/konzernatlas
- Kontakt: Heinrich-Böll-Stiftung: Laura Endt, Pressesprecherin, Tel.: 030-28534202, E-Mail: endt@boell.de; BUND: Daniel Jahn, Pressesprecher, Tel.: 030-27586109, E-Mail: daniel.jahn@bund.net; Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre: Tilman Massa, Co-Geschäftsführer, E-Mail: tilman.massa@kritischeaktionaere.de
Pressekontakt:
BUND-Pressestelle:
CvD | Daniel Jahn | Sigrid Wolff | Clara Billen | Lara Dalbudak
Tel. 030-27586-109 | -531 | -497 | -425
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Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/7666/6191456
Der heute veröffentlichte "Konzernatlas 2026 - Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie" zeigt die Folgen der starken Marktkonzentration im Agrar- und Ernährungssektor auf und präsentiert politische Instrumente, um die Markt- und Lobbymacht dominanter Konzerne einzudämmen. Die Herausgeber Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre warnen: Wenige Konzerne setzen Preise durch - von Saatgut und Pestiziden bis zum Lebensmitteleinzelhandel - und beeinflussen politische Entscheidungen.
Weltweit kontrollieren jeweils nur vier Konzerne 61 Prozent des Pestizidmarkts, 56 Prozent des Saatguts und 43 Prozent der Landmaschinen. In Deutschland beherrschen die vier großen Supermarktketten Aldi, Edeka (mit Netto), Rewe (mit Penny) und die Schwarz-Gruppe (mit Lidl und Kaufland) inzwischen rund 88 Prozent des Lebensmittelhandels - 1995 waren es noch 55 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Handwerksbäckereien in Deutschland seit 1950 um fast 60 Prozent geschrumpft, während wenige Großbetriebe drei Viertel des Umsatzes kontrollieren. Parallel wächst der politische Einfluss der Branche: Allein neun Lobbyorganisationen gaben zwischen 2020 und 2023 mehr als 50 Millionen Euro aus, um eine 50-prozentige Pestizidreduktion im Rahmen der EU-Farm-to-Fork-Strategie zu verhindern - mit Erfolg. Und die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne weltweit stoßen zusammen so viele Treibhausgase aus wie Ölkonzerne vom Kaliber BP oder Shell - und lobbyieren gegen umfangreiche Berichtspflichten über ihre Emissionen.
Dr. Imme Scholz, Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung: "Lebensmittelpreise sind ein zentrales gesellschaftliches Thema. Für Landwirt*innen, die zumindest kostendeckende Preise für eine faire und nachhaltige Produktion brauchen, und für Verbraucher*innen, insbesondere in Zeiten von hoher Inflation. Denn jeder sollte sich gesund und umweltschonend ernähren können. Doch je stärker sich Märkte konzentrieren, desto mehr profitieren in Krisenzeiten wenige große Konzerne, während bei vielen Agrarbetrieben kaum etwas ankommt.
Für Deutschland bestätigt das auch die Monopolkommission: In den vergangenen Jahren haben sich die Preisaufschläge zunehmend weg von der Landwirtschaft hin zur verarbeitenden Industrie und zum Lebensmitteleinzelhandel verlagert. Um Landwirt*innen, Arbeiter*innen und Verbraucher*innen besser zu schützen, braucht es eine unabhängige Preis- und Margenbeobachtungsstelle und ein konsequentes Vorgehen gegen unfaire Handelspraktiken - in Deutschland und auch entlang globaler Lieferketten."
Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND: "Eine zukunftsfähige Landwirtschaft braucht starke bäuerliche Betriebe - ob ökologisch oder konventionell wirtschaftend -, die mit Umwelt- und Klimaschutz ein verlässliches Einkommen erzielen können. Das Problem sind nicht die Höfe, sondern ein System, in dem wenige Konzerne Produktionsweisen und Preise diktieren und ökologische Folgekosten auslagern. Der Konzernatlas 2026 zeigt: Mit einer Agrarpolitik, die Umweltleistungen bezahlt, und klaren Regeln gegen Marktmacht lassen sich Natur schützen und Betriebe wirtschaftlich stärken."
Christian Russau, Vorstandsmitglied des Dachverbands Kritische Aktionärinnen und Aktionäre: "Die Macht weniger Agrarkonzerne sichert ihnen massiven politischen Einfluss. Das zeigte sich zuletzt bei der COP30 in Brasilien, wo sich Bayer und Co. durch Sponsoring der offiziellen 'Agrizone' enorme Sichtbarkeit erkauft haben. Die Pestizidlobby hat auch mit massiven Kampagnen die Pläne zur Pestizidreduktion in der EU verhindert. Wenn die EU-Kommission nun unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung den nächsten Konzernwunsch erfüllen möchte, gefährliche Pestizide sogar unbefristet zu genehmigen, ist das ein Freifahrtschein auf Kosten von Umwelt und Gesundheit. Neben mehr Transparenz bei der politischen Einflussnahme fordern wir daher auch die Anwendung des Kartellrechts, um marktbeherrschende Konzerne notfalls aufzuspalten."
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