
Am Beispiel Dresdens wird deutlich, wie aus einer günstigen Lage, Handel und gemeinsamer Organisation eine Stadt entstand - und wie daraus Wohlstand, Einfluss und neue Formen des Zusammenlebens wuchsen.
Städte wie München, Frankfurt am Main und Hamburg gelten heute als deutsche Hochburgen des Wohlstands. Der Grundstein dafür wurde oft schon im Mittelalter gelegt: In dieser Zeit konnten sich die Städte aufgrund ihrer günstigen Lage zu wichtigen Handelszentren entwickeln, die mithilfe von Zoll- und Bürgerrechten wirtschaftlich unabhängig waren. Dadurch konnte der Handel florieren und vermögenden Bürgern unter anderem der Zugang zu gehobenen Ämtern geboten werden. Diese Faktoren begünstigten die Bildung einer Oberschicht, die sich bis heute hält.
Erste Formen der Selbstverwaltung: Wie Mittelalter-Städte die heutige Politik und Kommunen formten
Die Gründung mittelalterlicher Städte ist zum großen Teil auf Wanderhändler zurückzuführen, die sich genossenschaftlich organisiert und Stützpunkte an günstig gelegenen Orten gebildet haben. Dies kann am Fallbeispiel Dresden verdeutlicht werden: Bei der Stadtgründung von Dresden wählten Kaufleute einen weniger hochwassergefährdeten Ort nahe einer Burg an der Elbfurt, um eine Siedlung mit Marktplatz zu bilden. Zur Wahrnehmung der lokalen Interessen entstanden Bürgergemeinschaften, die erste Formen der Selbstverwaltung darstellen.
Burgherren gewährten Bürgern solcher Entstehungsstätten Rechte und Freiheiten: Die nahegelegene Burg diente im Ernstfall als Zufluchtsort und gewährte Leibeigenen Freiheit. Dafür mussten Bewohner umliegender Siedlungen wie Dresden (oder früher Dresdene) im Kriegsfall zur Stadt- und Burgverteidigung, aber auch zum Unterhalt der Stadtbefestigung beitragen.
In den Siedlungen und frühen Städten entstanden Räte, die die kommunalen Interessen der Bürgergemeinschaft repräsentierten - und damit den Grundstein für heutige Kommunen legten. In den autonomen Handelszentren waren zusätzlich zur Interessenvertretung politische Strukturen zur Verwaltung und Gerichtsbarkeit vonnöten, die als Vorstufe der heutigen Demokratie betrachtet werden.
So führten mittelalterliche Städte zu Wohlstand
Weil die Städte das Marktrecht über den lokalen Handel ausübten und überdies Zölle einführten, konnte ihre Bürgerschaft schnell zu Wohlstand gelangen. Es bildeten sich Handelsgenossenschaften und Handwerkszünfte, deren Interessen im Bürgerrat stark vertreten wurden. Sie sicherten eine hohe Produktqualität zu, wodurch die Nachfrage stieg. Zudem sorgten sie für Ausbildungsmöglichkeiten, die zusätzliches Einkommen brachten. Die enge Form der Zusammenarbeit in mittelalterlichen Städten stärkte die örtliche Wirtschaft und ermöglichte insbesondere Kaufleuten den sozialen Aufstieg. Eine Möglichkeit, die es so zuvor kaum gab. Auch folgende Faktoren trugen zur Bildung von städtischem Wohlstand bei:
- Märkte und Messen: Frühe Jahrmärkte dienten keineswegs nur Bürgern als Attraktion. Sie zogen Händler aus der ganzen Gegend an und förderten die städtische Wirtschaft. Vor allem aber brachten sie der Stadt wichtige Einnahmen, die zur Investition in Infrastrukturen, die Verwaltung oder Ähnliches genutzt werden konnten.
- Frühes Bankwesen: Wohlhabende Bürger konnten anderen Kredite gewähren, wodurch sie noch mehr Wohlstand erlangten. Die Kredite wiederum wurden oft zur Investition in eigene Geschäfte genutzt, wodurch sich auch weniger vermögenden Menschen die Chance auf Wohlstand bot.
- Städte zogen Handelsleute aus der ganzen Umgebung an: Städte waren wegen ihres Schutzes ein attraktives Ziel für Kaufleute aus dem ganzen Land. Sie brachten neue Waren mit, die sich einer hohen Nachfrage erfreuen. Das von ihnen verdiente Einkommen wurde nicht selten in städtische Gasthäuser, lokale Geschäfte und Dienstleistungen investiert, die wiederum florierten.
Städte boten damit auch einfachen Menschen die Chance auf sozialen Aufstieg und Wohlstand an. Allgemein legten sie mit Handel und Märkten, Rechtsprechung und dem frühen Bankwesen viele wichtige Grundsteine, auf denen der heutige Wohlstand Deutschlands begründet ist. Vor allem aber wurden aus Städten mit der Zeit Innovationszentren, die den Austausch weiter förderten. Noch heute kommt Großstädten genau diese Bedeutung als Treiber der deutschen Wirtschaft zu.
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