
© Foto: KI gestützte Illustration
Die Siemens Energy-Aktie kennt seit Monaten nur eine Richtung: steil nach oben. Deutlich über 100 Prozent Plus in zwölf Monaten klingen traumhaft. Doch was nach einer Erfolgsgeschichte aussieht, könnte sich als gefährliche Spekulation entpuppen. Analysten überbieten sich mit optimistischen Prognosen, die Kurse jagen von Rekord zu Rekord. Dabei wird übersehen: Diese Rally wird längst nicht mehr von Fundamentaldaten getragen, sondern von purem FOMO. Die Angst, den Zug zu verpassen, treibt immer mehr Anleger in den Titel. Momentum füttert Momentum, bis die Luft raus ist. Und dann? Ein brutaler Absturz könnte folgen. Die Zeichen mehren sich, dass das Ende der Fahnenstange näher rückt als gedacht.
Der FOMO-Wahnsinn an den Märkten
Die Aktie notiert aktuell bei rund 130,50 Euro. Vor einem Jahr stand sie noch unter 60 Euro. Das klingt toll! Ist aber vor allem eines: gefährlich überhitzt. Bernstein Research steigt gerade erst wieder in die Bewertung ein und vergibt direkt ein "Outperform" mit Kursziel 150 Euro. Die Deutsche Bank bleibt bei ihrem Kaufvotum und sieht 135 Euro. Andere werden noch mutiger und nennen 200 Euro als Zielmarke. Solche Zahlenspiele befeuern die Gier der Anleger weiter. Doch schauen wir genauer hin. Die Argumente der Analysten klingen solide: KI-Boom, Netzausbau, Energiehunger der Rechenzentren. Alles richtig, alles bekannt. Nur: Diese Geschichten sind längst eingepreist. Mehr noch, sie sind überbewertet. Der Markt hat bereits eine rosige Zukunft vorweggenommen, die so vielleicht nie eintritt. Die Windkraft-Probleme von Siemens Energy sind keineswegs gelöst, sie werden nur ignoriert. Das Aktienrückkaufprogramm über sechs Milliarden Euro? Ein verzweifelter Versuch, die eigene Aktie zu stützen und die Story am Leben zu halten. Die Wahrheit ist ernüchternd. Die Rally lebt von der Dynamik selbst. Anleger kaufen, weil andere kaufen. Niemand will der Letzte sein, der noch draußen steht. Dieser Mechanismus funktioniert, solange frisches Geld nachfließt. Doch sobald die ersten Gewinnmitnahmen beginnen, dreht die Stimmung blitzschnell. Bei einer Volatilität von deutlich über 50 Prozent kann es dann rasend schnell nach unten gehen. Die Marke von 140 oder gar 150 Euro ist nach oben durchaus erreichbar, wenn die Euphorie noch ein paar Wochen anhält. Danach droht jedoch ein harter Aufprall auf dem Boden der Realität. Ein Rücksetzer Richtung 100 Euro wäre dann keine Überraschung, sondern die logische Konsequenz einer überzogenen Bewertung.

Charttechnik
Charttechnisch betrachtet befindet sich die Aktie in einer klassischen Übertreibungsphase. Nach dem 52-Wochen-Hoch Ende letzten Jahres kam es zu einer Korrektur um gut zehn Prozent. Das klingt nach gesunder Konsolidierung, ist aber nur eine kurze Verschnaufpause im Höhenrausch. Der Kurs liegt aktuell deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 113,18 Euro und weit entfernt vom 200-Tage-Schnitt bei 92,99 Euro. Diese Überdehnung ist enorm. Der RSI-Indikator steht bei 79 und zeigt damit klar überkaufte Verhältnisse an. Das ist ein Warnsignal. In solchen Phasen reicht oft ein kleiner Auslöser, um eine heftige Abwärtsbewegung auszulösen. Die psychologische Marke von 130 Euro wird gerade getestet. Sollte diese nachhaltig überwunden werden, könnte der Weg bis 150 Euro frei sein. Doch dieser Anstieg wäre dann möglicherweise die finale Blow-off-Phase, bevor der Kurs einbricht. Die technischen Warnsignale sind deutlich, werden aber in der allgemeinen Begeisterung übersehen.
Was tun?
Die fundamentale Lage bei Siemens Energy ist zwiespältig. Die Grid-Technologies-Sparte profitiert tatsächlich vom Netzausbau, das stimmt. Doch die Probleme in der Windkraft bleiben bestehen und belasten die Gesamtbilanz. Die für Februar erwarteten Quartalszahlen werden zeigen müssen, ob der von der Deutschen Bank erhoffte bessere Cashflow wirklich kommt. Bislang sind das Hoffnungen, keine Fakten. Die aktuelle Bewertung lässt keinen Raum mehr für Enttäuschungen. Jede negative Überraschung wird hart bestraft werden. Die Analysten mögen noch optimistisch sein, doch ihre Kursziele liegen teilweise nur noch wenige Prozentpunkte über dem aktuellen Niveau. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist extrem ungünstig. Wer jetzt noch einsteigt, kauft eventuell am oberen Ende einer spekulativen Blase. Die Party ist schon möglicherweise vorbei, auch wenn die Musik noch spielt. Wer auf die letzten zehn oder zwanzig Prozent spekuliert, riskiert einen Verlust von dreißig oder vierzig Prozent. Die technischen Indikatoren warnen, die Bewertung ist absurd hoch und die fundamentale Story trägt die Kurse nicht mehr. Hochgefährlich!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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