DJ MARKT-AUSBLICK/US-Zins und Trump-Manöver im Blick
DOW JONES--Eine interessante Woche steht DAX & Co bevor. Nach dem ersten zeitnahen US-Arbeitsmarktbericht seit dem Regierungsstillstand dürften die Zinserwartungen in den USA auf Richtungssuche gehen. Bis sich hier eine marktbreite Einheitsmeinung durchgesetzt hat, könnten zinsempfindliche Sektoren eher volatil handeln. Entsprechend zeigte sich bereits in den US-Technologiewerten eine gewisse Bereitschaft zu Gewinnmitnahmen, die auch auf Europa ausstrahlte.
US-Zinsen könnten Tech-Rally ausbremsen
Bei den 10-jährigen US-Renditen sprechen Chartanalysten von der Möglichkeit einer umgekehrten Kopf-Schulter-Formation. Dies könnte einen kräftigen Zinsanstieg von aktuell unter 4,20 in Richtung 4,50 Prozent bedeuten - was Gift für Technologiewerte wäre.
Eine endgültige Zinsrichtung werden erst die US-Inflationsdaten in der kommenden Woche vorgeben: So stehen am Dienstag die Verbraucher- (CPI) und am Mittwoch die Erzeugerpreise (PPI) an. Ein geringer als erwartet ausfallender Preisanstieg dürfte US-Zinssenkungsfantasien beleben und könnte die Rally der Technologiewerte erneut befeuern.
Auf neue Trump-Ankündigungen vorbereitet sein
Der Trump-Administration ist das Zinsproblem wohlbekannt - auch, dass es für die gewünschten Zinssenkungen eigentlich wenig Gründe gibt. Entsprechend wirft sie ständig neue Ideen auf den Markt: So sollen die US-Hypothekenfinanzierer Fannie und Freddie für rund 200 Milliarden Dollar Anleihen kaufen. Damit sollen die Zinsen beim Hauskauf gedrückt werden.
Dazu weisen die Strategen von Berenberg darauf hin, dass US-Präsident Donald Trump bereits damit begonnen habe, einige Zölle etwa auf Möbel, Kücheneinrichtungen oder Pasta-Produkte zu senken. Hier steht schon die Beeinflussung der Volksmeinung mit Blick auf die Chancen der republikanischen Partei bei den US-Zwischenwahlen im Blick. Dazu gehört auch die Ankündigung, Rüstungsausgaben um 500 Milliarden Dollar erhöhen zu wollen.
Gerade nach der Festsetzung des Präsidenten Venezuelas auf Befehl Trumps sollten Marktteilnehmer daher "immer und überall auf alles" gefasst sein, heißt es warnend im Handel. Trump stehe innenpolitisch noch immer unter Druck wegen seiner ungeklärten Beteiligung am Epstein-Skandal. Dazu geselle sich die Tötung einer jungen Mutter durch Beamte der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE). Daher müsse jederzeit mit Ablenkungsmanövern gerechnet werden, so wie der Debatte um Grönland.
"Mit Blick auf die US-Zwischenwahlen sollte man auf Wahlgeschenke für Sektoren setzen, die von der breiten Bevölkerung wahrgenommen werden", so ein Stratege. Vor allem das hochfrequente Preisbewusstsein dürfte gezielt manipuliert werden, allen voran die Preise für Nahrungsmittel. Aber auch eine Aneingnung von Venezuelas Öl könnte die für die USA wichtigen Benzinpreise drücken.
Erste Geschäftszahlen von US-Banken
Dazu eröffnen erste US-Banken am Dienstag mit Citigroup und JP Morgan die Berichtssaison. Am Mittwoch und Donnerstag wird dann auf die US-Einzelhandelsumsätze für November und Dezember geblickt - sie sind der beste Spiegel der Kaufkraft der US-Konsumenten.
Daneben steht am Donnerstag die übliche Zahlenflut von Konjunkturdaten an. Im Fokus dürften vor allem die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die Import- und Exportpreise für November sowie der Philadelphia-Fed-Index und der Empire-State-Manufacturing-Index stehen.
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January 09, 2026 06:39 ET (11:39 GMT)
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