CARACAS (dpa-AFX) - Nach der Ankündigung der venezolanischen Regierung, eine große Zahl Gefangener freizulassen, sind nach Angaben von Menschenrechtlern bislang nur neun Häftlinge entlassen worden. Das entspreche etwa einem Prozent der politischen Gefangenen im Land, teilte die Menschenrechtsorganisation Foro Penal mit, die von rund 800 Inhaftierten ausgeht.
Unter den bislang Freigelassenen befinden sich demnach weder der prominente Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa noch Rafael Tudares, der Schwiegersohn des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia. Beide waren zuvor in Medienberichten als mögliche Begünstigte der angekündigten Maßnahme genannt worden.
Die Familie Guanipas warf der Regierung Wortbruch vor. "Die Überreste des Maduro-Regimes halten ihr Wort nicht", teilte sie auf der Plattform X mit. "Delcy Rodriguez, hören Sie auf, Spielchen zu spielen, und befehlen Sie Ihren Leuten, alle politischen Gefangenen unverzüglich freizulassen", hieß es mit Blick auf die geschäftsführende Präsidentin.
Venezuelas Regierung kündigte Freilassung vieler Häftlinge an
Die Regierung in Caracas hatte am Vortag erklärt, venezolanische und ausländische Gefangene freizulassen, ohne eine konkrete Zahl oder Namensliste zu veröffentlichen. Parlamentspräsident Jorge Rodríguez sprach lediglich von einer großen Zahl. Der Bruder von Delcy Rodríguez stellte die Maßnahme als Geste "auf der Suche nach Frieden" dar.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren willkürliche Festnahmen und intransparente Haftbedingungen in Venezuela. Besonders das Gefängnis El Helicoide in Caracas gilt als Symbol staatlicher Repression. Ehemalige Häftlinge berichten von Misshandlungen und Folter an Oppositionellen und Regierungsgegnern./ppz/DP/men
