DJ Militärexperten kritisieren Trumps Grönland-Vorstoß
Von Daniel Michaels
DOW JONES--Die Behauptung von US-Präsident Donald Trump, dass die USA Grönland besitzen müssten, um ihre dortige Verteidigung auszubauen, widerspricht nach Aussage von Experten einer jahrzehntelangen Politik. Zudem untergrabe dies die Abschreckung des weltweiten Netzes von Stützpunkten und Allianzen, sagten ehemalige amerikanische Militär- und Diplomatievertreter.
Trump hat erklärt, dass die USA die volle Kontrolle über die Insel haben sollten, ein halbautonomes dänisches Territorium, das größer als Alaska ist. In den vergangenen Tagen hat er betont, die USA müssten das Gebiet besitzen, um die Sicherheit der Arktis und der USA zu gewährleisten.
"Wenn wir es besitzen, verteidigen wir es. Pachtverträge verteidigt man nicht auf die gleiche Weise. Man muss es besitzen", sagte Trump am Freitag. "Und wir werden Grönland verteidigen müssen. Wenn wir es nicht tun, werden es China oder Russland tun."
Militärvertreter und Diplomaten sagten jedoch, dass die USA die weltweit größte Ansammlung von Militärstützpunkten im Ausland aufgebaut hätten, ohne ausländischen Boden zu besitzen.
Das Verteidigungsministerium verwalte oder nutze mehr als 128 ausländische Stützpunkte in mindestens 51 Ländern, hieß es in einem Bericht des Congressional Research Service aus dem Jahr 2024. Unabhängige Analysen hätten ergeben, dass die Gesamtzahl, einschließlich kleinerer Einrichtungen, mehr als 750 Installationen in 80 Ländern und Gebieten betragen könnte. Viele stammten aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg.
In fast allen Fällen werde das Land von den Gastländern im Rahmen bilateraler Abkommen zur Verfügung gestellt, ohne dass ein Eigentumswechsel stattfinde. Die Gastländer erlaubten den USA im Allgemeinen den Bau und Betrieb von Einrichtungen, wie es in detaillierten diplomatischen Dokumenten festgelegt sei.
"Wir brauchen kein 'Eigentum', um alle Operationen durchzuführen, die wir gerne machen würden", sagte der pensionierte Navy-Admiral James Stavridis. Er war früher Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa.
Die größten US-Militäranlagen im Ausland befinden sich in Japan, Deutschland und Südkorea. Diese Länder und andere Verbündete stellten nicht nur Land zur Verfügung, sondern leisteten auch Beiträge zu den Betriebskosten der USA.
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