
Kreditgetriebene Hausse, politisches Risiko, neuer Inflationsdruck prägen 2026 als Jahr, in dem Anleger lernen müssen, wie schnell Märkte durch politische Blockaden und kreditgetriebenes Verhalten unter Druck geraten.
Von Matthias Wolf, Gründer und Geschäftsführer der Goldpfad GmbH.
2025 ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland ein Jahr, in dem politische Handlungsfähigkeit für Investoren wieder zur harten Kennzahl wird. Wer Kapital allokiert, bewertet nicht nur Zinsen, Gewinne und Bewertungen, sondern auch die Frage, ob ein Land Reformen tatsächlich umsetzt, oder ob es sie vor sich herschiebt. Genau hier sehe ich ein Problem: Das politische Unvermögen in Berlin, dringend notwendige Reformen beherzt anzugehen, droht 2026 wie ein dauerhafter Abschlag auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu wirken.
Für deutsche Anleger hat das eine konkrete Bedeutung. Politisches Risiko ist nicht länger ein Phänomen, das man nur Schwellenländern zuschreibt. Es wirkt über Energiepreise, Regulierungsdichte, Steuer- und Abgabenpfade, Infrastruktur, Genehmigungsverfahren und die Planbarkeit unternehmerischer Entscheidungen direkt in Renditeerwartungen hinein. Viele Banken behandeln dieses Risiko noch immer wie Hintergrundrauschen. Ich halte das für gefährlich.
Hinzu kommt ein zweiter Risikoblock, der 2026 in meinem Basisszenario nicht verschwindet: globale Verschuldung, anhaltende politische Unsicherheit, Wirtschaftskriege und der fortdauernde Ukrainekrieg. Diese Gemengelage kann neue Inflationsimpulse begünstigen, weil sie Rohstoffpreise, Lieferketten, Verteidigungs- und Industriepolitik, sowie fiskalische Reaktionen gleichzeitig beeinflusst. Ob Inflation sprunghaft steigt, oder eher zäh hoch bleibt, ist offen. Entscheidend ist, dass die Wahrscheinlichkeit für unangenehme Preisschübe höher ist, als viele Marktteilnehmer derzeit einpreisen.
Was ich jedoch als den am meisten unterschätzten Hebel sehe, liegt in den USA. Der Boom der US-Aktienkurse ist in einem Ausmaß kreditfinanziert, das man nicht mehr ignorieren kann. FINRA-Daten und Auswertungen, etwa von Advisor Perspectives, zeigen für 2025 Rekordstände bei Margin Debt und ein extrem negatives Niveau beim sogenannten Investor Credit Balance. Hinter dieser Darstellung steckt eine einfache Botschaft: Der Markt steht auf einem außergewöhnlich hohen Sockel an Wertpapierkrediten, und damit auf einer dünnen Sicherheitsmarge.
Die Gefahr liegt nicht primär darin, dass Anleger Kredit nutzen. Die Gefahr liegt in der Richtung des Zwangs, wenn die Stimmung kippt. Kreditpositionen haben Regeln. Kommt es zu Korrekturen, selbst zu kleinen, werden Sicherheiten nachgefordert. Wer sie nicht nachschießen kann oder will, muss Positionen reduzieren. Damit werden kreditbasierte Käufe in sehr kurzer Zeit zu kreditgetriebenen Verkäufen. Genau in solchen Momenten entstehen Notverkäufe, die Abwärtsbewegungen beschleunigen können. In einer fallenden Marktphase wirkt das wie Öl ins Feuer, weil jeder Verkauf die Kurse weiter drückt und damit neue Sicherheitenanforderungen auslöst. Die Gefahr ist nicht, dass Märkte schwanken, das tun sie immer. Die Gefahr ist, dass eine ohnehin hohe Bewertung auf eine Kreditstruktur trifft, die bei Stress automatisch Liquidität entzieht.
Für 2026 ziehe ich daraus eine klare Konsequenz. Anleger sollten weniger darüber diskutieren, ob der nächste Prozentpunkt Rendite noch erreichbar ist, und mehr darüber, wie robust ihr Portfolio gegen politische Überraschungen, Inflationswellen und kreditgetriebene Marktmechanik ist. Sachwerte, reale Cashflows und Regionen mit hoher politischer Stabilität rücken für mich deshalb stärker in den Fokus. Nicht als Mode, sondern als Risikoprämie für Planbarkeit.
Eine Kolumne von Matthias Wolf über das Börsenumfeld 2026 und die Frage, wie tragfähig Märkte in einem angespannten politischen und finanziellen Umfeld sind.
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