DJ Weltbank erhöht Wachstumsprognosen - Schwaches Jahrzehnt droht
Von Paul Hannon
DOW JONES--Die Weltwirtschaft wächst nach Einschätzung der Weltbank trotz der Zollerhöhungen von US-Präsident Donald Trump schneller als bisher angenommen. Dies ist zum Teil einem Boom bei KI-Investitionen in den USA zu verdanken. Dennoch steuert sie laut Weltbank auf das schwächste Jahrzehnt seit einem halben Jahrhundert zu.
In ihrem halbjährlichen Bericht zum Wirtschaftsausblick haben die Ökonomen der in Washington ansässigen Entwicklungsbank viele ihrer im Juni vorgenommenen Prognosekürzungen revidiert. Damals wurden die höheren Zölle gerade eingeführt. Wie andere Prognostiker auch zeigten sich die Experten der Weltbank überrascht von der Fähigkeit der Weltwirtschaft, sich an den stärksten Zollanstieg seit einem Jahrhundert anzupassen.
"Angesichts eines Schocks nach dem anderen hat sich die Weltwirtschaft seit der Pandemie als überraschend schockresistent erwiesen", sagte Indermit Gill, Chefökonom der Weltbank.
Die Ökonomen der Bank schätzen, dass die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent gewachsen ist. Das ist deutlich mehr als die im Juni erwarteten 1,4 Prozent, stellt aber immer noch eine Verlangsamung gegenüber 2024 dar. Für das laufende Jahr hoben sie ihre Wachstumsprognose auf 2,2 von 1,6 Prozent an. "Stark gestiegene Investitionen in KI-Ausrüstung und -Strukturen haben das Wachstum gestützt", teilte die Weltbank mit.
Auch für die Weltwirtschaft insgesamt hoben die Ökonomen ihre Erwartung an. Sie gehen nun von einem Wachstum von 2,7 Prozent im Jahr 2025 aus. Das liegt über der Juni-Prognose von 2,3 Prozent und nur knapp unter dem Wert von 2024. Für dieses Jahr wird eine Verlangsamung auf 2,6 Prozent erwartet, was jedoch über der früheren Prognose von 2,4 Prozent liegt.
Das Wachstum könnte in diesem Jahr schwächer ausfallen als erwartet, sollten neue Zollerhöhungen, ein Einbruch der Aktienkurse oder ein durch Sorgen um Verschuldung getriebener Anstieg der Staatsanleiherenditen eintreten. Allerdings könnte das Wachstum laut Weltbank auch stärker ausfallen, wenn sich der Boom bei KI-Investitionen ausweitet.
Für die Eurozone schätzen die Ökonomen das Wachstum im vergangenen Jahr auf 1,4 Prozent, nachdem sie im Juni noch von einer Expansion von 0,7 Prozent ausgegangen waren. Auch Indien wuchs im vergangenen Jahr wohl deutlich schneller als erwartet: Die Weltbank schätzt den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts nun auf 7,2 Prozent gegenüber einer Juni-Prognose von 6,3 Prozent.
Die Weltwirtschaft hat sich zwar erfolgreicher als erwartet an eine Reihe von Schocks angepasst - darunter die Covid-19-Pandemie und die Folgen der umfassenden Invasion Russlands in der Ukraine. Doch die großen Schocks reißen nicht ab. Das Ergebnis ist laut Weltbank, dass die Weltwirtschaft nun auf das schwächste Wachstumsjahrzehnt seit den 1960er Jahren zusteuert. Für 2027 wird ein Anstieg der globalen Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent erwartet.
"Mit jedem Jahr ist die Weltwirtschaft weniger in der Lage, Wachstum zu generieren, scheint aber widerstandsfähiger gegenüber politischer Unsicherheit zu sein", sagte Gill.
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January 13, 2026 09:51 ET (14:51 GMT)
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