BERLIN (dpa-AFX) - Zu Beginn der Grünen Woche in Berlin ist die Situation der Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland aus Sicht des Bauernverbands äußerst schwierig. "Die Preissituation an den Agrarmärkten ist im Moment desaströs", sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied vor dem Start der Agrarmesse. Der Schweinepreis sei zuletzt auf 1,45 Euro pro Kilogramm gesunken, der Getreidepreis unter dem Niveau der frühen 1980er Jahre angelangt.
Auch Kartoffeln und Zucker stünden preislich erheblich unter Druck und die Weinbranche sei in der größten Krise der letzten Jahrzehnte. Rukwied forderte von der Politik Entlastung. "Wir brauchen endlich eine Kostenreduktion in der gesamten Branche", betonte der Verbandspräsident. Es brauche einen Abbau von Verwaltungsaufwand und branchenspezifische Sonderlösungen etwa beim Thema Mindestlohn. Dieser sei in Deutschland doppelt so hoch wie in anderen europäischen Ländern bezogen auf bestimmte Anbausektoren wie Obst in Spanien oder Gemüse in Polen.
Ernährungsindustrie mit Umsatzplus
Während die Landwirte unter Druck stehen, blickt die Ernährungsindustrie insgesamt auf ein gutes Jahr 2025 zurück. Der Umsatz der Branche habe im vergangenen Jahr bei knapp 242 Milliarden Euro gelegen, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Christoph Minhoff. Das waren demnach knapp 4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Bei einer Branchenumfrage des BVE bewerteten demnach deutlich mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen ihre aktuelle Ertragslage als "befriedigend", "gut" oder sogar "sehr gut". Gleichwohl hätten sich auch hier die Standortbedingungen in Deutschland aus Sicht der Mitglieder in den vergangenen Jahren verschlechtert, betonte Minhoff.
Diese Themen wollen die Branchenvertreter dem politischen Besuch auf der Grünen Woche mitgeben. Die Messe beginnt am Freitag und dauert bis zum 25. Januar. Für Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) ist es die erste Grüne Woche. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird kommende Woche erwartet. Die Veranstalter rechnen mit insgesamt rund 325.000 Besucherinnen und Besuchern./maa/DP/jha
