
© Foto: Symbolbild von Ursula Zauner auf Pixabay
Der Stuttgarter Autobauer kämpft mit massiven Verkaufsrückgängen. Besonders in China, dem wichtigsten Markt, brechen die Zahlen dramatisch ein. Fast ein Fünftel weniger Autos gingen dort über die Ladentheke. Auch in den USA lief es alles andere als rund. Trotzdem hält sich die Aktie erstaunlich gut und zeigt sogar einen intakten Aufwärtstrend. Wie passt das zusammen? Die Antwort liegt in den Luxusmodellen.
Während die Masse schwächelt, boomen die teuren AMG-Varianten und die G-Klasse. Genau dort verdient Mercedes das große Geld. Die neue Strategie scheint aufzugehen, auch wenn die Gesamtzahlen zunächst erschrecken. Dazu kommt eine neue Modelloffensive, die ab Ende Januar startet. Die S-Klasse bekommt ein umfassendes Update, neue Elektromodelle folgen. Kann Mercedes damit das Ruder herumreißen und die verlorenen Marktanteile zurückerobern?
Verkaufszahlen im freien Fall
Mercedes hat 2025 weltweit nur noch 2,16 Millionen Fahrzeuge verkauft. Das bedeutet einen Rückgang von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahlen sind ernüchternd, keine Frage. China entwickelte sich dabei zum größten Sorgenkind. Mit einem Minus von 19 Prozent brachen die Verkäufe dort regelrecht ein. Nur noch 551.000 Autos gingen an chinesische Händler. Das Management spricht von einem extrem aggressiven Wettbewerb. Chinesische Hersteller drücken mit massiven Rabatten auf den Markt. Mercedes will da nicht mitspielen und verzichtet bewusst auf Preiskämpfe. Der Werterhalt steht im Vordergrund, auch wenn das Marktanteile kostet. In den USA sieht es auf den ersten Blick ähnlich düster aus. Die Verkäufe an Händler gingen um 12 Prozent zurück. Hier spielen aber auch Zolleffekte und Bestandsmanagement eine Rolle. Interessant ist der Blick auf die tatsächlichen Auslieferungen an Endkunden. Die stiegen nämlich leicht an. Die Nachfrage ist also stabiler als die nackten Zahlen vermuten lassen. Europa erwies sich als Fels in der Brandung. Dort gab es nur einen minimalen Rückgang von 1 Prozent. Der Heimatmarkt hält stand, auch wenn er die Verluste aus Übersee nicht ausgleichen kann. Bei den Elektroautos zeigt sich ein gemischtes Bild. Über das Gesamtjahr gingen die Verkäufe um 9 Prozent zurück. Das 4. Quartal brachte aber eine Trendwende. Dort stiegen die Absätze um 3 Prozent. Die neuen Modelle scheinen anzukommen. Das 4. Quartal war mit einem Plus von 6 Prozent gegenüber dem 3. Quartal der stärkste Zeitabschnitt des Jahres.

Charttechnik
Die Aktie notiert aktuell bei rund 59,80 Euro. Trotz der schwachen Verkaufszahlen zeigt sich das Papier erstaunlich widerstandsfähig. Der Chart offenbart aktuell einen klaren Aufwärtstrend. Beide wichtigen gleitenden Durchschnitte liegen unterhalb des aktuellen Kurses. Der 50er SMA stützt von unten, ebenso der 200er SMA. Das ist ein deutliches Signal für eine intakte technische Verfassung. Die Anleger scheinen die negativen Nachrichten bereits eingepreist zu haben. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie zwar ein wenig. Das ist angesichts der Lage aber überschaubar. Die charttechnische Stärke steht im interessanten Kontrast zu den fundamentalen Herausforderungen. Offenbar trauen die Investoren dem Konzern die Trendwende und damit auch höhere Notierungen zu. Der RSI liegt bei moderaten 55 und lässt auch noch von dieser Seite her Kurssteigerungen zu.
Was tun?
Die Situation bei Mercedes ist komplex, aber dennoch überschaubar. Die Verkaufszahlen sind schwach, der Gewinn brach in den ersten neun Monaten deutlich ein. Das sind harte Fakten, die sich nicht schönreden lassen. Gleichzeitig funktioniert die Luxusstrategie. AMG legte 7 Prozent zu, die G-Klasse feierte ein Rekordjahr mit 23 Prozent Plus. Dort liegt die Marge, dort verdient der Konzern das Geld. Die Modelloffensive mit der neuen S-Klasse und den elektrischen AMG-Modellen könnte frischen Wind bringen. Die Charttechnik spricht eine klare Sprache und zeigt Stärke. Die gleitenden Durchschnitte stützen den Kurs von unten. Für konservative Anleger bleibt Mercedes eine Wette auf die Trendwende. Die Bewertung ist günstig, die Dividendenrendite attraktiv. Wer an die Premiumstrategie glaubt und auf eine China-Erholung setzt, kann bei diesen Kursen einsteigen. Stoppkurs z. B. unter dem 200er SMA bei ca. 53,80. Die fundamentale Entwicklung ist angespannt, der Wettbewerb brutal. Der vollständige Geschäftsbericht am 12. Februar wird zeigen, wie es wirklich um den Konzern steht. Bis dahin heißt es abwarten. Die Aktie ist für langfristige Investoren mit Geduld interessant, für nervöse Gemüter eher nichts. Hochspannend!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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