US-Techaktien prägen die Indizes, doch defensive Qualitätswerte, regionale Umschichtungen und Absicherungen wie Gold rücken 2026 in den Fokus. Was Strategen und Fondsmanager erwarten, lesen Sie in Teil 2 unserer großen Expertenumfrage. 2026 wird kein Jahr für Anleger im Autopilot, so viel steht wohl fest. Für viele ist unverändert KI der dominierende Markttreiber: als Investitions- und Produktivitätsmotor. Aktien bleiben alternativlos, wenngleich die US-Indizes starke Konzentrationen aufweisen und ein deutlich heterogeneres Bild unter der Oberfläche kaschieren. Bei US-Tech lassen hohe Bewertungen kaum Raum für Enttäuschungen, zugleich finden sich zahlreiche Unternehmen aus defensiveren Sektoren zu deutlich niedrigeren Bewertungen. Politische Eingriffe, steigende Staatsverschuldung und geopolitische Konflikte bleiben schwer kalkulierbare Risiken, die Anleger bei der Bewertung mitdenken müssen. Was ist Ihre zentrale These für die Kapitalmärkte 2026 und wie setzen Sie diese Überzeugung in den Portfolios Ihrer Kunden um? Bert Flossbach, Mitgründer, Flossbach von StorchDas Umfeld bleibt anspruchsvoll. Unter der Oberfläche zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite stehen die großen US-Technologieschwergewichte. Sie stehen aktuell für mehr als 40% des US-Aktienmarkts und treiben die Entwicklung der KI maßgeblich voran - mit jährlichen Investitionen im Umfang von hunderten Milliarden US-Dollar. Die damit verbundenen Wachstumshoffnungen und Bewertungen lassen allerdings wenig Raum für Enttäuschungen. Ob sich die milliardenschweren Ausgaben in nachhaltige Erträge übersetzen lassen, ist offen. Fehlinvestitionen würden die Kurse belasten, gefährden aber nicht die Substanz der Geschäftsmodelle. Dem steht eine große Zahl solide aufgestellter Unternehmen mit moderaten Bewertungen gegenüber. Viele dieser Firmen stammen aus eher defensiven Bereichen wie Basiskonsum oder Gesundheit. Das Wachstumspotenzial dieser Unternehmen ist oftmals unspektakulär, die fundamentalen Risiken sind es allerdings auch. Anleger erhalten eine planbare Geschäftsentwicklung zu einem relativ günstigen Preis. Breite Indizes kaschieren diese Unterschiede und bergen Klumpenrisiken. Für Anleger steigt damit die Bedeutung der fundamentalen Bewertung von Geschäftsmodellen und -aussichten. Bloße Narrative sollten diese Bewertung nicht ersetzen. Gold nimmt in diesem Umfeld eine besondere Rolle ein. Der starke Preisanstieg ist weniger Ausdruck von Euphorie als von Vorsorge. Steigende Schulden, Fragezeichen hinter der Unabhängigkeit der US-Notenbank und Konfiskationsrisiken in den USA stärken den Charakter als Wertanker. Auch wenn kurzfristige Rücksetzer möglich und wahrscheinlich sind, bleibt Gold eine Versicherung gegen systemische Risiken. Dieses Marktumfeld verlangt Disziplin. Realistische Renditeerwartungen, ein nüchterner Blick auf die Bewertung und eine ausgewogene Portfoliostruktur sind wichtiger denn je. Martin Lück, Gründer, Macro MonkeyAmerika bleibt die ökonomisch attraktivste, politisch aber zunehmend riskante Anlageregion. Ökonomisch attraktiv, weil die Ertragsaussichten breiter KI-Anwendungen ungebrochen sein dürften und US Tech-Unternehmen von diesem Boom am stärksten profitieren. Zunehmende Verschuldung und die Sorge vor Überinvestition dürften zwar immer stärker in den Vordergrund treten, aber die enormen Gewinnzuwächse noch in den jüngsten vergangenen Quartalen verdeutlichen, dass diese Entwicklung noch nicht an ihrem Ende ist. Gleichzeitig werden die USA als Anlageregion aber auch immer unberechenbarer. Die jüngsten Ankündigungen von Gehaltsobergrenzen für Rüstungsmanager, dem Verbot von Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufen sowie weiterer Regularien zeigen, dass die Trump-Administration jederzeit bereit ist, nach politischem Gusto in Eigentumsrechte einzugreifen, eine der wichtigsten Grundfesten für das störungsfreie Funktionieren von Marktwirtschaften. Wenn Anleger nicht wissen, ob und wie Unternehmen reguliert werden, in die sie investieren möchten, sind Investitionsentscheidungen nicht planbar bzw. unterliegen kaum kalkulierbaren Risiken. Die Konsequenz ist, dass Risikoprämie auf amerikanische Aktien deutlich höher sein müssen. Auch darüber hinaus hat die geopolitische Unsicherheit bezüglich US-Anlagen zugenommen. Der harte Konfrontationskurs, den die Trump-Regierung spätestens seit Jahresbeginn fährt (Stichwort Venezuela, Grönland, Kuba etc.) kann jederzeit zu feindseligen Aktionen auch gegenüber bisherigen Partnern führen, etwa in Europa. So könnten Investitionen in US-Unternehmen als unerwünscht deklariert oder Gläubiger de facto enteignet werden. Dass so etwas keine irren Fantasien sind, sondern von Trump-Beratern wie Fed Board-Mitglied Steven Miran sogar in Schriftform propagiert wurde, sollten Anleger nicht völlig ausblenden. Drittens schließlich ist es angesichts einer fortschreitenden Isolierung Amerikas und einer Abkehr vom Welthandel wahrscheinlich, dass der Dollar weiter abwertet. Schon 2025 haben europäische Anleger mehr als 10% ihrer Erträge in US-Aktien über die Währung wieder eingebüßt.Vor dem Hintergrund dieser Kombination aus ökonomischer Attraktivität und politisch bedingter Unberechenbarkeit ist Anlegern im Jahr 2026 zu empfehlen, Aktien- und Anleiheinvestments breiter zu streuen. Bei Aktien bedeutet dies, die Gewichtung von US-Aktien zu reduzieren und im Gegenzug Gewichte in Europa und den Schwellenländern aufzubauen. Vincenzo Vedda, Chief Investment Officer, DWSRational Exuberance - unter diesem Motto starten wir optimistisch ins Jahr 2026. Wir erwarten ein konstruktives Umfeld für Risikoanlagen. Wachstumsimpulse, günstige Finanzierung und eine neutrale bis lockere Geldpolitik geben den Ton an. Zwei Zinssenkungen der US-Fed, eine stabile Inflation nahe dem EZB-Ziel und deutsche Fiskalpolitik sorgen für zusätzlichen Rückenwind. China setzt auf Technologie, Japan auf Reformen, und Asien profitiert vom Chip-Boom sowie stärkerem regionalen Handel. Zölle verlieren an Schärfe, auch wenn strukturelle Effekte bestehen bleiben. Digitalisierung und Energiewende prägen die Kapitalströme, weshalb selektives Investieren wichtiger wird. Aktien bleiben attraktiv. In den USA könnte der S&P 500 bis Ende 2026 rund 7.500 Punkte erreichen, getragen von Gewinnwachstum und Investitionen in KI. Finanzwerte profitieren von moderaten Renditen und Deregulierung. KI bleibt ein zentraler Treiber, birgt jedoch Enttäuschungspotenzial. Deshalb bevorzugen wir keine Region einseitig. Europa punktet mit Infrastruktur- und Verteidigungsinvestitionen, Japan mit Reformen. Gold bleibt ein bewährtes Instrument zur Diversifikation. Auch Anleihen ...Den vollständigen Artikel lesen ...
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