DJ MARKT-AUSBLICK/DAX vor starkem Januar - Und damit weiter auf Kurs
Von Herbert Rude
Dow Jones--Der DAX bleibt auf Kurs. Das Jahr hat stark begonnen und das ist ein gutes Zeichen: "Wie der Januar, so das ganze Börsenjahr", lautet eine der altbekannten Börsenweisheiten. Laut IG Markets hat sie zumindest an Wall Street eine hohe Trefferquote von über 80 Prozent. Im Zeitraum 1995 bis 2004 habe der S&P-500 den Januar 17-mal positiv beendet und in 14 Fällen sei er dann auch im Gesamtjahr gestiegen. Zwar ist der Januar noch nicht vorbei und der DAX hat nach dem Anstieg von knapp 24.000 auf gut 25.500 Punkte eine Verschnaufpause eingelegt. Diese macht laut Marktanalysten aber einen trendbestätigenden Eindruck und ändert nichts an dem übergeordneten positiven Bild.
Das nächste Zwischenziel der Hausse sehen Marktanalysten bei etwa 26.200 Punkten. Es errechnet sich aus der Breite der Handelsspanne aus dem zweiten Halbjahr 2025. Spannend wird sein, ob der DAX dieses bereits nach dem Ende der laufenden Konsolidierung erreicht. Zum Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals sollten dann weitere Höchststände anstehen, nach der Sommerpause im vierten Quartal könnte die Reise dann Richtung 30.000er-Marke weitergehen.
Wie die jüngsten Daten gezeigt haben, hellt sich die konjunkturelle Situation weiter auf. Die deutsche Wirtschaft scheint die Phase der Stagnation endlich zu beenden. Zum einen dauert die Wirtschaftsflaute bereits ungewöhnlich lange, und zum anderen schieben die fiskalpolitischen Impulse das Wachstum an. Volkswirte halten in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von etwa einem Prozent für möglich, vielleicht auch etwas mehr. Und auch global sieht es gut aus: "Für 2026 rechnen wir mit einer Beschleunigung des US-Wachstums, einer Abschwächung der Inflation und weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank", so Peter Branner, Anlagestratege beim Vermögensverwalter Aberdeen Investments.
Daneben steht die Berichtssaison im Blick. Die Ergebnisse der europäischen Unternehmen für das vierte Quartal dürften laut Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, solide ausfallen. Analysten rechneten im Schnitt mit einem leichten Gewinnrückgang von rund einem Prozent. Das liege am Euro, der im vierten Quartal zum Dollar 9 Prozent über dem Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums stand. Gleichzeitig seien aber die mittelfristigen Gewinnerwartungen für europäische Unternehmen auf den höchsten Stand seit 2021 gestiegen. Für 2026 und 2027 rechneten Analysten mit einem Gewinnplus von jeweils knapp zwölf Prozent.
Stephan macht sich im Übrigen trotz einiger negativer Kursreaktionen auf die jüngsten Geschäftszahlen auch keine Sorgen um die US-Investmentbanken. Er rechnet mit einem IPO-Boom in den USA, der die Erträge im laufenden Jahr stützen werde. Zinssenkungen, regulatorische Erleichterungen und rekordhohe Bewertungen begünstigten den Gang privater Unternehmen an die Börse.
Die Gewinnschätzungen für den DAX steigen bereits. Laut Commerzbank liegt der Konsens nun bei umgerechnet 1.655 DAX-Punkten, 13 Punkte über dem Stand von Anfang Januar und 12,6 Prozent über dem Konsens für das vergangene Jahr. Mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 15 ist der DAX immer noch relativ moderat bewertet, gemessen zum einen am 22er-KGV des S&P-500 und zum anderen an der Rendite 10-jähriger Bundesanleihen von nur 2,8 Prozent.
Am Montag bleibt die Wall Street wegen des Martin-Luther-King-Feiertags geschlossen. In China wird ein ganzer Datenkranz veröffentlicht, unter anderem zum Wachstum im vergangenen Jahr. Am Dienstag stehen die Entwicklung der deutschen Erzeugerpreise sowie der ZEW-Konjunkturindex auf der Agenda, und zum Wochenausklang gibt es neue Daten zur Stimmung unter den Einkaufsmanagern sowie den Index zur Verbraucherstimmung der Universität Michigan.
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
DJG/hru/flf
(END) Dow Jones Newswires
January 16, 2026 07:39 ET (12:39 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.
