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Die Hensoldt-Aktie feiert aktuell ein Kursfeuerwerk. Innerhalb weniger Wochen schoss der Wert von knapp unter 65 Euro auf über 93 Euro nach oben. Anleger jubeln, Analysten warnen. Doch hinter der Rally lauern erhebliche Risiken. Die technischen Indikatoren blinken rot, die Bewertung ist ambitioniert, und die geplante Milliarden-Investition belastet die Margen. Zudem könnte sich eine gefährliche Schulter-Kopf-Schulter-Formation abzeichnen. Steigt der Kurs noch bis 100 Euro, droht danach möglicherweise ein brutaler Absturz Richtung 40 Euro. Wann beginnt die Korrektur? Für Anleger wird es jetzt brenzlig. Die Party könnte schneller vorbei sein als gedacht.
Überhitzte Indikatoren und dünnes Sicherheitspolster
Die jüngste Kursrally bei Hensoldt wirkt beeindruckend. Binnen weniger Tage kletterte die Aktie deutlich. Das sind über 30 Prozent Plus in kürzester Zeit. Andere Rüstungswerte zeigen ähnliche Muster. Doch genau hier beginnt das Problem. Der Markt ist heiß gelaufen. Der RSI-Indikator hat fast die kritische Marke von 70 erreicht. Das signalisiert dann eine überkaufte Situation. Zwar fließt weiterhin Kapital in die Aktie, doch der Zufluss nimmt ab. Das deutet auf nachlassende Kaufkraft hin. Die kurzfristigen Aufwärtstrends sind zwar noch intakt, aber das Sicherheitspolster ist hauchdünn. Schon ein Rückfall unter 89 Euro könnte erste Gewinnmitnahmen auslösen. Dann würden die nächsten Unterstützungen bei 75 bis 76 Euro angelaufen. Dort liegt auch das Aufwärtsgap vom Jahresbeginn 2026. Falls diese Zone nicht hält, droht ein Absturz bis in den Bereich von 60 Euro und darunter. Die Luft wird dünner.
Charttechnik
Die Charttechnik ist alarmierend. Der Kurs könnte noch bis 100 Euro steigen. Dort liegt eine entscheidende Widerstandszone zwischen 97,50 und 100 Euro. Sollte dieser Bereich erreicht werden, könnte sich eine klassische Schulter-Kopf-Schulter-Formation vollenden. Das ist ein bearishes Umkehrmuster. Die linke Schulter bildete sich im Juni bei 107 Euro. Der Kopf entstand im Oktober bei 117,70 Euro. Die rechte Schulter würde sich jetzt bei 100 Euro oder knapp darunter ausbilden. Wird diese Formation bestätigt, droht ein heftiger Einbruch. Das Kursziel läge dann im Bereich von 40 Euro. Das wäre ein Verlust von rund 60 Prozent vom aktuellen Niveau. Die 200-Tage-Linie bei 86,56 Euro bietet zwar kurzfristig Support, doch die Gefahr einer größeren Korrektur ist real. Das Aufwärtsgap könnte geschlossen werden. Darunter warten weitere Unterstützungen bei 61 Euro und 59 Euro. Die technischen Warnsignale häufen sich.

Teure Bewertung und belastende Investitionen
Fundamental sieht es nicht besser aus. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei über 4. Hensoldt ist damit teurer als der Branchendurchschnitt. Der Rüstungskonzern hinkt also hinterher. Die Wachstumserwartungen rechtfertigen die hohe Bewertung kaum. Hinzu kommt die angekündigte Milliarden-Investition. Das Management will rund eine Milliarde Euro in den kommenden zwei Jahren ausgeben. Die Initiative Operations 2.0 soll die Produktionskapazitäten erweitern. Klingt gut, belastet aber kurzfristig massiv. Höhere Forschungskosten, steigende Investitionsausgaben und Druck auf die Margen sind die Folge. Die Bank of America hat die Aktie im Dezember herabgestuft. Die Begründung: ein schwieriges Übergangsjahr 2026 mit verlangsamtem Wachstum. Erst ab 2027 soll sich das Investment auszahlen. Bis dahin müssen Anleger durchhalten. Ob alle das wollen, ist fraglich.
Was tun?
Anleger sollten jetzt vorsichtig agieren. Die Hensoldt-Aktie ist überkauft, teuer bewertet und steht vor einem schwierigen Übergangsjahr. Die geplante Milliarden-Investition belastet die Margen kurzfristig erheblich. Die Bank of America warnt explizit vor 2026. Die Umsatzwachstumserwartungen bleiben hinter der Branche zurück. Das rechtfertigt die hohe Bewertung nicht. Charttechnisch droht zudem die Vollendung einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Sollte der Kurs noch bis 100 Euro steigen, wäre das möglicherweise der perfekte Ausstiegszeitpunkt für Longs oder aber ein Einstieg für Shorts. Danach könnte ein Absturz Richtung 40 Euro folgen. Die fundamentalen Zahlen stützen diese Einschätzung. Das Orderbuch ist zwar gut gefüllt, doch die operative Umsetzung bleibt abzuwarten. Die neuesten Quartalszahlen zeigten zwar Umsatzwachstum, doch der Gewinn pro Aktie liegt noch deutlich unter den langfristigen Erwartungen. Die Dividendenprognose für 2026 liegt bei nur 0,62 Euro. Das ist keine überzeugende Rendite bei einem Kurs von über 90 Euro. Die strukturellen Effekte durch höhere Verteidigungsbudgets sind zwar vorhanden, doch Hensoldt ist nicht der einzige Profiteur. Rheinmetall und andere Wettbewerber sind teilweise besser positioniert. Hochgefährlich für Neueinsteiger!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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