
© Foto: fn Symbolbild
Paradoxe Situation bei Renk: Während der Augsburger Panzergetriebe-Spezialist einen Millionen-Auftrag aus den USA meldet und Hunderte Millionen Euro in Deutschland investieren will, stürzt die Aktie ab. Der Kurs verlor innerhalb weniger Tage recht deutlich. Analysten warnen vor überzogenen Bewertungen. Die charttechnische Lage verschlechtert sich rapide. Ein erneuter Ausbruch über die 200-Tage-Linie könnte zwar noch einmal bis 70 Euro führen, doch danach droht, wie bei vielen anderen Rüstungswerten derzeit, möglicherweise eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Im "schlimmsten Fall" wären Kurse um 30 Euro denkbar. Die aktuelle Konsolidierung könnte sich als gefährliche Falle entpuppen. Trotz guter Quartalszahlen und steigender Umsätze bleibt die Skepsis groß. Der Markt scheint nicht an die Nachhaltigkeitsstory zu glauben. Anleger sollten höchste Vorsicht walten lassen.
Großauftrag kann Kurssturz nicht stoppen
Die US-Tochter Renk America hat einen Fünfjahresvertrag mit der amerikanischen Armee abgeschlossen. Das Volumen liegt bei bis zu 75,5 Millionen Dollar. Der Auftrag umfasst Getriebe und Powerpacks für Kampffahrzeuge wie den Bradley-Schützenpanzer und die Paladin-Panzerhaubitze. Eigentlich eine gute Nachricht. Doch der Markt reagierte mit fallenden Kursen. Zeitweise sackte der Kurs sogar knapp unter die psychologisch wichtige Marke von 60 Euro. Parallel dazu verkündete Renk Investitionen von 325 Millionen Euro in deutsche Standorte. Das Geld soll bis 2028 fließen. Schwerpunkte sind Digitalisierung, neue Antriebssysteme und Kapazitätsausbau in Augsburg und Rheine. Der Konzern trat außerdem der Initiative "Made for Germany" bei. Ein klares Bekenntnis zum Heimatmarkt. Doch auch das beeindruckte die Börse nicht. Im Gegenteil. Die Skepsis wuchs weiter. Die EBIT-Prognose für das Gesamtjahr bleibt bei 210 bis 235 Millionen Euro. Trotz schwachem Dollar, Zöllen und Exportbeschränkungen nach Israel hält das Management an den Zielen fest. Die Kostendisziplin scheint zu funktionieren. Die Marge liegt bei rund 18,5 Prozent. Doch der Markt honoriert das nicht.
Charttechnik
Die technische Lage verschlechtert sich dramatisch. Die 200-Tage-Linie wurde unterschritten. Das zuvor generierte Kaufsignal ist passé. Über drei Monate summiert sich das Minus auf deutlich über 10 Prozent. Die 50-Tage-Linie bei 57,48 Euro markiert die nächste kritische Marke. Fällt diese, droht weiteres Ungemach. Analysten sehen die Gefahr einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Sollte sich dieses Muster vollenden, wären Kurse um 30 Euro nicht auszuschließen. Das wäre ein Absturz von über 50 Prozent vom aktuellen Niveau. Zwar könnte ein erneuter Ausbruch über die 200-Tage-Linie noch einmal Schwung bis 70 Euro bringen. Doch danach lauert die große Gefahr. Die Wahrscheinlichkeit für einen harten Rücksetzer steigt. Goldman Sachs bestätigt zwar das Kursziel von 70 Euro, stuft die Aktie aber nur neutral ein. Der Analystenkonsens liegt bei knapp unter 70 Euro. Das impliziert ein Aufwärtspotenzial von etwa 10 Prozent. Doch MWB Research schockierte mit einer Verkaufsempfehlung. Das Kursziel wurde von 55 auf 53 Euro gesenkt. Die Begründung: Die Bewertung nimmt bereits viel operativen Fortschritt vorweg.

Was tun?
Die Renk-Aktie steckt in einer gefährlichen Phase. Trotz Großauftrag aus den USA und hoher Investitionen verliert sie aktuell deutlich an Wert. Die fundamentalen Daten sind zwar nicht schlecht. Der Umsatz wächst, die Marge stimmt, die Auftragslage ist ordentlich. Doch der Markt glaubt offenbar nicht an eine nachhaltige Aufwärtsentwicklung. Die Bewertung erscheint vielen Analysten zu hoch. Charttechnisch sieht es düsterer aus als zuletzt. Einige wichtige Durchschnittslinien sind unterschritten. Eine mögliche Schulter-Kopf-Schulter-Formation könnte sich bilden. Im schlimmsten Fall drohen Kurse um 30 Euro. Zwar ist ein letzter Ausbruch bis 70 Euro denkbar, doch danach wird es kritisch. Das Risiko-Rendite-Verhältnis stimmt nicht mehr. Die jüngsten Nachrichten konnten nicht überzeugen. Weder der US-Auftrag noch die Investitionszusagen vermochten den Kurs zu stabilisieren. Die Verkaufsempfehlung von MWB Research belastet zusätzlich. Andere Rüstungswerte wie Rheinmetall sind ähnlich angeschlagen. Anleger sollten auch bei Renk vorsichtig sein. Ein Verkauf oder zumindest das Setzen enger Stop-Loss-Marken erscheint ratsam. Die Gefahr eines größeren Absturzes ist real.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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