
© Foto: Symbolbild von Amarnath Radhakrishnan auf Pixabay
Die Xiaomi-Aktie steckt in der Klemme. Während das Unternehmen im Elektroauto-Geschäft Gas gibt und beeindruckende Verkaufszahlen vorlegt, kennt der Kurs nur eine Richtung: nach unten. Die charttechnische Lage spitzt sich zu, wichtige Unterstützungen wackeln bedenklich. Gleichzeitig belasten explodierende Kosten für Speicherchips das lukrative Smartphone-Geschäft. Das Management stemmt sich mit massiven Aktienrückkäufen gegen den Abwärtssog, doch bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Anleger stehen vor der Frage: Ist das der Anfang einer längeren Talfahrt oder bietet sich hier bald eine historische Kaufchance? Die Antwort könnte in den kommenden Wochen fallen, denn technisch gesehen steht die Aktie vor einer Entscheidung. Wer jetzt nicht aufpasst, verpasst entweder einen guten Einstieg oder kauft das fallende Messer.
Fundamental: Licht und Schatten
Im Elektroauto-Segment läuft es rund. Das Unternehmen hat 2025 mit rund 410.000 ausgelieferten Fahrzeugen die eigene Prognose von 300.000 Einheiten deutlich übertroffen. Im dritten Quartal schrieb die EV-Sparte erstmals schwarze Zahlen. Für 2026 peilt der Konzern 550.000 Auslieferungen an, ein Plus von 34 Prozent. Die neue SU7-Limousine startet im April, ausgestattet mit Lidar-Sensoren und einer Reichweite von bis zu 902 Kilometern. Beim SUV-Modell YU7 lockt Xiaomi mit einer Sieben-Jahres-Finanzierung zu niedrigen Zinsen, um Tesla Marktanteile abzujagen. Doch die Medaille hat eine Kehrseite. Im Smartphone-Geschäft, das nach wie vor den Löwenanteil der Umsätze beisteuert, ziehen dunkle Wolken auf. Der Kostenschock für DRAM trifft Xiaomi wohl hart. Entweder erhöht der Konzern die Verkaufspreise seiner Smartphones und riskiert Marktanteile, oder er akzeptiert schrumpfende Margen. Branchenanalysten haben bereits reagiert und ihre Absatzprognosen nach unten korrigiert. Das Management zeigt Vertrauen und kauft eigene Aktien. Diese Maßnahmen stützen den Kurs kurzfristig, können die strukturellen Probleme aber nicht lösen. Der chinesische Automarkt bleibt volatil, im Dezember gingen die Pkw-Verkäufe so stark zurück wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Charttechnik
Das Chartbild sieht eher düster aus. Die Aktie notiert bei rund 4 Euro und hat damit vom 52-Wochen-Hoch bei 7,34 Euro über 40 Prozent verloren. Der Abwärtstrend ist intakt, die gleitenden Durchschnitte verlaufen fallend und liegen deutlich über dem aktuellen Kurs. Sowohl die 50-Tage-Linie bei umgerechnet etwa 4,47 Euro als auch die 200-Tage-Linie signalisieren klar: Hier hat der Bär das Ruder übernommen. Die Marke von 4 Euro ist jetzt entscheidend. Fällt diese Unterstützung, droht weiterer Verkaufsdruck. Das nächste Ziel läge dann bei 3 Euro, im schlimmsten Fall könnte es sogar bis 2,50 Euro durchrutschen. Der RSI deutet zwar bereits überverkauftes Terrain an, liefert aber noch kein klares Kaufsignal. Vielmehr bestätigt der Indikator aktuell den Abwärtstrend. Interessant wird es erst, wenn die Aktie die Region um 3 Euro erreicht. Dort könnte sich eine finale Trendwende anbahnen. Für mutige Anleger wäre das ein attraktives Setup für einen Rebound-Trade mit beträchtlichem Potenzial. Von 3 Euro bis zum Kursziel von 6 Euro läge eine Kursverdopplung oder mehr drin. Bis dahin heißt es aber: Abwarten und Tee trinken. Wer zu früh einsteigt, riskiert schmerzhafte Verluste.
Was tun?
Operativ überzeugte das Elektroauto-Geschäft zuletzt mit starken Zahlen und ehrgeizigen Zielen. Die erstmalige Profitabilität im EV-Segment ist ein wichtiger Meilenstein. Doch die gestiegenen Komponentenkosten im Smartphone-Geschäft belasten die Margen. Der Konzern investiert Milliarden in den Ausbau der Autosparte, gleichzeitig schwächelt das Kerngeschäft. Das ist riskant. Charttechnisch spricht derzeit einiges für weitere Kursverluste. Die 4-Euro-Marke wackelt, darunter wird es ungemütlich. Erst bei 3 Euro oder knapp darunter könnte sich eine echte Kaufgelegenheit ergeben. Bis dahin könnten mutige Anleger die Füße stillhalten. Wer bereits investiert ist, braucht starke Nerven und einen langen Atem. Neueinsteiger warten möglicherweise besser ab, bis sich die charttechnische Lage klärt. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, wie stark die gestiegenen Kosten die Margen tatsächlich belasten. Bis dahin bleibt die Aktie volatil und anfällig für weitere Rückschläge. Für konservative Anleger ist Xiaomi aktuell eher keine Option. Spekulativ orientierte Trader können sich die Aktie auf die Watchlist setzen und auf eine Bodenbildung im Bereich von 3 Euro warten. Dann könnte sich eine interessante Chance bieten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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