(neu: Kommentar der UBS und aktueller Kurs)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Am Vortag aufgeflammte Übernahmefantasien haben der Aktie von Qiagen am Mittwoch weiteren Auftrieb beschert. Das Papier des Labor- und Diagnostikspezialisten, das am Dienstag nach einem entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg um etwas mehr als 12 Prozent nach oben gesprungen war, legte gegen Mittwochmittag um weitere 2,8 Prozent auf 45,35 Euro zu.
Mit zeitweise 47,30 Euro stoppte es nur minimal unter seinem vor einem Jahr erreichten Hoch von 47,36 Euro. Mit einem Plus von knapp 17 Prozent seit Jahresbeginn ist Qiagen nach Rheinmetall der bislang 2026 am stärksten gestiegene Dax -Wert.
Wie Bloomberg schrieb, erwägt Qiagen "strategische Optionen", darunter auch einen Verkauf. Der Aufsichtsrat prüfe daher bereits ein vorläufiges Interesse potenzieller Käufer, darunter auch strategische Investoren aus den USA. Die Erwägungen seien aber noch in einem frühen Stadium und es gebe keine Sicherheit, dass eine Transaktion zustande kommen werde.
Auch wenn sich das Management zu den Spekulationen noch nicht geäußert habe, sei der Zeitpunkt nicht nur angesichts Abschieds des Konzernchefs Thierry Bernard "günstig wie nie", schrieb Analyst Tycho Peterson von Jefferies. Qiagen hatte im November angekündigt, dass Bernard das Unternehmen verlassen werde, sobald ein Nachfolger gefunden sei.
Peterson hält ein Interesse an Qiagen von mehreren Anbietern für möglich, da es dies bereits in der Vergangenheit mehrfach gegeben habe und das Produktportfolio seit dem Ende der Corona-Pandemie mittlerweile "hochgradig differenziert" sei. Auch UBS-Analyst Dan Leonard schrieb, dass Medienberichte rund um ein Übernahmeinteresse an Qiagen das Investmentumfeld seit November 2019 prägten. Damals war der US-Konzern Thermo Fisher Scientific an Qiagen interessiert gewesen und hatte 2020 dann eine Offerte abgegeben. Mangels Unterstützung durch die Aktionäre war das Vorhaben dann jedoch geplatzt.
Günstig dürfte die Gelegenheit nach den Worten des Jefferies-Experten aber auch sein, da die Börsenbewertung von Qiagen trotz einer "überzeugenden geschäftlichen Wachstumsbasis" derjenigen der Wettbewerber hinterherhinke. Er hält einen Übernahmepreis von rund 60 US-Dollar pro Aktie für gerechtfertigt, was umgerechnet in Euro rund 51 Euro wären.
Der UBS-Analyst bleibt unterdessen vorsichtig: Es sei schwierig, die Wahrscheinlichkeit einzuschätzen, ob sich der Bloomberg-Bericht konkretisieren werde. Unter anderem verwies er dafür auf die Diskrepanz zwischen den Wachstumszielen von Qiagen und der tatsächlichen Geschäftsentwicklung./ck/tav/mis



