DJ EZB-Rat diskutierte über Inflationsrisiken - Protokoll
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat bei seinen Beratungen am 17. und 18. Dezember für unveränderte Leitzinsen gestimmt, aber ausführlich über die Risiken für den Inflationsausblick diskutiert. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Sitzungsprotokoll hervorgeht, betrachteten die meisten Mitglieder die Risiken für den Inflationsausblick als beidseitig, wobei "einige" überwiegend Abwärtsrisiken sahen, aber nur "wenige" Aufwärtsrisiken. Zugeich wurde eingeräumt, dass sich die Risikoverteilung insgesamt seit der vorherigen Sitzung nach oben verschoben habe.
Der Rat hatte am 18. Dezember einstimmig beschlossen, den Leitzins bei 2,00 Prozent zu belassen und angedeutet, dass sich gegenwärtig keine Zinsänderung abzeichnet. Gleichwohl betonte das Gremium, weiterhin von Sitzung zu Sitzung und auf Basis der aktuellsten Daten zu entscheiden.
Seither hat sich die geopolitische Unsicherheit allerdings weiter erhöht, vor allem im Zusammenhang mit der Forderung von US-Präsident Donald Trump, Grönland den USA zu überlassen. Lagarde hatte kürzlich gesagt, dass die Unsicherheit wieder da sei. Der vorherige Rückgang dieser Unsicherheit im Zuge der Zollvereinbarung mit den USA hatte zu höheren EZB-Wachstumsprognosen und der Bereitschaft geführt, die Zinsen nicht weiter zu senken.
Die "Falken" im EZB-Rat warnten laut dem Protokoll, dass unveränderte Zinsen nur so lange gerechtfertigt wären, wie Inflation und Kerninflation tatsächlich wie in den Stabsprojektionen vorgesehen zurückgingen. Sinke die Kerninflation nicht ausreichend, dann könne das bedeuten, dass die Geldpolitik zu akkommodierend sei. Tatsächlich würde ein steigender natürlicher Zins die Geldpolitik im Zeitverlauf akkommodierender machen.
Die "Tauben" dagegen verwiesen unter anderem darauf, dass der Inflationsausblick ein anhaltendes Unterschreiten des Inflationsziels von 2 Prozent über zwei bis drei Jahre beinhalte. Dies sei ein Grund zur Sorge, da es die Inflationserwartungen unter 2 Prozent drücken könnte. Die Konjunkturerholung bleibe fragil und hänge zunehmend an den Investitionen, die ihrerseits sehr empfindlich auf Wachstumserwartungen und Finanzierungsbedingungen reagierten.
Die nächste EZB-Zinsentscheidung steht am 5. Februar an.
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