DJ MARKT-AUSBLICK/Für Deutschland und DAX wurde zu schwarz gemalt
DOW JONES--Eine interessante Handelswoche steht vor DAX und Co. Nach dem rund einwöchigen Chaos rund um die Forderungen von US-Präsident Donald Trump zu Grönland müssen sich die Börsen komplett umorientieren: Anstelle großer geopolitischer Sorgen stehen plötzlich wieder die Brot-und-Butter-Aufgaben der Börsen auf dem Programm - die Einordnung von wichtigen Konjunkturdaten und der immer stärker anlaufenden Berichtssaison. Mit Microsoft, Apple und IBM stehen schon große Namen auf der Agenda, ebenso in Europa mit ASML und im DAX mit SAP und Deutscher Bank. Im Fokus stehen besonders alle US-Namen, die mit dem Thema KI verbunden sind. Die Strategen der Bank of New York sehen das vierte Quartal als kritischen Test, ob die hohen Bewertungen zu rechtfertigen sind.
Ausblicke bei US-Notenbanksitzung im Fokus - Entspannung dank Gericht
Dazu wird mit Spannung auf die Sitzung der US-Notenbank am Mittwochabend gewartet. Eine Senkung der Leitzinsen wird zwar laut US-Börse CME von 95 Prozent der Marktteilnehmer nicht erwartet. Jedoch dürfte jede Andeutung von US-Notenbankchef Jerome Powell in der Pressekonferenz Folgen für die Markterwartungen haben. Marktteilnehmer erhoffen sich kleine Spitzen in Richtung der ständigen Angriffe durch die Trump-Administration.
Unterstützung hatte die Fed jüngst vom Obersten Gerichtshof in den USA erhalten. In der dortigen Anhörung zur von Trump gewünschten Entlassung von Notenbankerin Lisa Cook hatten sich die Richter ungewöhnlich deutlich geäußert. Die Unabhängigkeit der Fed wurde von ihnen als hohes Gut herausgestellt. "Damit dürfte ein gravierendes, systemisches Problem wegfallen, nämlich dass die US-Notenbank auf die Zinswünsche der US-Regierung reagieren muss", sagt ein Marktstratege. Dies hätte das Vertrauen in den US-Dollar als Reservewährung beschädigt und die US-Zinsen noch weiter nach oben getrieben.
Wurde deutsche Konjunktur zu schwarz gemalt?
Und auch das Konjunkturthema mit seinen Indikatoren ist mit voller Macht zurück. Denn die überraschend stärker als gedacht ausgefallenen Einkaufsmanager-Indizes (PMI) für Deutschland haben bei Anlegern die Hoffnung geweckt, man habe es mit dem negativen Sentiment nach unten übertrieben. Chef-Volkswirt Thomas Gitzel von der VP-Bank unterstreicht mit Blick auf die PMI, dass sie sich sogar trotz der geopolitischen Turbulenzen behauptet hätten: "Die erste Runde an Konjunktur-Frühindikatoren ist zu Jahresbeginn mit besonderer Spannung verbunden. Es geht um die Frage, in welcher Verfassung das Unternehmerlager in das neue Jahr hineinblickt". In Anbetracht von Grönland-Debatte und US-Zolldrohungen war der Jahresauftakt gespickt mit negativen Schlagzeilen: "Dass der Einkaufsmanager-Index in Anbetracht der geopolitischen Querelen nicht fällt, kann bereits als Erfolg gewertet werden".
Ifo-Index und DAX-Chart im Blick
Wichtig für den DAX wird daher besonders der Ifo-Geschäftsklima-Index am Montag. Sollte auch er nicht so schlecht wie erwartet berichtet werden, könnten erste Wetten auf eine deutsche Konjunkturerholung aufkommen. Andere Indikatoren wie Sentix und ZEW hatten bereits nach oben überrascht.
Dazu steht im Wochenverlauf noch der erste Blick auf das deutsche BIP zum vierten Quartal und die jüngsten Inflationsdaten an. Sollten die Verbraucherpreise (CPI) auch im Januar keinen Preisdruck zeigen, dürfte zusätzlich die Hoffnung auf Zinserleichterungen durch die EZB die Börse treiben.
Mit Blick auf die Charts ist das Timing der Markterholung ebenfalls positiv: So habe die Unterstützung im Euro-Stoxx-50 sicher gehalten, stellt Chart-Experte Marcel Mussler fest. Der DAX sehe zwar noch etwas schwächer aus, befinde sich aber in seiner Handelsspanne zwischen 24.474 und nach oben bei 25.507 Punkten. Auch hier zeige die Stoßrichtung nun wieder gen Norden.
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