BERLIN (dpa-AFX) - Grünen-Chef Felix Banaszak will angesichts der Krise der Sozialversicherungssysteme notfalls auch das Renteneintrittsalter anheben. Zunächst sollten mit mehr Steuergerechtigkeit die Zuschüsse aus dem Haushalt erhöht werden und auch Abgeordnete, Beamte und Freiberufler Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten, sagte der Oppositionspolitiker dem "Spiegel".
Wenn das aber nicht ausreiche, sollte "ohne Tabu" diskutiert werden: "Die reale Lebensarbeitszeit muss steigen." Dazu gehöre dann mehr Reha und Gesundheitsschutz, "aber auch eine Einschränkung von Frühverrentungen", meinte Banaszak. "Die Lebenserwartung wird absehbar weiter steigen. Ist es dann nicht denkbar, einen Teil der gewonnenen Lebenszeit im Erwerbsleben zu verbringen? Darüber sollten wir nachdenken."
Darüber hinaus plädiere er für eine Umverteilung: "Bevor das Rentenniveau für alle absinkt, könnten wir das Niveau für kleine und mittlere Renten stabilisieren, vielleicht sogar erhöhen - und hohe Renten langsamer steigen lassen."
Vorschläge erstmal "nur eine Skizze"
Die Grünen würden im Sommer einen Beschluss zu diesen Herausforderungen vorlegen, sagte der Parteichef. Seine Überlegungen seien daher zum jetzigen Zeitpunkt "nur eine Skizze".
Die Bundesregierung hat vor Kurzem eine Rentenkommission eingesetzt, die nach Verabschiedung des umstrittenen Rentenpakets der Bundesregierung bis Mitte 2026 Vorschläge für eine grundlegende Reform der Altersvorsorge vorlegen soll. Dabei geht es darum, wie die Altersvorsorge gesichert und eine Überlastung von Beitrags- und Steuerzahlern vermieden werden kann - auch nach dem immer zahlreicheren Renteneintritt der Babyboomer./hrz/mi/DP/mis
