WASHINGTON (dpa-AFX) - Nach ihrer Festnahme im Zusammenhang mit einem Protest in einer Kirche im US-Bundesstaat Minnesota sind die Bürgerrechtsaktivistinnen Nekima Levy Armstrong und Chauntyll Louisa Allen US-Medienberichten zufolge wieder freigelassen worden. Die US-Sender CNN und CBS-News berichteten, Richter hätten ihre Entlassung aus dem Gewahrsam angeordnet und Versuche der Bundesanwaltschaft zurückgewiesen, die Freilassung hinauszuzögern.
Bezug zum tödlichen ICE-Einsatz in Minneapolis
Hintergrund ist ein Vorfall am vergangenen Sonntag in der Cities Church, bei dem US-Medien zufolge Demonstrierende einen Gottesdienst unterbrachen und Parolen wie "ICE raus"und "Gerechtigkeit für Renee Good" skandierten.
Anfang Januar war die 37-jährige US-Bürgerin Renee Good bei einem Einsatz in Minneapolis von einem ICE-Beamten erschossen worden. Die Regierung bezeichnete das Vorgehen als Notwehr. Demokraten und Demonstranten sprachen von übermäßiger Gewalt und mangelnder Transparenz bei der Aufarbeitung.
Der Kirchenprotest richtete sich gegen die Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE in den Zwillingsstädten Minneapolis und St. Paul sowie gegen einen Pastor der Kirche, von dem sie sagten, dass er zugleich leitender Beamter von ICE in St. Paul sei. Die ICE-Einsätze sind Teil der verschärften Abschiebepolitik in der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump.
Bürgerrechtsorganisation widerspricht Behörden
US-Bundesbehörden hatten bei dem Kirchenprotest von einem "koordinierten Angriff" auf einen Ort religiöser Andacht gesprochen. Armstrong und Allen wurden eine Verschwörung zur Verletzung von Bürgerrechten nach Bundesrecht vorgeworfen, indem sie andere bei der Ausübung ihres Rechts auf Religionsfreiheit eingeschüchtert oder behindert haben.
Die Bürgerrechtsorganisation NAACP, deren frühere Präsidentin Armstrong war, erklärte, Videoaufnahmen der Festnahme widersprächen der Darstellung der Bundesbehörden. Armstrong selbst erklärte in einem schriftlichen Statement, zitiert von den US-Sendern CNN und CBS News, sie habe sich bei ihrer Festnahme friedlich und kooperativ verhalten.
Debatte um manipuliertes Foto
Zusätzliche Empörung löste in den USA ein Bild aus, das im Zusammenhang mit Armstrongs Festnahme über offizielle Kanäle verbreitet wurde. Mehrere Medien berichteten, das Weiße Haus habe eine digital veränderte Version eines Fotos geteilt: Armstrong wirke darauf, als würde sie weinen, zudem erscheine ihre Haut dunkler als in der Originalaufnahme. Faktenchecks und Bildforensiker bestätigten nach Angaben der Berichte, dass die Aufnahme bearbeitet wurde. Aus dem Umfeld des Weißen Hauses hieß es dazu sinngemäß, die Durchsetzung des Gesetzes werde fortgesetzt - und "die Memes" ebenfalls./hae/DP/zb
