Berlin/Freiburg (ots) -
Es wird zukünftig kaum noch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse geben. 80 Prozent der Jobs werden wegfallen. Und der ausgeübte Beruf wird nicht mehr die Identität bestimmen. Das sind nur drei Annahmen, zu denen die Ethik Society in ihrem aktuellen Positionspapier kommt, das sie jetzt veröffentlicht hat. Im Papier "Die Zukunft der Arbeit KI-Zeitalter" stimmt die Ethik Society in insgesamt acht Punkten auf eine völlig veränderte Gesellschaft ein, und sie wirft der Politik vor, die wirklich wichtigen Debatten nicht zu führen. "Wir werden eine Disruption erleben wie nie zuvor", mahnen die Autoren Jürgen Linsenmaier, Reiner Huthmacher und Gerald Wood.
Die Politik verharmlost
"Die Politik sagt nicht die Wahrheit, verharmlost und ignoriert die Entwicklung", kritisiert der KI-Experte und Autor des Buches "NextGenWork" die Bundesregierung. 80 Prozent der derzeit bekannten Jobs werden überflüssig werden - nicht in zwanzig Jahren, sondern bis Ende des Jahrzehnts, mahnt er. "Und ja, es werden auch neue Jobs entstehen, aber es werden komplett andere Jobs sein, von denen wir heute noch nicht einmal die Berufsbezeichnung kennen", ist er überzeugt. Es werde, so Wood, eine Disruption biblischen Ausmaßes, an deren Ende die allermeisten Jobs solche sein werden, die entweder direkt von KI oder Robotern erledigt würden oder in denen der Mensch faktisch mit technischen Systemen verschmolzen sein wird. Es sei, so der Unternehmer und KI-Entwickler, das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen. Wer sich jetzt nicht in Sachen KI fortbilde und sich fit mache, sowohl als Unternehmen als auch als Beschäftigter, werde vom Markt verschwinden. Es sei fünf nach zwölf, so der Deutsch-Amerikaner, der auch Vergleiche mit den USA zieht.
Die Festanstellung hat ausgedient
Und noch eine These hat er parat: "Die Festanstellung hat ausgedient. Wer demnächst noch Arbeit hat, wird diese befristet in Projekten, von denen er in der Regel mehrere gleichzeitig hat, erledigen." Die sogenannte Gig-Economy werde zur Regel. Letztlich werden alle auf die eine oder andere Art selbstständig werden und von überall aus arbeiten können. "Dann sind die Sozialversicherungen und unser Steuersystem am Ende." Das Papier der Ethik Society empfiehlt deswegen, zukünftig nicht mehr Arbeit zu besteuern, sondern Produktivität, etwa in Form einer Maschinensteuer. Mit Blick auf die Sozialsysteme empfehlen die Autoren, sich an den privaten Systemen zu orientieren. "Wenn fast alle wie Selbständige arbeiten, dann haben kollektive Umlagesysteme keine Zukunft", so die Autoren.
Technologiedividende für Beschäftigte
Reiner Huthmacher, ebenfalls einer der Autoren sowie Arbeitsmarkt- und Personalexperte, wirbt für mehr Mitarbeiterbeteiligung. "Wir erwarten von den Mitarbeitern, dass sie an der aktuellen Transformation motiviert mitwirken. Dann ist es nur fair, sie auch angemessen zu beteiligen." Hierfür entwickelt das Ethik-Society-Papier mehrere Szenarien und Lösungen. Mitarbeiter sollten in jedem Falle eine Art "Technologie-Dividende" erhalten. Zudem müssten sich auch Arbeitgeber fortbilden, um sich der neuen Rolle in weitgehend digitalen und autonom agierenden Unternehmen anzupassen. "Die Führungskraft der Zukunft wird nicht nur Menschen führen, sondern auch KI-Modelle. Das ist etwas völlig anderes als heute", so Reiner Huthmacher.
Höhere Sachbezugsfreigrenzen
Huthmacher fordert zudem von der Politik, die monatlichen Sachbezugsfreigrenzen von derzeit 50,- Euro auf mindestens 500,- Euro anzuheben. "Gerade in diesen Umbruchzeiten muss sich Arbeit lohnen, und Unternehmen, die ihren Beschäftigten etwas bieten wollen, sollten dies unkompliziert und individuell tun können", so sein Appell. So paradox dies klinge: Es komme gerade jetzt auf die Mitarbeiter an. Diese müssten den Wandel gestalten und in Unternehmen gehalten werden - auch, um dann in einer digitalen Welt ihren Platz zu finden. Huthmacher ist sich sicher: In den kommenden Jahren werden wir Fachkräftemangel und Massenarbeitslosigkeit parallel erleben. Das sei kein Widerspruch, sondern logische Folge der technischen Entwicklung.
KI nachhaltig gestalten
Jürgen Linsenmaier, Gründer der Ethik Society und Herausgeber des Acht-Punkte-Papiers mahnt zu einem nachhaltigen Umgang mit KI. "Die Regulierung darf keinesfalls die Entwicklung behindern, aber es müssen auch ethische Fragen sowie Aspekte des Umweltschutzes berücksichtigt werden", so seine Mahnung. Beispielhaft nennt er den hohen Energieverbrauch, den Bau neuer Rechenzentren und Green Coding.
Wer werden wir sein?
Und auch der Frage, was das neue KI-Zeitalter mit den Menschen an sich macht, widmet sich das Papier. "Bislang definieren wir uns weitgehend über unseren Beruf und unsere beruflichen Erfahrungen. Was aber, wenn das wegfällt, weil fast jeder alles mithilfe von KI selbst erledigen kann? Wir werden neue Formen des Miteinanders finden müssen. Es wird eine neue Menschlichkeit entstehen", so Jürgen Linsenmaier abschließend mit einer positiven Botschaft.
Das gesamte Acht-Punkte-Papier "Die Zukunft der Arbeit im KI-Zeitalter" gibt es unter https://wirtschaft-und-ethik.com/positionspapier-zukunft-der-arbeit/. Hier gibt es auch weitere Statements und Informationen zu den einzelnen Thesen.
Pressekontakt:
Jürgen Linsenmaier
Stürtzelstraße 20
79106 Freiburg
Mobil +49 170 4867016
Mail: mail@juergen-linsenmaier.de
Web: www.juergen-linsenmaier.de
Bei technischen oder redaktionellen Rückfragen wenden Sie sich bitte an unseren Medienbeauftragten Falk S. Al-Omary, Tel.: +491712023223, post@al-omary.de.
Original-Content von: Jürgen Linsenmaier, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/131823/6204948
Es wird zukünftig kaum noch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse geben. 80 Prozent der Jobs werden wegfallen. Und der ausgeübte Beruf wird nicht mehr die Identität bestimmen. Das sind nur drei Annahmen, zu denen die Ethik Society in ihrem aktuellen Positionspapier kommt, das sie jetzt veröffentlicht hat. Im Papier "Die Zukunft der Arbeit KI-Zeitalter" stimmt die Ethik Society in insgesamt acht Punkten auf eine völlig veränderte Gesellschaft ein, und sie wirft der Politik vor, die wirklich wichtigen Debatten nicht zu führen. "Wir werden eine Disruption erleben wie nie zuvor", mahnen die Autoren Jürgen Linsenmaier, Reiner Huthmacher und Gerald Wood.
Die Politik verharmlost
"Die Politik sagt nicht die Wahrheit, verharmlost und ignoriert die Entwicklung", kritisiert der KI-Experte und Autor des Buches "NextGenWork" die Bundesregierung. 80 Prozent der derzeit bekannten Jobs werden überflüssig werden - nicht in zwanzig Jahren, sondern bis Ende des Jahrzehnts, mahnt er. "Und ja, es werden auch neue Jobs entstehen, aber es werden komplett andere Jobs sein, von denen wir heute noch nicht einmal die Berufsbezeichnung kennen", ist er überzeugt. Es werde, so Wood, eine Disruption biblischen Ausmaßes, an deren Ende die allermeisten Jobs solche sein werden, die entweder direkt von KI oder Robotern erledigt würden oder in denen der Mensch faktisch mit technischen Systemen verschmolzen sein wird. Es sei, so der Unternehmer und KI-Entwickler, das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen. Wer sich jetzt nicht in Sachen KI fortbilde und sich fit mache, sowohl als Unternehmen als auch als Beschäftigter, werde vom Markt verschwinden. Es sei fünf nach zwölf, so der Deutsch-Amerikaner, der auch Vergleiche mit den USA zieht.
Die Festanstellung hat ausgedient
Und noch eine These hat er parat: "Die Festanstellung hat ausgedient. Wer demnächst noch Arbeit hat, wird diese befristet in Projekten, von denen er in der Regel mehrere gleichzeitig hat, erledigen." Die sogenannte Gig-Economy werde zur Regel. Letztlich werden alle auf die eine oder andere Art selbstständig werden und von überall aus arbeiten können. "Dann sind die Sozialversicherungen und unser Steuersystem am Ende." Das Papier der Ethik Society empfiehlt deswegen, zukünftig nicht mehr Arbeit zu besteuern, sondern Produktivität, etwa in Form einer Maschinensteuer. Mit Blick auf die Sozialsysteme empfehlen die Autoren, sich an den privaten Systemen zu orientieren. "Wenn fast alle wie Selbständige arbeiten, dann haben kollektive Umlagesysteme keine Zukunft", so die Autoren.
Technologiedividende für Beschäftigte
Reiner Huthmacher, ebenfalls einer der Autoren sowie Arbeitsmarkt- und Personalexperte, wirbt für mehr Mitarbeiterbeteiligung. "Wir erwarten von den Mitarbeitern, dass sie an der aktuellen Transformation motiviert mitwirken. Dann ist es nur fair, sie auch angemessen zu beteiligen." Hierfür entwickelt das Ethik-Society-Papier mehrere Szenarien und Lösungen. Mitarbeiter sollten in jedem Falle eine Art "Technologie-Dividende" erhalten. Zudem müssten sich auch Arbeitgeber fortbilden, um sich der neuen Rolle in weitgehend digitalen und autonom agierenden Unternehmen anzupassen. "Die Führungskraft der Zukunft wird nicht nur Menschen führen, sondern auch KI-Modelle. Das ist etwas völlig anderes als heute", so Reiner Huthmacher.
Höhere Sachbezugsfreigrenzen
Huthmacher fordert zudem von der Politik, die monatlichen Sachbezugsfreigrenzen von derzeit 50,- Euro auf mindestens 500,- Euro anzuheben. "Gerade in diesen Umbruchzeiten muss sich Arbeit lohnen, und Unternehmen, die ihren Beschäftigten etwas bieten wollen, sollten dies unkompliziert und individuell tun können", so sein Appell. So paradox dies klinge: Es komme gerade jetzt auf die Mitarbeiter an. Diese müssten den Wandel gestalten und in Unternehmen gehalten werden - auch, um dann in einer digitalen Welt ihren Platz zu finden. Huthmacher ist sich sicher: In den kommenden Jahren werden wir Fachkräftemangel und Massenarbeitslosigkeit parallel erleben. Das sei kein Widerspruch, sondern logische Folge der technischen Entwicklung.
KI nachhaltig gestalten
Jürgen Linsenmaier, Gründer der Ethik Society und Herausgeber des Acht-Punkte-Papiers mahnt zu einem nachhaltigen Umgang mit KI. "Die Regulierung darf keinesfalls die Entwicklung behindern, aber es müssen auch ethische Fragen sowie Aspekte des Umweltschutzes berücksichtigt werden", so seine Mahnung. Beispielhaft nennt er den hohen Energieverbrauch, den Bau neuer Rechenzentren und Green Coding.
Wer werden wir sein?
Und auch der Frage, was das neue KI-Zeitalter mit den Menschen an sich macht, widmet sich das Papier. "Bislang definieren wir uns weitgehend über unseren Beruf und unsere beruflichen Erfahrungen. Was aber, wenn das wegfällt, weil fast jeder alles mithilfe von KI selbst erledigen kann? Wir werden neue Formen des Miteinanders finden müssen. Es wird eine neue Menschlichkeit entstehen", so Jürgen Linsenmaier abschließend mit einer positiven Botschaft.
Das gesamte Acht-Punkte-Papier "Die Zukunft der Arbeit im KI-Zeitalter" gibt es unter https://wirtschaft-und-ethik.com/positionspapier-zukunft-der-arbeit/. Hier gibt es auch weitere Statements und Informationen zu den einzelnen Thesen.
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