DJ MARKT-AUSBLICK/Börsenerholung nur mit Ende des Dollar-Verfalls
DOW JONES--Eine schwierige Handelswoche liegt zum Start in den Februar vor DAX & Co. Denn die normalen Parameter, wie der Blick auf Konjunktur- und Gewinnerwartungen, greifen diesmal nicht. Sie sind letztlich nur mittelgroße Stellschrauben innerhalb eines noch größeren Finanzsystems. Genau an dessen Grundfesten rütteln aber die aktuelle Schwäche des Dollar und der Blick auf die künftige Politik der US-Notenbank. Die Rally des Goldpreises bis an die Marke von 5.600 Dollar ist schließlich nichts anderes als ein Einbruch der Papierwährung Dollar gegen ein Edelmetall.
Wenn an dem Rahmen des Finanzsystems gerüttelt wird, wissen Anleger nicht mehr, auf welchen Grundlagen sie ihre Berechnungen aufbauen sollen. Ein schwacher Dollar dürfte die US-Renditen weiter nach oben treiben, was schlecht für die Aktienbewertungen ist. Vor allem Technologie-Werte werden bei steigenden Zinsen immer unattraktiver.
Dollar-Schwäche schlägt auf Aktien durch - Powell-Nachfolger könnte beruhigen
Makro-Stratege Bob Savage von Bank of New York Mellon fürchtet sogar noch weitreichendere Probleme selbst für reine Aktienanleger. Denn die Dollar-Schwäche sorge dafür, dass international diversifizierte Aktien wichtiger würden. Damit ändere sich aber die gesamte bisherige Gewinndynamik im S&P-500-Index. Die Kursbewegungen im Dollar übertrügen sich damit direkt in die Aktien- und Sektor-Allokation.
Marktteilnehmer hoffen auf eine Beruhigung im Dollar-Absturz, sobald der Nachfolger von Jerome Powell als Notenbank-Präsident benannt wurde und seine Antrittsrede gehalten hat. Denn nichts ist wichtiger für die Märkte als der "Mindset" des Nachfolgers. Sollte er sich als "Trump-Marionette" mit Hang zur schwachen Währung entpuppen, dürfte es weiter abwärts gehen. Sollte er umgekehrt ein klares Bekenntnis zu einer unabhängigen Fed abgeben, könnte sich der Dollar schnell wieder erholen. Vor allem beim Gold könnte die jüngste Kaufpanik ausgepreist werden und in das Metall Richtung 4.000 Dollar drücken. Im DAX dürfte es dann deutlich nach oben gehen.
Wie es mit dem Dollar gegen den Yen aussieht, ist für den Markt hingegen komplizierter. Am Sonntag zum Ende der Woche sind vorgezogene Neuwahlen in Japan. Wenn Premierministerin Sanae Takaichi auf eine überzeugende Unterstützung trifft, wird ihre Politik fortgesetzt und der Yen bleibt auf berechenbarem Kurs.
EZB dürfte für Konstanz sorgen
Ähnlich dürfte es in Europa bei der Europäischen Zentralbank (EZB) werden. Auch hier geht es um Berechenbarkeit und Verlässlichkeit. Der Zinssatz dürfte bei 2,0 Prozent unverändert bleiben. "Auch die geldpolitische Kommunikation dürfte unverändert bleiben, zumal in der derzeitigen politischen Unsicherheit die Datenabhängigkeit die wichtigste Richtschnur ist", betont Ulrike Kastens, Europa-Volkwirtin vom Vermögensverwalter DWS.
Die Dollar-Schwäche, bzw Euro-Stärke, dürfte bereits in den letzten EZB-Projektionen zu Inflation und Wachstum eingearbeit sein. "Das ökonomische Umfeld müsste sich daher schon deutlich verändern, bevor die EZB ihre Einschätzung 'we are in a good place' aufgibt", so Kastens.
Dazu müssen sich die Märkte kommende Woche noch mit gewichtigen Konjunkturdaten herumschlagen, wie dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht. Dazu kommen noch die weltweiten Revisionen der Einkaufsmanager-Indizes (PMI) und die wichtigen ISM-Indizes in den USA. In Europa wird vor allem auf die Preisdaten bei Verbrauchern und Produzenten geblickt.
Auch die Flut an Unternehmensdaten geht in der kommenden Woche ungebremst weiter. in Europa vor allem mit dem Banken-Sektor und UBS, Santander, Societe Generale, BNP und vielen anderen. Im DAX blickt man auf Infineon und T-Mobile US für die Deutsche Telekom.
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