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02.02.26 | 07:53
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Hohe Silberpreise setzen Solarindustrie unter Druck - Iondrive sucht den Ausweg im Recycling

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Ein australisches Technologieunternehmen will mit einem neuen Verfahren zur Rückgewinnung von Silber aus Altmodulen einen Engpass der Energiewende entschärfen.

Silber wird zum Engpass der Energiewende

Die globale Solarindustrie wächst schneller als je zuvor. Doch hinter den ehrgeizigen Ausbauzielen verbirgt sich ein strukturelles Problem: Der Bedarf an kritischen Rohstoffen steigt rasant, während Angebot und Förderung nicht Schritt halten. Besonders Silber hat sich zu einem strategischen Flaschenhals entwickelt. Wie das Handelsblatt jüngst analysierte, zwingt der stark gestiegene Silberpreis Hersteller weltweit zum Umdenken.

Silber ist aus der Photovoltaik nicht wegzudenken. Es besitzt die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle und ist zentral für die Effizienz moderner Solarzellen. Neue Zelltechnologien wie TOPCon oder Heterojunction benötigen teils sogar mehr Silber pro Watt als frühere Generationen. Damit verschärft sich der Kostendruck entlang der gesamten Lieferkette - ausgerechnet in einer Phase, in der Solarstrom günstiger und skalierbarer werden soll.

Wenn Minen nicht mehr reichen

Die entscheidende Frage lautet daher: Woher soll das Silber für die nächste Ausbaustufe der Energiewende kommen? Die klassische Minenförderung stagniert. Neue Projekte sind kapitalintensiv, genehmigungsaufwendig und oft mit ESG-Risiken behaftet. Gleichzeitig wächst der Bestand installierter Solarmodule rapide - und mit ihm eine bislang kaum genutzte Ressource.

Denn die ersten großen Solarparks erreichen nun das Ende ihrer Lebensdauer. Millionen Tonnen Altmodule fallen in den kommenden Jahren an. Bisher konzentrierte sich das Recycling vor allem auf Glas und Aluminium. Die wirtschaftlich relevanten Metalle blieben weitgehend ungenutzt. Genau hier setzt Iondrive Limited an.

Die "urbane Mine" im Solarpanel

Das australische Unternehmen Iondrive Limited (WKN: A3E1X8; ISIN: AU0000305542) entwickelt eine Technologie, die Altmodule nicht als Abfall, sondern als Rohstoffquelle begreift. Im Zentrum steht ein proprietäres Verfahren auf Basis sogenannter Deep Eutectic Solvents (DES). Diese Lösungsmittel ermöglichen es, Metalle selektiv und schonend aus komplexen Materialverbünden zu extrahieren.

Der Fokus liegt auf Silber und Silizium - den ökonomischen Kernkomponenten eines Solarpanels. Obwohl Silber nur einen sehr kleinen Anteil am Gesamtgewicht ausmacht, steht es laut Marktdaten für nahezu die Hälfte des verwertbaren Materialwerts. Iondrive spricht daher von einer "Mine über der Erde".

Technologie mit Umwelt- und Kostenvorteilen

Im Vergleich zu herkömmlichen Recyclingverfahren verspricht die DES-Technologie mehrere Vorteile. Sie kommt ohne aggressive Säuren aus und benötigt keine extrem hohen Temperaturen. Das reduziert Emissionen und Energieverbrauch. Gleichzeitig ermöglicht die hohe Selektivität eine Rückgewinnung von Silber in hoher Reinheit - ein entscheidender Faktor für die Wiederverwendung in der Industrie.

Aus wirtschaftlicher Sicht schafft genau diese Qualität einen Anreiz, Recyclingprozesse großflächig auszurollen. Während bisherige Verfahren oft nur geringe Margen erlaubten, rückt Silber als Werttreiber in den Mittelpunkt. Für Hersteller und Recycler entsteht damit ein neues Geschäftsmodell, das ökologische und ökonomische Interessen verbindet.

Vom Labor in den industriellen Maßstab

Wie Iondrive über das Anlegerportal Listcorp mitteilte, befindet sich das Solar-Recycling-Programm in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase. Gemeinsam mit der University of Adelaide arbeitet das Unternehmen an der Skalierung des Verfahrens. Der nächste Meilenstein ist der Bau einer Pilotanlage, der für das erste Quartal 2026 vorgesehen ist.

Diese Anlage soll den Übergang vom Labor- zum industriellen Maßstab markieren. Ziel ist es, Prozessstabilität, Durchsatz und Wirtschaftlichkeit unter realen Bedingungen zu testen. Erst dann wird sich zeigen, ob die Technologie das Potenzial hat, in großem Umfang eingesetzt zu werden.

Europa als Schlüsselmarkt

Bemerkenswert ist der geplante nächste Schritt: Nach der Testphase in Australien soll die Pilotanlage nach Deutschland verlagert werden. Europa gilt als der weltweit reifste Markt für Photovoltaik-Recycling. Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind klarer, und der Rücklauf ausgedienter Module nimmt deutlich zu.

Für Iondrive bedeutet das eine Positionierung nahe am entstehenden Markt. Allein in Australien wird das Volumen des PV-Recyclings bis 2035 auf über eine Milliarde australische Dollar geschätzt. In Europa dürften die Zahlen noch deutlich höher liegen. Die Kombination aus Rohstoffknappheit, steigenden Preisen und strengeren Recyclingvorgaben schafft ein günstiges Umfeld für neue Lösungen.

Ein Baustein für resiliente Lieferketten

Die Entwicklung von Iondrive lässt sich als Teil eines größeren Trends lesen. Die Energiewende verlangt nicht nur nach neuen Kapazitäten, sondern auch nach resilienten, nachhaltigen Lieferketten. Urban Mining - also die Rückgewinnung von Rohstoffen aus bestehenden Infrastrukturen - rückt dabei stärker in den Fokus.

Steigende Silberpreise wirken in diesem Kontext wie ein Katalysator. Sie machen sichtbar, wie abhängig selbst grüne Technologien von knappen Ressourcen sind. Lösungen wie die von Iondrive adressieren dieses Spannungsfeld, indem sie Wertschöpfung dorthin zurückholen, wo sie bislang übersehen wurde: in den Altanlagen der ersten Solar-Ära.

__________

Quellen:

https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/silber-teures-silber-zwingt-solarhersteller-zum-umdenken/100191158.html https://www.listcorp.com/asx/ion/iondrive-limited/news/iondrive-advances-solar-panel-recycling-3273636.html

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