
© Foto: fn Symbolbild
Die Rechnung schien einfach: Bitcoin kaufen, Aktien ausgeben, reich werden. Doch für Strategy-Chef Michael Saylor könnte die aggressive Krypto-Strategie zum Bumerang werden. Der Bitcoin-Kurs ist abgestürzt, die unrealisierten Gewinne des weltgrößten institutionellen Bitcoin-Halters sind praktisch verschwunden. Mit über 710.000 Bitcoin im Portfolio steht das Unternehmen gefährlich nah an seinen Einstandskosten von rund 76.000 Dollar pro Coin. Der aktuelle Bitcoin-Preis von etwa 75.500 Dollar bedeutet: Die Position ist unter Wasser. Zwar droht keine Insolvenz, denn die Bitcoin-Bestände sind nicht als Sicherheit hinterlegt. Doch das Geschäftsmodell gerät ins Stocken. Die Aktie hat seit ihrem Höchststand extrem verloren und notiert bei unter 150 Dollar - damit sogar unter dem rechnerischen Wert der Bitcoin-Bestände. Am 5. Februar legt Strategy die Quartalszahlen vor. Die Zahlen werden zeigen, wie stark die jüngsten Verluste durchschlagen. Die Spannung steigt.
Milliardenverluste auf dem Papier
Strategy sitzt auf einem Problem, das sich nicht kleinreden lässt. Bei einem durchschnittlichen Kaufpreis von ca. 76.000 Dollar pro Bitcoin und einem aktuellen Kurs von rund 75.500 Dollar droht dem Unternehmen ein unrealisierter Verlust von über 900 Millionen Dollar. Noch vor wenigen Wochen lagen die unrealisierten Gewinne bei mehreren Milliarden Dollar. Jetzt ist davon "kaum" etwas übrig. Besonders brisant: Die letzten Käufe sind besonders tief im Minus. Zwischen dem 20. und 26. Januar 2026 kaufte Strategy 2.932 Bitcoin für 264 Millionen Dollar. Der durchschnittliche Preis lag bei 90.061 Dollar pro Coin. Diese Position liegt mittlerweile deutlich unter Wasser. Allein im Januar hat das Unternehmen in vier Tranchen insgesamt etwa 40.147 Bitcoin gekauft. Die Gesamtausgaben seit Beginn der Bitcoin-Strategie belaufen sich auf 54,19 Milliarden Dollar. Das Problem dabei: Die Aktie handelt mittlerweile unter ihrem rechnerischen Bitcoin-Wert. Früher funktionierte das Geschäftsmodell wie geschmiert, weil Strategy Aktien mit Aufschlag ausgeben konnte. Bei einem Abschlag wird dieser Hebel negativ.
Charttechnik
Die charttechnische Situation könnte kaum übler aussehen. Die Aktie markierte vor wenigen Tagen bei ca. 143 Dollar ein neues 52-Wochen-Tief. Vom Allzeithoch bei 543 Dollar im November 2024 hat der Titel mittlerweile rund 70 Prozent verloren. Der Trendkanal, der die Aktie seit Dezember 2022 nach oben getragen hatte, ist längst verlassen. Die Aktie fiel sogar unter die untere Trendkanalbegrenzung. Der aktuelle Kurs von knapp 150 Dollar liegt nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Jede Schwankung beim Bitcoin schlägt zur Zeit direkt auf den Aktienkurs durch. Ein positives Signal fehlt bislang. Der schwache Technologiesektor verstärkt die Verluste zusätzlich. Dennoch könnte es auch überraschend zu einer Gegenbewegung kommen, oder aber zu einer Fortsetzung der Korrektur. Der RSI jedenfalls ist stark im überverkauften Bereich - mittlerweile bei einem Wert von 22 angelangt.

Was tun?
Die Analysten sind gespalten. Cantor Fitzgerald bleibt optimistisch mit einem Kursziel von 213 Dollar. Mizuho hält an "Outperform" fest, hat aber das Kursziel gesenkt. TD Cowen empfiehlt weiterhin "Buy". Das mittlere Kursziel der Analysten liegt bei 244 Dollar, was ein deutliches Upside bedeuten würde. Doch die Realität sieht anders aus. Die Quartalszahlen am 5. Februar werden zeigen, wie stark die Bitcoin-Kursschwankungen das Ergebnis belasten. Bereits im vierten Quartal 2025 verbuchte Strategy einen unrealisierten Verlust von über 17 Milliarden Dollar auf digitale Assets. Seit 2025 muss das Unternehmen seine Bitcoin-Bestände quartalsweise zum Marktwert bewerten. Die massiven Kursschwankungen schlagen direkt auf das Ergebnis durch. Das Kerngeschäft mit Analytics-Software läuft nebenbei weiter, spielt aber kaum noch eine Rolle. Im dritten Quartal waren es 128,69 Millionen Dollar Umsatz. Strategy kontrolliert mittlerweile etwa 3,4 Prozent des maximalen Bitcoin-Angebots von 21 Millionen Coins. Mehr als jede andere Firma weltweit. Ob das Unternehmen seine Strategie unter den veränderten Vorzeichen weiterführen kann, hängt vom Bitcoin-Preis ab. Anleger sollten vorsichtig sein. Die Aktie bleibt hochspekulativ und ist nur etwas für risikobereite Investoren.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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