(neu: Kurs)
VENLO/HILDEN (dpa-AFX) - Der im Fokus von Übernahmespekulationen stehende Dax-Konzern Qiagen hat 2025 von einer anziehenden Nachfrage nach seinen Kernprodukten profitiert. Im neuen Jahr 2026 will der Labordienstleister und Diagnostikanbieter in etwa so stark wachsen wie im vergangenen, auch der Gewinn soll weiter steigen. Finanzchef Roland Sackers sieht den Konzern insbesondere für die weitere Entwicklung aus eigener Kraft gut positioniert. Die Übernahmespekulationen wollte der Manager am Donnerstag derweil nicht kommentieren - dementierte sie aber auch nicht ausdrücklich. Die Aktie gab im Verlauf deutlich nach.
Am Nachmittag stand die Aktie rund 3,6 Prozent tiefer. Damit setzt sich die Talfahrt ausgehend vom vorangegangen Kurssprung fort. Mitte Januar war das Papier wegen der Verkaufsfantasien binnen weniger Handelstage um rund ein Fünftel angesprungen. Seitdem hat sie einen Teil verloren. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte unter Berufung auf Insider berichtet, Qiagen habe sich Berater an die Seite geholt und prüfe strategische Optionen, darunter auch seinen eigenen Verkauf.
Finanzchef Sackers wollte dies nicht kommentieren, vom Manager kam aber auch kein ausdrückliches Dementi der Gespräche. Die Branche befinde sich in einer Konsolidierungsphase, und es sei deshalb ein "gutes Zeichen", dass Qiagen "mit einem der attraktivsten Portfolios" Interesse wecke. Generell sei es die Aufgabe eines Unternehmens, sich in regelmäßigen Abständen umzuschauen. Der Konzern nehme aber seine Verantwortung gegenüber seinen Aktionären sehr ernst.
Qiagen setze den Fokus deshalb nach wie vor darauf, seine bis 2028 geltende Strategie umzusetzen und die mittelfristige Prognose "zu erreichen oder zu übertreffen", so Sackers. Dabei stellte der Manager angesichts der deutlichen Margenverbesserung im vergangenen Jahr auch eine Erhöhung des Profitabilitätsziels für 2028 noch in diesem Jahr in Aussicht. Es sei aber Aufgabe eines neuen Konzernchefs, sich die Zahlen zunächst genauer anzuschauen.
Der amtierende Qiagen-Lenker Thierry Bernard hatte im November mitgeteilt, dass er sein Amt aufgibt, sobald die Nachfolge geklärt ist. Aktuell hat der Aufsichtsrat aber noch niemanden offiziell für den Spitzenposten neu bestellt.
Qiagen bietet unter anderem Probentechnologien und diverse Diagnostiklösungen wie etwa den Tuberkulosetest Quantiferon und die Analysesysteme Qiastat-Dx und Qiacuity an. Nach einem starken Lauf in der Pandemie dank einer hohen Nachfrage nach Covid-Tests und einer anschließenden Nachfragedelle, geht es seit 2024 beim Konzern wieder aufwärts. Im Verlauf des vergangenen Jahres hatte das Management seine Prognosen mehrfach erhöht.
2025 erhielt das Unternehmen vor allem von seinen wichtigsten Wachstumsträgern Schwung. Der Erlös stieg um sechs Prozent auf knapp 2,09 Milliarden Dollar (ca 1,77 Mrd Euro). Im Schlussquartal schwächte sich die Wachstumsdynamik zwar ab, dennoch liefen die drei Monate besser als vom Konzern selbst und auch von Analysten erwartet. Unter dem Strich konnte Qiagen seinen Gewinn auf 425 Millionen Dollar verfünffachen - ein Jahr zuvor hatten noch Restrukturierungskosten kräftig auf das Ergebnis gedrückt. Trotz eines Bremseffekts durch die US-Zölle stiegen 2025 auch das operative Ergebnis und die entsprechende Marge deutlich.
Die Anleger haben gute Aussichten, davon zu profitieren. "Wir erwägen, der Hauptversammlung weitere Aktienrückkäufe vorzuschlagen", sagte Sackers. "Auch eine Dividenderhöhung ist etwas, was wir sicher intern diskutieren werden." Im vergangenen Juli hatte der Konzern erstmals in seiner Geschichte den Aktionären eine Bardividende von 25 US-Cent ausgezahlt.
Für 2026 peilt das Management nun abseits von Wechselkurseffekten ein Umsatzplus von mindestens fünf Prozent an - und damit so viel wie im Vorjahr. Dabei sollen Qiagens wichtigste Wachstumstreiber mit plus 9 Prozent noch stärker wachsen. Berücksichtigt ist auch ein erster Umsatzbeitrag von 40 Millionen Dollar durch die jüngst erfolgte Übernahme des US-Biotechunternehmens Parse Biosciences.
Der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) soll in diesem Jahr zu konstanten Umrechnungskursen auf mindestens 2,50 Dollar klettern, verglichen mit 2,38 Dollar im vergangenen Jahr. Dabei wird für das erste Quartal aber wegen einer verwässernden Wirkung durch den Parse-Zukauf und wegen der Zölle ein leichter Rückgang um einen US-Cent im Vergleich zum Vorjahr erwartet.
Rackers schätzt unterdessen, dass die höheren US-Zölle Qiagen im weiteren Jahresverlauf im Vergleich zu 2025 keine wesentliche Mehrbelastung bereiten dürften. Der Konzern habe einen großen Teil der Zölle an Kunden weitergeben können, nun dürfte Qiagen auch seine Logistikketten überarbeiten, um Zollaufschläge zu umgehen. Befragt nach möglichen weiteren Übernahmen bekräftigte er, dass Qiagen weitere ergänzende Zukäufe ins Auge nehme./tav/lew/stk/jha/



