DJ MARKT-AUSBLICK/Anleger fordern höhere Risikoprämie
DOW JONES--Das Jahr ist noch jung und die Anleger durften bereits einiges mitnehmen. Nicht unbedingt an Rendite, sondern auch an Erfahrung. Technologie und Software sind nicht nur Segen, sondern auch Fluch. Der Mythos der Künstlichen Intelligenz, die alles richten wird, ist ein wenig verblasst. Zunächst lebt die KI von Energie, die erzeugt werden muss, zudem hat sie wohl noch lange Zeit einen kaum zu bändigenden Hunger auf Kapital. Die Big Player in diesem Bereich sind bereit, hunderte Milliarden in das Zukunftsgeschäft zu investieren. Die Anleger schauen eher darauf, wie und wann diese Summen zurückgezahlt werden. Hier werden die Risiken momentan höher eingestuft.
Bei waghalsigen Manövern und eingegangenen Risiken muss man unweigerlich an Elon Musk denken, der seine Visionen bisher in Reichtum münzen konnte. Nun plant er schon wieder Großes. Nachdem lange Zeit ein selbstfahrender Tesla sein Traum war, bereitet er nun die Fusion seines Raumfahrtgeschäfts SpaceX mit seiner KI-Firma vor. SpaceX plant, Satelliten im Weltraum als Datenzentren einzusetzen und mit ihrer Hilfe Solarenergie zu produzieren, um den wachsenden Energiebedarf der KI-Infrastruktur auf der Erde abzudecken, erklärte Musk. Das Projekt sei "der ehrgeizigste Innovationsmotor auf (und über) der Erde". Hier braucht es einmal mehr einen festen Glauben an diese Vision. Per Juni will SpaceX US-Medienberichten zufolge erst einmal an der Börse starten.
Risiko-Assets haben weniger Fans
Nach diesem kleinen Ausflug nun ein Blick auf die Kapitalmärkte. Die Krypto-Welt ist in Aufruhr - der Markt befindet sich in einer Korrektur. Bitcoin und Ethereum notieren rund 48 beziehungsweise 60 Prozent unter ihren Allzeithochs, wobei beide jüngst innerhalb von 24 Stunden mehr als 10 Prozent an Wert verloren. Die Analysten aus dem Hause Jefferies sehen hier derzeit nur wenige bullische Indikatoren, die darauf hindeuten, dass sich die beiden Risiko-Assets einem Boden nähern.
Risikobarometer senden Warnsignale
Während die Aktienmärkte seit Jahresbeginn nahezu auf der Stelle treten, senden die Risikobarometer bereits Warnsignale. So notiert die Nasdaq seit Jahresultimo keine 3 Prozent im Minus, während der Volatilitätsindex der Tech-Börse am Donnerstag die Marke von 30 erreichte. Zum Vergleich: Der Durchschnittskurs der vergangenen zwei Jahre liegt bei knapp 21. Für Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners zeigt dies, wie groß aktuell die Unsicherheit unter den Anlegern ist. Und verunsicherte Marktteilnehmer drückten deutlich schneller auf den Verkaufsknopf.
Ein ähnliches Bild zeigt sich im DAX. Während der DAX auf Jahressicht rund 1 Prozent im Plus notiert, handelt der VDAX New knapp über 20, gegenüber dem Jahresbeginn ein fettes Plus von 20 Prozent. Dies zeigt, dass die Profis am Terminmarkt deutlich höhere Schwankungen in den kommenden Tagen und Wochen erwarten.
Was kommende Woche Impulse setzen kann
Spannend wird es gleich zum Wochenstart. Bei der Unterhauswahl in Japan am Sonntag wird allgemein mit einem deutlichen Wahlsieg der bisher ohne eigene parlamentarische Mehrheit regierenden LDP gerechnet. Diese Aussicht trug bereits in den zurückliegenden Tagen zu einer merklichen Schwäche des Yen bei, da von Premierministerin Takaichi erhebliche fiskalische Impulse angedeutet wurden. Der Yen nähere sich damit wieder Niveaus, die für Interventionsspekulationen sorgen könnten.
Am Mittwoch wird der ursprünglich für den heutigen Freitag vorgesehene US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Auch wenn der Jobmotor zuletzt nicht mehr so rund lief, wird mit einer unveränderten Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent gerechnet. Zudem läuft die Berichtssaison in Europa weiter. Ebenfalls am Mittwoch legen Siemens Energy wie auch Commerzbank ihre Zahlen vor, am Donnerstag folgen unter anderem noch Siemens und Thyssenkrupp.
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February 06, 2026 06:42 ET (11:42 GMT)
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