DJ EU wirft Tiktok "suchterzeugendes Design" vor
- Von Edith Hancock
DOW JONES -- Die Europäische Kommission hält das App-Design der Social-Media-Plattform Tiktok für suchtfördernd. Diese suchterzeugende Gestaltung verstoße gegen das Gesetz über digitale Dienste, teilte die Europäische Kommission als vorläufiges Ergebnis zu einer Prüfung am Freitag mit und verwies weiter auf Funktionen wie ausgedehntes Scrollen, Autoplay, Push-Benachrichtigungen und das hochgradig personalisierte Empfehlungssystem.
Die Untersuchung habe vorläufig ergeben, dass Tiktok nicht angemessen bewertet habe, wie diese Suchtmerkmale das körperliche und geistige Wohlbefinden seiner Nutzer, einschließlich Minderjähriger und schutzbedürftiger Erwachsener, beeinträchtigen könnten. Beispielsweise befeuerten bestimmte Gestaltungsmerkmale von Tiktok, indem sie die Nutzer ständig mit neuen Inhalten "belohnen", den Drang zum Weiterscrollen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen laut EU, dass dies zu zwanghaftem Verhalten führen und die Selbstkontrolle der Nutzer verringern könnte. Tiktok habe es offenbar versäumt, "angemessene, verhältnismäßige und wirksame Maßnahmen zur Minderung der Risiken zu ergreifen, die sich aus dem Suchtkonzept ergeben", erklärte die EU weiter.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Kommission der Auffassung, dass Tiktok das grundlegende Design seines Dienstes ändern muss. Als Beispiele nennt die EU hier die Deaktivierung wichtiger Suchtfunktionen wie "unendliches Scrollen", die Implementierung wirksamer "Bildschirmzeitunterbrechungen" und die Anpassung des Empfehlungssystems.
Diese vorläufigen Feststellungen greifen dem Ergebnis der Untersuchung aber nicht vor. Die vorläufigen Feststellungen der Kommission sind heute Teil ihres förmlichen Verfahrens zur Untersuchung der Einhaltung des Gesetzes über digitale Dienste durch TikTok, das am 19. Februar 2024 eingeleitet wurde.
Tiktok global gehört dem chinesischen Technologieunternehmen Bytedance Ltd. Weil der Dienst in den Vereinigten Staaten aber vor dem Aus stand, hatte Tiktok für das Land ein Joint Venture gegründet. Damit wurde ein über Jahre geführter Streit über Bedenken der US-Regierung um die nationale Sicherheit beigelegt. Gemäß den Bedingungen der von der Trump-Regierung ausgehandelten Vereinbarung wird der Dienst von einem neuen US-Unternehmen betrieben, das von Investoren kontrolliert wird, die als US-freundlich gelten. Die Datenverwaltung und das Algorithmus-Training für amerikanische Nutzer werden von Oracle überwacht. Ein Konsortium um den Oracle-Gründer Larry Ellison, Silver Lake und MGX hält nun die Mehrheit von 80,1 Prozent an der US-Einheit. Den Minderheitsanteil besitzt Bytedance mit 19,9 Prozent, aber ohne Stimmrechte.
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