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Der norwegische Wasserstoff-Spezialist Nel ASA kämpft derzeit mit schwachen Fundamentaldaten und einer schwierigen Branchenlage. Doch genau jetzt könnte sich charttechnisch eine spannende Situation entwickeln.
Die Aktie notiert knapp unter wichtigen Durchschnittslinien, die bei einem Überwinden für ordentlich Schwung sorgen könnten. Besonders die 0,21-Euro-Marke rückt in den Fokus der Anleger. Ein Durchbruch hier würde nicht nur den 50-Tage-Durchschnitt, sondern auch die 200-Tage-Linie knacken und damit ein starkes Kaufsignal senden. Noch interessanter wird es darüber: Bei Kursen über 0,23 oder sogar 0,25 Euro käme richtig Fantasie ins Spiel. Gleichzeitig gibt es aber auch handfeste Risiken. Der Auftragsbestand ist deutlich geschrumpft, die Konkurrenz aus China wächst, und die erhoffte Nachfrage nach Elektrolyseuren lässt weiter auf sich warten. Am 26. Februar stehen die Q4-Zahlen an, die zeigen werden, ob Nel den Turnaround schafft oder weiter unter Druck bleibt.
Fundamentale Herausforderungen
Nel ASA steckt in einer schwierigen Phase. Die jüngsten Quartalszahlen aus dem dritten Quartal 2025 zeigen den Ernst der Lage: Der Umsatz fiel auf 303 Millionen norwegische Kronen. Noch dramatischer sieht es beim Auftragseingang aus, der um satte 64 Prozent auf nur noch 57 Millionen norwegische Kronen einbrach. Der Auftragsbestand hat sich innerhalb eines Jahres nahezu halbiert und liegt jetzt bei rund 984 Millionen norwegische Kronen. Das macht die Planung schwierig und verunsichert Investoren. Die Probleme sind hausgemacht und branchenweit. Europa hinkt beim Aufbau der Wasserstoffindustrie hinterher, während China massiv aufrüstet. Laut Oxford Institute for Energy Studies kommen bereits 60 Prozent der weltweiten Elektrolyseur-Fertigungskapazität aus dem Reich der Mitte. Nel-Chef Hakon Volldal fordert deshalb von der EU klare Regeln nach dem Prinzip "Buy European" bei öffentlichen Ausschreibungen. Ohne diese Unterstützung drohe Europa seinen Technologievorsprung zu verlieren. Positiv ist die Investitionsentscheidung vom Dezember 2025. Nel will am Standort Heroya eine neue Generation alkalischer Hochdruck-Elektrolyseure industrialisieren. Die EU unterstützt das Projekt mit bis zu 135 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds. Der kommerzielle Start ist für die erste Jahreshälfte 2026 geplant. Das Unternehmen verfügt über eine solide Liquidität von etwa 1,8 Milliarden norwegische Kronen. Trotzdem bleiben Fragen zur Finanzierung der Expansion offen. Manche Analysten befürchten eine Verwässerung durch Kapitalerhöhungen, ähnlich Plug Power.

Charttechnik
Die Nel-Aktie bewegt sich im Grunde genommen monatelang in einer Seitwärtsrange. Anfangs lag die Oberkante noch bei 0,30 bis 0,31 Euro, doch diese Marken wurden schon lange nicht mehr erreicht. Inzwischen hat sich die Range deutlich verengt. Die relevanten Hochs liegen jetzt zwischen 0,24 und 0,25 Euro. Seit März 2025 kam der Kurs nicht mehr darüber hinaus. Aktuell pendelt die Aktie an der Unterkante der Range bei etwa 0,18 bis 0,19 Euro. Die Bewegungen sind eng und kraftlos. Der 50er SMA liegt bei rund 0,19 Euro, die 200-Tage-Linie 1 Cent höher. Ein Ausbruch über die 0,21-Euro-Marke wäre technisch extrem wichtig. Damit würden beide Durchschnittslinien gleichzeitig überwunden, was klassisch als Trendwende gilt. Das Signal würde auf Grün springen. Noch spannender wird es bei Kursen über 0,23 Euro. Hier läge dann auch die psychologisch wichtige Range-Mitte deutlich hinter der Aktie. Ein Anstieg bis 0,25 Euro würde zusätzlichen Schub bringen und das obere Range-Ende wieder in Reichweite rücken lassen. Der RSI steht aktuell bei knapp unter 50 Punkten und damit neutral. Wenn es die Aktie aber schaffen sollte, die Hürden zu überwinden, die gar nicht mal so weit weg liegen. Dann heißt es wohl: Up, Up and Away.
Was tun?
Fundamental ist die Lage angespannt. Die schwachen Auftragseingänge und der halbierte Auftragsbestand drücken auf die Stimmung. Gleichzeitig kämpft die gesamte Wasserstoffbranche mit verzögerten Projekten, hohen Kosten und starker Konkurrenz aus Asien. Die erhoffte Nachfragewelle lässt weiter auf sich warten. Positiv sind die Investitionen in neue Technologien und die EU-Förderung von 135 Millionen Euro. Auch die Liquidität von 1,8 Milliarden Kronen gibt Spielraum. Charttechnisch könnte es jetzt interessant werden. Die 0,21-Euro-Marke ist der Schlüssel. Ein Überwinden würde beide wichtigen Durchschnittslinien knacken und ein klares Kaufsignal auslösen. Darüber, besonders ab 0,23 oder 0,25 Euro, käme richtig Momentum ins Spiel. Allerdings ist die Aktie seit Monaten in einer engen Range gefangen. Ohne positive Impulse von außen bleibt die Gefahr eines Rutschs unter 0,18 Euro real. Die Q4-Zahlen am 26. Februar werden entscheidend sein. Für spekulative Anleger mit langem Atem könnte Nel eine Überlegung wert sein, wenn der Ausbruch über 0,21 Euro gelingt. Das Risiko ist aber sehr hoch. Konservative Investoren sollten die Quartalszahlen abwarten und erst bei klaren positiven Signalen beim Auftragseingang und Ausblick einsteigen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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