BERLIN (dpa-AFX) - Wie beeinflusst der Klimawandel Kaffeeanbau und -verkauf? Mit Blick auf eine neue Untersuchung warnt die gemeinnützige US-Organisation Climate Central vor möglichen Folgen vermehrter Hitzetage für die Kaffee-Ernten in den Tropen. Extreme Wetterereignisse in den globalen Kaffeeanbaugebieten hätten wahrscheinlich zu den Preissprüngen bei Kaffee in den letzten Jahren beigetragen, hieß es auch.
Der Climate-Central-Analyse zufolge kam es in den vergangenen Jahren in den Anbauregionen durch den Klimawandel öfter zu Tagen mit Höchstwerten, die vor allem Arabica-Kaffeepflanzen schaden können. Dadurch seien möglicherweise Qualität und Menge der jüngsten Ernten beeinträchtigt worden, teilte die Organisation mit.
Organisation: Mehr für Kaffee schädliche Hitzetage
Für die Analyse schaute sich Climate Central die Temperaturen von 2021 bis 2025 in Ländern des sogenannten Kaffeegürtels an. Dazu zählen 25 Staaten rund um den Äquator. Die Autoren verglichen die Werte mit geschätzten Temperaturen einer hypothetischen Welt ohne menschengemachten Ausstoß von Treibhausgasen. Sie wollten verstehen: Wie häufig treibt der Klimawandel die Temperaturen in diesen Ländern über die für vor allem für Arabica-Kaffeepflanzen schädliche Hitzeschwelle von 30 Grad?
Ihr Ergebnis: Durch den Klimawandel verzeichneten die Top-5-Kaffeeanbauländer - Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Äthiopien und Indonesien - jährlich durchschnittlich zusätzliche 57 Tage mit für den Kaffeeanbau schädlichen Temperaturen.
Folgen für den Kaffeeanbau
Werte über der Schwelle bedeuten für die Kaffeepflanzen der Organisation zufolge Stress. Die Pflanzen würden anfälliger für Krankheiten, lieferten weniger Ertrag und schlechtere Bohnen. Zusammengenommen könnte das das Angebot und die Qualität von Kaffee verringern und weltweit zu Preiserhöhungen beitragen, hieß es.
Laut Marktbericht der internationalen Kaffee-Organisation ICO lag der durchschnittliche Preis für ein US-Pfund Rohkaffee (etwa 454 Gramm) im Dezember vergangenen Jahres bei ungefähr 3 US-Dollar. Zwei Jahre zuvor waren es demnach noch zwischen 1,6 und 1,8 US-Dollar. Das Hamburger Handelsunternehmen Tchibo hatte kürzlich mit Verweis auf den angespannten Markt seine Kaffeepreise erhöht.
Landwirte müssen sich anpassen
Climate Central sieht Landwirte gezwungen, ihre Anbaumethoden anzupassen. So könnten etwa höhere Bäume rund um den Kaffee gepflanzt werden, deren Schatten die Kaffeepflanzen dann vor schädlicher Hitze schütze. Die Anbauregionen könnten sich durch den Klimawandel zudem verlagern, meint die Organisation./jce/DP/zb
