
© Foto: Alberto Adán auf Pixabay
Kaum ein Wert an der Börse erzählt gerade eine so explosive Geschichte wie Eutelsat. Der französische Satellitenbetreiber kämpft sich durch eine radikale Verwandlung - und wer die jüngsten Zahlen gelesen hat, weiß: Hier passiert gerade etwas Großes. Das LEO-Geschäft wächst mit fast 60 Prozent und macht bereits ein Fünftel der Gesamterlöse aus. Der französische Staat stützt das Unternehmen mit knapp einer Milliarde Euro, weil Eutelsat als einziger echter europäischer Konkurrent zu Elon Musks Starlink gilt. Die Bilanz wurde saniert, die Schulden massiv abgebaut, und 440 neue Satelliten sind bereits bestellt. Und dann ist da noch die Charttechnik:
Nach einem starken Anstieg hat die Aktie fast alles wieder hergegeben und notiert nun genau dort, wo es für mutige Anleger wieder interessant werden könnte. Wer Eutelsat noch nicht auf der Watchlist hat, sollte das jetzt ändern.
Der Umbau trägt Früchte - die Zahlen beweisen es
Das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 zeigt, wohin die Reise geht. Der Gesamtumsatz lag bei 592 Millionen Euro - auf vergleichbarer Basis stabil. Doch die eigentliche Geschichte steckt im Detail. Das LEO-Segment legte um knapp 60 Prozent auf 111 Millionen Euro zu und steuert inzwischen rund ein Fünftel der Gesamterlöse bei. Das klassische Videogeschäft verlor erwartungsgemäß rund 12 Prozent. Dies ist den Sanktionen gegen russische Sender und dem strukturellen Druck durch Streaming-Dienste geschuldet. Das war aber absehbar und bereits eingepreist. Das bereinigte EBITDA sank auf 308 Millionen Euro, die Marge liegt bei soliden 52,1 Prozent, was sehr beachtlich für ein Unternehmen mitten in einer kompletten Neuausrichtung ist. Der Nettoverlust von 236 Millionen Euro fiel deutlich geringer aus als ein Jahr zuvor. Besonders stark zeigt sich die Entwicklung in der Bilanz. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA verbesserte sich von 3,88 auf nur noch 2,0. Moody's und Fitch quittierten das mit Ratingverbesserungen. Dazu kommen 440 neue Satelliten, die bei Airbus bestellt wurden. Lieferstart ist Ende 2026. Die Jahresprognose wurde bestätigt, die Investitionsausgaben sogar auf rund 900 Millionen Euro gesenkt. Der ursprünglich geplante Verkauf von Bodeninfrastruktur scheiterte zwar am Veto des französischen Staates, doch dieser Rückschlag ist verkraftbar und spart dem Unternehmen jährlich bis zu 80 Millionen Euro an Leasingkosten.

Charttechnik
Nach einem beeindruckenden Kursanstieg im März 2025 auf bis über 9 Euro hat Eutelsat kräftig korrigiert - der Anstieg wurde fast vollständig zurückgenommen. Auf den ersten Blick sieht das nach einer Enttäuschung aus. Auf den zweiten Blick ist es eine Chance. Die Aktie notiert nun nahe einem charttechnischen Unterstützungsbereich bei 2 Euro. Das Chartbild zeigt erste Stabilisierungszeichen. Solche Auskorrektur-Muster nach einer Übertreibungsphase kennen erfahrene Börsianer, denn sie markieren häufig den Startpunkt der nächsten Aufwärtsbewegung. Dreht das Sentiment, könnte Eutelsat schnell wieder deutlich an Fahrt gewinnen. Das Risiko-Chancen-Verhältnis auf dem aktuellen Niveau ist deutlich attraktiver als noch vor einigen Wochen oder gar Monaten wo die Kurse deutlich höher lagen. Der RSI notiert im recht neutralen Bereich um 43, lässt damit aber Steigerungspotenzial nach oben zu. Die nächste Hürde liegt im Bereich um 3 Euro, danach bei 4 Euro. Dann ist wiederum Luft bis auf 7 oder gar 8 Euro.
Was tun?
Eutelsat ist keine Aktie für schwache Nerven, aber für Anleger mit Weitblick eine höchst spannende Spekulation. Das Unternehmen befindet sich mitten im Umbau, trägt kurzfristig Margenbelastungen und schreibt noch rote Zahlen. Doch die Richtung stimmt. Das LEO-Segment wächst rasant, die Bilanz wurde saniert, und die staatliche Rückendeckung Frankreichs gibt dem Unternehmen eine Sicherheit, die Wettbewerber schlicht nicht haben. Charttechnisch hat die Aktie nach einer langen Korrektur Unterstützung gefunden. Das macht den Einstiegszeitpunkt deutlich interessanter als noch vor wenigen Wochen. Wer einen längeren Atem mitbringt und an die Zukunft der Satelliten-Konnektivität glaubt, sollte Eutelsat ernsthaft ins Depot-Kalkül ziehen, zumindest aber auf die Watchlist legen. Ein schrittweiser Aufbau einer Position auf dem aktuellen Niveau erscheint vertretbar. Der Fokus gilt dabei klar der weiteren Entwicklung des LEO-Segments in den kommenden Quartalen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




