
Alexander Siegmund erklärt, warum smart pension die bAV neu kalkuliert und Unterstützungskassen mit weniger Kapital höhere Renten ermöglichen sollen.
Herr Siegmund, Sie beschäftigen sich seit über 25 Jahren mit betrieblicher Altersversorgung. Warum ist das Thema gerade jetzt wieder so brisant?
Alexander Siegmund: Weil die demografische Realität inzwischen jede Schönrechnung entlarvt. Die gesetzliche Rente wird politisch stabilisiert, aber ökonomisch immer teurer. Gleichzeitig wird die betriebliche Altersversorgung, eigentlich die stabilste zweite Säule, falsch eingesetzt: zu versicherungszentriert, zu intransparent und oft betriebswirtschaftlich ineffizient. Genau hier setzen wir mit smart pension an.
Sie sprechen von Fehlanreizen. Was läuft konkret falsch?
Alexander Siegmund: Viele klassische bAV-Lösungen sind keine Versorgungssysteme, sondern Versicherungsprodukte. Sie kalkulieren mit extremen Langlebigkeitsannahmen - 120 oder 130 Jahre -, die in der Praxis zu massivem Kapitalbedarf führen. Das Ergebnis: hohe Kosten, geringe Renten und Frust auf Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite. Wer Altersvorsorge als Produkt verkauft, verliert den Blick für die Bilanz und die Logik dahinter.
smart pension wird oft als Gegenmodell bezeichnet. Worin liegt der Unterschied?
Alexander Siegmund: Wir drehen die Perspektive um. smart pension kalkuliert realistisch - bis etwa 94 Jahre. Für eine Zielrente von 1.000 Euro benötigen wir rund 240.000 Euro Kapital. Klassische Versicherer liegen bei 450.000 Euro oder mehr. Das ist keine Meinung, sondern Mathematik. Und diese Differenz entscheidet, ob bAV wirtschaftlich tragfähig ist oder nicht.
Kritiker würden sagen: Das klingt nach Risiko.
Alexander Siegmund: Im Gegenteil. Das eigentliche Risiko liegt im System der Versicherungslogik. Dort verfällt Kapital, wenn Mitarbeitende früh versterben. Bei smart pension bleibt es im Unternehmen und dient der Versorgung der Belegschaft. Das ist planbar, insolvenzgeschützt und bilanziell sauber. Wir kalkulieren mit dem Leben - nicht mit dem Tod.
Welche Rolle spielt dabei die Unterstützungskasse?
Alexander Siegmund: Eine zentrale und zugleich massiv unterschätzte. Die Unterstützungskasse ist eines der flexibelsten und wirtschaftlich sinnvollsten Instrumente der betrieblichen Altersversorgung überhaupt, insbesondere für mittelständische Unternehmen und ihre gesamte Belegschaft.
Mit einer Unterstützungskasse lassen sich Versorgungszusagen kapitalgedeckt, insolvenzgeschützt und bilanziell sauber abbilden. Genau das macht sie so wertvoll: Sie folgt der Logik des Unternehmens, nicht der Logik eines Produktanbieters. Richtig aufgesetzt, eignet sich die Unterstützungskasse hervorragend für breite Mitarbeitergruppen, auch für Fachkräfte und gewerbliche Beschäftigte. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, steigenden Lohnkosten und Bilanzdruck bietet sie Unternehmen die Möglichkeit, Versorgung effizient zu gestalten, ohne unkalkulierbare Risiken einzugehen.
Wo liegt dann das eigentliche Problem?
Alexander Siegmund: Nicht im Instrument, sondern im Rechtsrahmen. Die steuerlichen Grundlagen der Unterstützungskasse stammen teilweise aus den 1940er-Jahren. Veraltete Rechnungszinsen, überholte Sterbetafeln, unrealistische Vervielfältiger - das passt nicht mehr zur heutigen Arbeitswelt und Kapitalmarktrealität.
Solange diese Rahmenbedingungen nicht modernisiert werden, bleibt ein enormes Potenzial ungenutzt. Dabei könnte die Unterstützungskasse genau das leisten, was Politik und Wirtschaft seit Jahren fordern: eine stabile, kapitalgedeckte zweite Säule der Altersversorgung.
Und wo setzt smart pension konkret an?
Alexander Siegmund: smart pension nutzt die Unterstützungskasse nicht als Hülle für alte Denkmuster, sondern als modernes Versorgungssystem. Wir kombinieren sie mit realistischen biometrischen Annahmen, klarer Kapitalstruktur und transparenter Steuerung. Das Ergebnis: gleiche oder bessere Leistungen bei deutlich geringerem Kapitalbedarf und volle Kontrolle, gerade für Unternehmen, die ihrer Belegschaft eine wahre Versorgung über Entgeltumwandlung anbieten wollen.
Entscheidend ist: Das Kapital bleibt im System. Stirbt ein Mitarbeitender früh, verfällt nichts an einen Versicherer. Die Mittel stehen weiterhin für die Versorgung der Belegschaft zur Verfügung. Das ist nicht nur effizient, sondern fair.
Sie kritisieren auch die Politik offen. Warum?
Alexander Siegmund: Weil wir über Symptome reden, nicht über Strukturen. Die Rentenpolitik setzt auf Steuermilliarden statt auf Systemintelligenz. Gleichzeitig bleiben zentrale Baustellen der bAV ungelöst: veraltete Rechnungszinsen, steuerliche Ungleichbehandlung der Unterstützungskassen, fehlende Klarheit bei Garantien. Das sind systemische Fehlanreize, die Unternehmen davon abhalten, sinnvoll vorzusorgen.
Ihr Fazit?
Alexander Siegmund: Die bAV ist der schlafende Riese der Altersvorsorge. Wer sie weiter als Produkt denkt, wird scheitern. Wer sie als System begreift, kann Versorgung, Bilanz und Mitarbeiterbindung intelligent verbinden.
Über Alexander Siegmund:
Alexander Siegmund ist Gründer und Geschäftsführer der KPM Pensions & Benefits GmbH. Als zugelassener Rentenberater, Betriebswirt bAV und Master of Pension Management gilt er als einer der profiliertesten Experten für betriebliche Altersversorgung in Deutschland.
Enthaltene Werte: DE0009653386
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